Wittener Vater: Kurze Auszeit vom Sorgerechtsstreit

Vater und Sohn wollen die gemeinsame Zeit genießen.
Vater und Sohn wollen die gemeinsame Zeit genießen.
Foto: Privat
Ein Wittener Vater verbringt drei Ferienwochen mit seinem Sohn – nachdem er lange gar keinen Kontakt zu ihm hatte. Ein Ende des komplizierten Verfahrens ist noch nicht in Sicht. Erst einmal wollen die beiden ihre gemeinsame Zeit aber genießen.

Witten..  „Im Moment ist es eigentlich eine schöne Zeit“, sagt der 52-jährige Wittener. Denn er hat Urlaub und verbringt drei Wochen mit seinem Sohn. Die gemeinsame Zeit ist selten und deshalb kostbar. Er ist jener Vater, der seit zwei Jahren um das Sorgerecht für seinen Jungen kämpft. Ende März berichteten wir bereits über die Auseinandersetzung des Mannes mit dem Dortmunder Amtsgericht – noch immer ist keine Entscheidung gefallen. Im Gegenteil: Wochenlang bekam der Vater seinen Sohn nicht zu Gesicht.

Aufgrund eines Gutachtens verbrachte der Elfjährige fast acht Monate in der Wohngruppe eines Kinderheims in Unna, musste die Schule wechseln, kam mit Drogen in Kontakt. Im April wurde der Unterbringungsbeschluss endlich, jedoch ohne Begründung, aufgehoben. Der Junge kam zu seiner Mutter zurück, obwohl er der Richterin zum dritten Mal erklärt habe, nach wie vor lieber bei seinem Vater leben zu wollen.

Vater darf Sohn alle 14 Tage sehen

Für den ging die Tortur weiter: „Die Mutter hat quasi den Umgang boykottiert, ging weder ans Telefon, noch reagierte sie auf Emails oder SMS. Ich wusste nicht, wie es meinem Sohn geht.“

Der Anwalt des Witteners stellte einen Eilantrag zur Regelung für die Osterferien. „Die Richterin gab der Mutter eine Frist zur Stellungnahme bis zum 8. Mai“, sagt der Vater. Da waren die Ferien schon zwei Wochen vorbei. Von seinem Sohn hatte er nach wie vor nichts gesehen oder gehört. Weil die Mutter sich krank meldete, fand die nächste Gerichtsverhandlung, in der der Umgang geregelt werden sollte, erst am 22. Mai statt.

„Zwei Wochen später beschloss die Richterin, dass ich meinen Sohn alle 14 Tage von Freitag bis Montag sehen darf.“ Verboten sei es ihm aber, zwischen den Terminen Kontakt zu seinem Jungen aufzunehmen oder Kontaktversuche von dem Kind anzunehmen. Der Grund: Schwierigkeiten in der Erziehung des Kindes aufgrund dessen Loyalitätskonflikts zwischen den Eltern sollten vermieden werden.

Die beiden wollen Zeit genießen

Immerhin habe die Richterin ein neues familienpsychologisches Gutachten in Auftrag gegeben, das bis zum 30. November fertig sein soll. Beim ersten Gutachten hatte die Sachverständige selbst Flüchtigkeitsfehler eingeräumt. Falsche Namen waren aufgetaucht. Nun wird sich ein anerkannter Psychologe der Sache annehmen.

Dass sich nach Richterin, Gutachterin, Jugendamtsmitarbeiterin und Verfahrensbeiständin nun endlich ein Mann mit dem Fall befasst, macht dem Vater nur ein wenig Hoffnung. „Ich habe immer gedacht, eindeutiger als bei mir kann ein Fall nicht liegen, weil mein Sohn sich klar äußert.“ Zum Wohle des Kindes – diesen Ausdruck kann der Wittener nicht mehr hören, „denn das wird permanent mit Füßen getreten“.

Um so mehr will er die wenigen Wochen mit seinem Sohn genießen. Die beiden werden Rad fahren, kochen und hoffen, „dass sich vielleicht doch bald was ändert“.

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