Wittener Saalbauchef steht zu Vermietung an Wissenskongress

Jürgen Augstein
Das „Mondo“ neben dem Saalbau übernimmt das komplette Catering für die knapp 800 Kongressteilnehmer.. Wolfgang Härtel leitet den Saalbau.
Das „Mondo“ neben dem Saalbau übernimmt das komplette Catering für die knapp 800 Kongressteilnehmer.. Wolfgang Härtel leitet den Saalbau.
Foto: WAZ FotoPool
Wolfgang Härtel ist nicht zu beneiden. Als Saalbauchef muss er am Sonntag die „innere Sicherheit“ für knapp 800 Kongressteilnehmer verantworten.

Witten.  Für Saalbau-Chef Wolfgang Härtel fängt der Sonntag (22.3.) früh an. Ab acht Uhr wird er den ganzen Tag vor Ort sein. Immerhin steht ihm der vielleicht aufregendste Tag seines bisherigen Berufslebens bevor.

Demonstranten aus der Ruhrstadt und vermutlich ganz NRW empfangen den in Wittens guter Stube tagenden „1. Alternativen Wissenskongress“ mit Protestzügen, begleitet von einem Großaufgebot an Polizei. Und der 57-Jährige ist immerhin verantwortlich für die Sicherheit von knapp 800 Kongressteilnehmern im Saale.

Polizei zeigt am Sonntag starke Präsenz

Draußen wird die Polizei mindestens in Einsatzhundertschaftsstärke aufmarschieren und schon relativ früh wichtige Stellen in der Innenstadt besetzen, etwa den Hauptbahnhof. Dort hat sich ab neun Uhr Antifa aus dem ganzen Land angesagt. Um 9.30 Uhr will das Viel-Parteien-Aktionsbündnis „Witten gegen Verschwörungswahn“ am Rathaus loslaufen. Demonstriert wird gegen vermeintliche Rechtspopulisten und „Verschwörungstheoretiker“ als Redner. „Demokratie in Gefahr – Wer regiert Deutschland?“ lautet das Kongress-Thema.

Die Politik ist das eine, das Veranstaltungsgeschäft für Wolfgang Härtel vom Kulturforum das andere. Ob er es inzwischen bereut, diesem Kongress das Haus zu überlassen? Härtel verweist auf das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Er war davon ausgegangen, dass für die AfD vermietet wird, eine zugelassene Partei. Ob sich in diese Veranstaltung demokratiefeindliche, nationalistische, gar rechtsradikale Töne schleichen, könne doch nicht die Saalbauverwaltung beurteilen. Dafür gebe es Verfassungsschutzbehörden. Man darf wohl davon ausgehen, dass Polizei bzw. Staatsschutz am Sonntag zuhören.

Blockaden ebenso wie Räumungen nicht ausgeschlossen

Für Härtel bleibt die Sicherheit das A und O – im Saal, aber auch draußen auf dem „Versammlungsplatz“, wie er es nennt. „Die Fluchtwege müssen frei bleiben.“ Bei Verstößen etwa durch Blockaden seien Räumungen nicht auszuschließen.

Neben der Polizei wurde die Feuerwehr in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, wegen möglicher Brandgefahren. Der Rettungsdienst wird ebenfalls verstärkt. Die Polizei warnt vor massiven Verkehrsstörungen in der City. Die Junge Union hat sich inzwischen aus dem Wittener Aktionsbündnis ausgeklinkt, weil sich auch Antifa-Aktivisten angemeldet hätten. Max Lietz von der JU: „Wir werden nicht mit Linksradikalen gegen fragwürdige bzw. populistische Redner demonstrieren.“ Man wolle sich auch wegen der Ereignisse in Frankfurt nicht mehr beteiligen. Mit Gewalt wie zur Eröffnung der neuen EZB-Zentrale rechnet in Witten aber niemand.