Wittener Türken in Sorge

„Ich habe keine Angst“:  Mohammed Yanik nach dem Freitagsgebet in der  Sultan-Ahmet-Moschee. Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
„Ich habe keine Angst“: Mohammed Yanik nach dem Freitagsgebet in der Sultan-Ahmet-Moschee. Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
„Angst haben wir nicht, aber man macht sich Sorgen.“ Imbissbesitzer Sabri Korkmaz (37) glaubt wie viele Türken aus Witten, dass hinter den Dönermorden rechter Terroristen aus Thüringen noch ganz andere, „größere“ Hintermänner stecken.

Witten. „Angst haben wir nicht, aber man macht sich Sorgen.“ Imbissbesitzer Sabri Korkmaz (37) glaubt wie viele Türken aus Witten, dass hinter den Dönermorden rechter Terroristen aus Thüringen noch ganz andere, „größere“ Hintermänner stecken.

Die beiden toten Neonazis aus Zwickau seien doch nur kleine Leute gewesen, glaubt Korkmaz. Es ist Freitagmittag, mehrere Kunden stehen in der Tür. „Ein Hähnchendöner bitte!“ Die Atmosphäre ist friedlich - die schrecklichen Morde an acht Türken, einem Griechen und einer Polizistin sind weit weg. Trotzdem weiß hier jeder Bescheid, wovon die Rede ist.

„Wir haben keine Probleme“, sagen alle Türken, die wir an diesem Tag in Witten befragen. „Mein bester Freund ist Deutscher“, meint Sabri Korkmaz. Sein Bruder Israfil (35), der gerade eine Portion Fleisch abtrennt, zieht einen Vergleich, der nichts verharmlosen soll, aber die Dinge aus seiner Sicht ein wenig relativiert: „In Deutschland gab es in zehn Jahren acht türkische Opfer, in der Türkei kamen in dieser Zeit 17 000 Menschen ums Leben.“

„Man muss die Hintermänner finden“, fordert auch Dönerverkäufer Ali Bilgi (40). er hielte ein Verbot der rechtsextremen NPD für richtig. Die Partei sei deshalb gefährlich, weil sie gegen alle Ausländer sei - während sich beispielsweise der Terror der verbotenen PKK „nur“ gegen die Polizei und das Militär in der Türkei richte. Bilgi lebt seit 16 Jahren in Witten und fühlt sich hier sicher. „Die Polizei fährt auch nachts Streife“, sagt er mit einem Blick in die Fußgängerzone. „Das gefällt mir.“

Er hätte nicht erwartet, dass Neonazis noch so aktiv im Untergrund sind, sagt Haci Ali Acikgöz, der gerade auf der Straße vorbeikommt. Niemals dürfe sich das wiederholen, was die rechtsextremen Terroristen in den letzten Jahren angerichtet hätten. „Wir wollen brüderlich und in Frieden mit den Deutschen weiterleben“, sagt der 73-Jährige, der seit 46 Jahren Witten sein Zuhause nennt. „Witten ist meine Stadt“, sagt er und küsst dabei seine Finger. Nie habe er Probleme gehabt, mit den Deutschen Karten gespielt, früher bei Mannesmann gearbeitet.

„Warum sollen wir Angst haben?“ Mohammed Yanik trinkt nach dem Freitagsgebet am Mittag mit einigen Moslems in der Sultan-Ahmet-Moschee an der Wideystraße Tee. „Ihr Deutschen müsst uns jetzt unterstützen“, sagt er im Gespräch über die rechte Gewalt. „Die deutsche Polizei muss für Ordnung sorgen, ich kann das nicht machen.“ Der 65-Jährige verlässt sich auf seine zweite Heimat Deutschland. Früher hat er bei Rheinstahl in Annen „Panzer geschweißt“, er lebt seit 42 Jahren hier.

Die aufgeflogene Terrorzelle ist ein Thema unter den Gläubigen in der Moschee. 500 versammeln sich dort zum Gebet. „Morde passieren überall“, sagt einer. Was die Neonazis getan hätten, sei aber eine andere Dimension. Doch auch Mohammed Yanik meint: „In Witten hatte ich noch nie Probleme.“

 
 

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