Wittener muss Strafe fürs Radeln auf Friedhof nicht zahlen

Auf dem Hauptfriedhof: Frank Neubauer (l.), Olaf Gurofski und das Schild des Anstoßes.
Auf dem Hauptfriedhof: Frank Neubauer (l.), Olaf Gurofski und das Schild des Anstoßes.
Foto: WAZ FotoPool
Wer einen Friedhof besucht, der muss sich an bestimmte Regeln halten: zum Beispiel Hunde anleinen und das Rad schieben. Wer es nicht tut, muss manchmal trotzdem kein Bußgeld zahlen. So wie Radler Frank Neubauer, den das Ordnungsamt auf dem Hauptfriedhof zur Kasse bat.

Witten.  Auf dem Hauptfriedhof an der Pferdebachstraße gibt es ein Schild. Klein und gammelig sieht es aus und ist auf Bodenhöhe an einer Stange befestigt. Darauf steht an zweiter Stelle: „Radfahrer bitte absteigen“. Weil Frank Neubauer sich nicht daran gehalten hat, sollte er zehn Euro Strafe zahlen. Weil er das Schild aber nicht gesehen hat, wollte er dieser Aufforderung nicht nachkommen. Die Sache landete vor Gericht – mit dem Ergebnis, dass das Bußgeldverfahren eingestellt wurde und Neubauer sein Geld behalten konnte.

„Der Richter hat wahrscheinlich gedacht, er wäre im falschen Film“, sagt Olaf Gurofski, der als Zeuge geladen war, aber gar nicht gehört wurde. Ende Mai waren die Freunde auf dem Friedhof, der eine zu Fuß, der andere mit dem Rad. Frank Neubauer wollte das Grab seines Vaters besuchen. Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, selbst im Auto auf dem Friedhof unterwegs, hielt ihn an und forderte ihn zur Zahlung der zehn Euro auf, die Neubauer verweigerte. Er legte Widerspruch ein, den die Stadt ablehnte. Übrigens: Auch andere Friedhofsbesucher, wie etwa Helga Emde, haben das Schild noch nie gesehen: „Und ich komme drei Mal pro Woche hierher.“

„Dass ein Schild unterhalb von Kniehöhe aufgestellt wird, ist doof“, gibt Stadtsprecherin Lena Kücük zu und verspricht: „Das wird geändert.“ Zumal die anderen Schilder korrekt auf Augenhöhe hängen. Dass auf einem Friedhof Radfahren nicht erlaubt ist, sei so in der Friedhofssatzung verankert. „Das ist auch keine Wittener Eigenheit“, sondern, wie in vielen Städten, der Totenruhe geschuldet. Allerdings: „Wenn es in der Friedhofssatzung steht, gibt es keinen Schilderzwang“, so Kücük.

Jedem müsse klar sein, dass man mit dem Rad nicht übern Friedhof fahre. „In der Stadt gibt es ja auch nicht extra Schilder, die verbieten, einfach irgendwo Müll hinzuschmeißen.“ Deshalb seien solche Hinweise lediglich „freundliche Gedächtnisstütze“. Dementsprechend wäre ein Verwarngeld im vorliegenden Fall durchaus fällig gewesen, sagt die Sprecherin und wundert sich: „Dass das Verfahren eingestellt wurde, stellt unsere Regeln ein bisschen in Frage.“

Olaf Gurofski sieht die Sache von Anfang an zu streng geahndet: „Die hätten’s ja auch bei einer Ermahnung lassen können, ohne gleich zu kassieren.“ Frank Neubauer wird sein Rad in Zukunft trotzdem übern Friedhof schieben.

 
 

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