Wittener wollen Würdigung für Georg Goyert

Die Geburts-Adresse von Georg Goyert in der Wiesenstraße: Das Gründerzeit-Haus des Jahres 1884 ersetzte allerdings ein Nachkriegs-Gebäude.
Die Geburts-Adresse von Georg Goyert in der Wiesenstraße: Das Gründerzeit-Haus des Jahres 1884 ersetzte allerdings ein Nachkriegs-Gebäude.
Foto: WAZ-FotoPool
Gefragt sei die Kulturpolitik, damit eine Straße oder Schule nach dem „Ulysses“-Übersetzer benannt wird. Auch eine Erinnerung an die Pioniertat des Übersetzers in Form eines Wittener „Bloomsday“ sei machbar: Ulrich Kosfeld hat eine solche Ganztages-Lesung einst in Bochum vorgemacht.

Witten..  Doch, man erinnert sich wieder an den Wittener Georg Goyert, der als erster Literat den monumentalen Dublin-Roman „Ulysses“ ins Deutsche übersetzte, der jahrelang mit James Joyce korrespondierte – und der mit seiner Pioniertat sogar der ersten französischen Übersetzung des (immerhin in Paris lebenden) irischen Erzspötters zuvorkam.

„Köstlich“, so kommentiert Martina Kliner-Fruck, die Leiterin des Stadtarchivs, den ironischen Vorschlag einer Gedenktafel am Bahnhof: „Hier wartete der Wittener Georg Goyert lange vergeblich auf den Autor James Joyce.“ Immerhin begegneten sich ja der Großschriftsteller und sein Übersetzer – allerdings 1926 im belgischen Ostende.

Weniger ironisch fragt der Wittener Wolf-Dieter Lepiorz: „Wie oft müssen noch Beiträge über Georg Goyert erscheinen, um ihn endlich öffentlich zu würdigen durch eine Namensgebung einer Straße oder Schule?“ Gefragt sei die Kulturpolitik. Lepiorz weiter: Goyert, der bis zum Herbst 1938 in Witten unterrichtete, „ist historisch unbelastet und ein Meilenstein der Literaturgeschichte: Seine Bedeutung und sein Ruhm wurde seit 1945 im Rahmen demokratischer Verhältnisse bekannt.“ Ergänzen ließe sich: Erst mit Hans Wollschlägers „Ulysses“-Übersetzung von 1975 galt das dreibändige, 400 000 Wörter zählende Werk Goyerts als „veraltet“.

Auch der ehemalige Wittener Ulrich Kosfeld meldete sich erneut in Sachen Goyert – und auf die Frage im WAZ-Kommentar: Warum nicht den „Ulysses“-Übersetzer ehren, so wie die Dubliner den Ur-Roman der Moderne ehren? Ja, einen „Bloomsday“ am 16. Juni habe es schon gegeben – im nahen Bochum. Passende Schauplätze für die 16-Stunden-Lesung in Kostümen von 1904 sollten sich auch in Witten finden lassen: von Festungsturm und Friedhof über irische Pubs bis zur Wöchnerinnen-Station.

 
 

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