Wittener soll Prostituierte als Sex-Sklavin gehalten haben

Aufgrund ihres jahrelangen intensiven Drogenkonsums sei die Frau nicht in der Lage, glaubhaft vor Gericht auszusagen.
Aufgrund ihres jahrelangen intensiven Drogenkonsums sei die Frau nicht in der Lage, glaubhaft vor Gericht auszusagen.
Foto: Kurt Michelis WAZ/ FotoPool
Ein Wittener soll eine Prostituierte aus Dortmund monatelang mit Drogen gefügig gemacht und als Sex-Sklavin gehalten haben. So lautet die Anklage in einem Prozess vor dem Bochumer Landgericht am Montag. Doch das vermeintliche Opfer kann nicht aussagen.

Witten.. Ein Wittener soll eine Prostituierte monatelang mit Drogen gefügig gemacht und als Sex-Sklavin gehalten haben. Die meisten Anklagevorwürfe fielen vor dem Bochumer Landgericht am Montag wie ein Kartenhaus zusammen: Das vermeintliche Opfer kann nicht aussagen, bescheinigen zwei Sachverständige.

Aufgrund ihres jahrelangen intensiven Drogenkonsums sei die Frau nicht in der Lage, glaubhaft auszusagen. Das Gutachten war im vergangenen Sommer in Auftrag gegeben worden, als der Prozess in die erste Runde ging. Damals erschien die 28-Jährige einmal - und zwar sichtlich benebelt. Dann verschwand sie. Nach einer längeren Suche nach der offenbar obdachlosen Prostituierten kam es doch noch zu dem Gutachten, das die gestrige Neuauflage des Prozesses in Gang brachte.

Ohne die Aussage der Frau sind die Hauptvorwürfe gegen den 47-Jährigen nicht nachzuweisen. Er soll die Prostituierte im Herbst 2012 auf dem Dortmunder Straßenstrich kennengelernt und bei sich zu Hause aufgenommen haben.

Laut Anklage sollte sie ihm sexuell zur Verfügung stehen und die Tageseinnahmen, die sie auf dem Strich verdiente (80 bis 100 Euro), bei ihm abliefern. Dafür soll der Annener sie mit Heroin versorgt und - viel schlimmer - damit gefügig gemacht haben. In Einzelfällen soll es auch zu gewaltsamen sexuellen Übergriffen durch den Angeklagten gekommen sein.

Der Mann sagt, er habe helfen wollen

Diese Vorwürfe bestreitet der Wittener. Er habe sie nicht ausgebeutet, sondern ihr helfen wollen. So habe er eigenes Geld beigesteuert, damit sie sich neue Drogen kaufen konnte. Schläge gegen den Hals der Frau begründete er mit Notwehr: Bei einem Zungenkuss habe sie ihn gebissen.

Wahrscheinlich ist eine Verurteilung wegen Drogenerwerbs bzw. -besitzes, möglicherweise auch wegen Freiheitsberaubung. Ein Nachbar hatte die Polizei alarmiert, als die Prostituierte am Fenster des Witteners stand und scheinbar springen wollte. Er ließ die Frau offenbar stundenlang eingesperrt. Doch auch dafür lieferte er eine Begründung: Er habe den Reserveschlüssel aus Versehen mitgenommen.