Wittener treten für Aufwertung des Karl-Marx-Platzes ein

Der Königsplatz um 1900: Das Siegesdenkmal mit der „Germania“ wurde 1877 eingeweiht. Im Hintergrund erkennbar ist die Kuppel der Synagoge.Stadtarchiv, Repro:Nitsche
Der Königsplatz um 1900: Das Siegesdenkmal mit der „Germania“ wurde 1877 eingeweiht. Im Hintergrund erkennbar ist die Kuppel der Synagoge.Stadtarchiv, Repro:Nitsche
Foto: WAZ
Der einstige Königsplatz wurde einst als repräsentatives Entree zur Stadt erbaut. Bürger aus dem Quartier möchten den heutigen Karl-Marx-Platz aufwerten.

Witten..  Im Treppenhaus von Haus Nordstraße 25 hängt ein Schwarz-Weiß-Foto, das den Königsplatz etwa anno 1900 zeigt: mit Wasserspielen zu jeder Seite des Kriegerdenkmals, quadratisch angelegtem Park mit Rasen, Wegen mit feinem Dolomitsand, Bänken, eingefasst von 58 Bäumen – ein Platz, der zum Verweilen und Flanieren einlädt.

„Das ist ja interessant, wo ist das denn?“, fragen Gäste von Haimo Hurlin verwundert. Der 60-Jährige, der seit 20 Jahren in dem Stadthaus aus der Historismus-Zeit (erbaut 1898) wohnt, blickt in ungläubige Gesichter, wenn er sagt: „Das ist hier direkt vor der Tür!“

Der Kontrast zwischen der historischen Aufnahme des Königsplatzes und dem heutigen Karl-Marx-Platz, wie er seit 1947 heißt, ist hart. Die Breite Straße schneidet seit 1967 eine ganze Ecke des Quadrates ab: Wer heute auf der anderen Seite im Biergarten „La Piazza“( früher „La Nonna“) sitzt, hätte dereinst noch auf einer Ecke des Platzes gesessen. Das Übrige fürs Ambiente tun Container für Glas, Papier und Altkleider, verbeulte Abfalleimer, Betonwürfel, die das Befahren verhindern und Betongittersteine, die das Befahren mit besonders schweren Fahrzeugen ermöglichen. Grund: In den 1990er Jahren stand hier die „Wilde Maus“, als die Kirmes vom Rathausplatz verbannt wurde.

Die Laternen und die Einfriedung sind verschwunden, letztere, lebt in der Nordstraße die leise Hoffnung, könnte noch irgendwo eingelagert sein. Der Platz, den die Stadtväter und -mütter ab 1866 zu Wittens aufkommender industriellen Blüte als repräsentatives Entree zur Stadt anlegen ließen, das Zugreisenden schon beim Vorbeifahren imponieren sollte, fristet heute ein trauriges Dasein als Parkplatz und Hundeklo.

Haimo Hurlin ist weder Traumtänzer noch Einzelkämpfer. Mit Nachbarn aus der Nordstraße und dem ganzen Hohenzollernviertel setzt sich der Managementtrainer für eine Aufwertung und Entwicklung zu einem „schönen und lebenswerten Platz“ ein. Dabei ist auch ihm völlig klar: „Er wird nie wieder so aussehen, wie er war.“

„Wir möchten in einen Ideenwettbewerb für den Platz eintreten“, nennt Hurlin das erste Ziel der Anwohner. Mit ins Boot geholt werden sollen dabei Kinder, aber auch Planungsprofis und die Stadt. Diese habe schon Interesse signalisiert, immerhin sei der Karl-Marx-Platz neben dem Humboldt-Platz in der kommunalen Leitplanung als „zu entwickelnder Platz“ festgehalten. Und in der Klimaplanung des RVR erfülle er als „unbelastete Luftleitbahn“ eine wichtige Funktion für die Innenstadt.

Eigene Vorstellungen hat Haimo Hurlin schon: Mehr Grün, weniger Asphalt – Breite Straße und Gartenstraße könnten locker ein Stück abgeben. Und das einstige „Siegerdenkmal“ in der Mitte? Zu solcher Symbolik will niemand zurück. Hurlin: „Wir Nachbarn aus dem Hohenzollerviertel wollen uns dafür engagieren, dass der Platz eines Tages ein zeitgemäßes Schmuckstück Wittens und ein Platz des europäischen Friedens wird.“

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