Wittener Piraten halten Fraktionssitzung erstmals draußen ab

„Politik muss auch Spaß machen“: Die Piraten hatten zur öffentlichen Fraktionssitzung auf den Rathausplatz eingeladen. V.li.: Ratsherr Stefan Borggraefe, Sabine Orze (Sachkundige Bürgerin), Fraktionschef Roland Löpke, Frank Rimkus und Gerd Lappe (Sachkundige Bürger) und Fraktionsgeschäftsführerin Maria Bach.
„Politik muss auch Spaß machen“: Die Piraten hatten zur öffentlichen Fraktionssitzung auf den Rathausplatz eingeladen. V.li.: Ratsherr Stefan Borggraefe, Sabine Orze (Sachkundige Bürgerin), Fraktionschef Roland Löpke, Frank Rimkus und Gerd Lappe (Sachkundige Bürger) und Fraktionsgeschäftsführerin Maria Bach.
Foto: Funke Foto Services
  • Allerdings nutzte nur eine Bürgerin das Angebot, an der Sitzung auf dem Rathausplatz teilzunehmen
  • Piraten wollen mehr Menschen für Politik interessieren und diese aus den „Hinterzimmern“ herausholen
  • Die Themenpalette war bunt und reichte von Straßenmusik bis zur Kornmarkt-Gestaltung

Die Piraten haben am Freitag (26.8.) den Rathausplatz geentert – nun ja, einen kleinen Teil davon. Unter einem orangenen Pavillondach – passend zur Farbe der Partei – hielten sie ihre stets öffentliche Fraktionssitzung erstmals draußen ab – neben Pizzeria und Dönerbude.

Eigentlich hatte man bei 35 oder 36 Grad im Schatten nicht wirklich damit gerechnet, dass sich überhaupt ein Bürger blicken ließe. Mit einem Boot und etwas Wasser hätte die Zwei-Prozent-Partei vermutlich mehr Publikum gehabt. Immerhin kommt eine Zuhörerin vorbei.

Eine einzige Bürgerin nimmt an Sitzung teil

Sie stellt sich als „Frau Schmidt“ vor. Die Partei spendet ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk („Club-Mate“) und schon läutet Fraktionsvorsitzender Roland Löpke (60) die Glocke: „Ich möchte Euch begrüßen.“ Gerade kommt die Linken-Chefin vorbei. Löpke: „Ich begrüße auch Ulla Weiß, die über den Platz läuft.“

Dann geht die Sache ihren sozialistischen Gang. Tagesordnungspunkt eins: Feststellung der Beschlussfähigkeit. „Genug Fraktionsmitglieder sind anwesend“, sagt Löpke bierernst. Es sind genau genommen zwei, er und Stefan Borggraefe, die die Zwei-Mann-Fraktion im Rat bilden. Aber die Piraten zählen auch ihre Sachkundigen Bürger dazu, von denen heute fünf oder sechs gekommen sind. Diese dürfen auch mit abstimmen.

„Zu viel Politik in den Hinterzimmern“

Frau Schmidt, der einzige Gast, hält die Formalitäten am Anfang tapfer durch. Sie hört aufmerksam zu, nickt später manchmal, sagt auch was, kurz: Die Piraten würden sich viele Wittener wie Frau Schmidt wünschen. Wollen sie die Menschen mit solchen öffentlichen Fraktionssitzungen unter freiem Himmel doch mehr für Politik interessieren. „Es wird noch viel zu viel Politik in den Hinterzimmern gemacht“, sagt der Fraktionschef. „Ohne Protokoll.“ Jedenfalls keines, das das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

Der ehemalige Bürgermeisterkandidat und Ratsherr Stefan Borggraefe (40) versichert, dass dieser Auftritt wirklich noch nichts mit der Landtagswahl im nächsten Jahr zu tun habe. Das nimmt man ihm sogar halbwegs ab. Denn der Termin wäre wirklich schlecht gewählt gewesen. Wobei: Die Kommunalpolitiker konnten bei der Planung ja nicht ahnen, dass der Sommer noch mal so aufdrehen würde. Vorsichtshalber hatten sie im Vorfeld sogar einen Raum im Rathaus reserviert. Löpke: „Es hätte ja auch regnen können.“

Bunte Themenpalette - von Straßenmusik bis Kornmarkt

Kommen wir mal zu Inhalten. Da wird ganz munter und wortreich berichtet, von interfraktionellen Gesprächen, von einem Termin bei der Bürgermeisterin, wo es unter anderem um die Innenstadtgestaltung ging, oder bei der Standortgemeinschaft Mitte. Da wird der letzte Info-Stand zum Antrag gelobt, wieder mehr Straßenmusik zuzulassen, um die City zu beleben. Der habe eine tolle Resonanz gefunden, sagt Fraktionsgeschäftsführerin Maria Bach (34), die einen aufgeklappten Laptop vor sich hat. Auch die Kornmarkt-Gestaltung ist Thema. Fraktionschef Löpke könnte sich hier barrierefreies Wohnen für Ältere und Jüngere vorstellen. „Aber wollen die Jungen denn mit den Alten wohnen?“ fragt sein Gegenüber, ein Pirat mit weißem Käppi, kräftig wie ein Bär.

So geht es munter weiter, selbst trockne Themen wie das „NKF“ werden trotz Rekordhitze nicht ausgespart. „NKF was?“ Die einzige Zuhörerin fragt nach und Borggraefe erläutert das „Neue Kommunale Finanzmanagement“ mit Haushaltszielen und Kennzahlen. Inzwischen weht eine angenehme Brise über den Platz, so dass fast die Sitzungsblätter wegfliegen. Endlich mal frischer Wind. Allerdings ist jetzt, nach 45 Minuten, auch erst Tagesordnungspunkt 2 erreicht. Zwischenfazit von Frau Schmidt: „Ich find’s interessant.“

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