Wittener Museen kämpfen um Gießerei-Gelände

Recht versteckt neben der Zeche Nachtigall liegt das Gelände der ehemaligen Gießerei Ritz. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Recht versteckt neben der Zeche Nachtigall liegt das Gelände der ehemaligen Gießerei Ritz. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Die Zechen Nachtigall und Theresia würden sich gern auf ehemaliger Industriefläche im Muttental erweitern.Nachtigall könnte so Parkplatznot beheben.

Witten.  Von Unkraut überwuchert, mit einem Bretterzaun notdürftig gegen die Straße abgegrenzt – so liegt seit vielen Jahren das Gelände der ehemaligen Eisengießerei Ritz neben dem Industriemuseum Zeche Nachtigall im Muttental. Doch gleich mehrere Interessenten haben ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie sich das große Grundstück in Zukunft entwickeln könnte.

Im Spiel ist zunächst ein Immobilienhändler aus Recklinghausen, dem das verwilderte Gelände gehört, das laut Flächennutzungsplan eine Entwicklung für museale oder Freizeitzwecke ermöglicht. Und siehe da: Der Landschaftsverband (LWL) in Münster als Träger von Nachtigall hat nach Angaben von Museumschef Michael Peters bereits Kontakt nach Recklinghausen aufgenommen.

Aber auch Hansjörg Frank von der Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn, die auf Zeche Theresia angesiedelt ist, hat ein Auge auf das Gelände geworfen. Der Vorsitzende und sein Verein können sich vorstellen, dort ein überdachtes Museum für die Feld- und Grubenbahnen zu errichten, die auf Theresia unter freiem Himmel Rost ansetzen. Einen Sponsor habe er bereits, so Frank. Und Architekturstudenten der Bergischen Universität Wuppertal haben bereits hochmoderne Entwürfe erstellt, wie ein solches Museum aussehen könnte.

Kreis ließ verseuchte Industriereste für etwa 60 000 Euro entsorgen

Sollte sich hingegen der LWL als Käufer durchsetzen, so würden historische Gebäudeteile erhalten bleiben: Jene Maschinenhalle, die der Ritz-Vorgänger und Multiunternehmer Dünkelberg einst für die Herstellung von Maschinen zur Ziegelproduktion baute, „die er sogar bis nach China lieferte“, so Peters. Und unter der Halle, die von Ritz errichtet wurde, befinde sich außerdem der Tiefbauschacht Neptun -- der erste Schacht der Zeche Nachtigall, gibt der Experte einen weiteren Grund an, warum das Gelände kulturgeschichtlich interessant ist. Und der industriell verseuchte Boden auf dem Gelände sei bereits vor mehreren Jahren auf Kreis-Kosten für etwa 60 000 Euro entsorgt worden.

Dann gibt es noch ein ganz bodenständiges Argument für den Geländeerwerb durch den LWL: Zeche Nachtigall verfügt nämlich über erbärmlich wenig Parkplätze vor der Haustür. Auch die würden dann in größerer Zahl auf dem Ritz-Gelände entstehen. Der offizielle Parkplatz für Zeche Nachtigall ist zwar jener am Eingang des Muttentals – aber der liegt gut 1,5 Kilometer entfernt. „Gerade für Senioren, von denen viele unser Museum besuchen, kann dieser Weg zu Fuß beschwerlich sein“, weiß Peters. Deshalb würde er sich überdies wünschen, dass die Muttenthalbahn häufiger zwischen den Zechen Theresia und Nachtigall pendelt.

Wobei wir auch wieder bei Hansjörg Frank und seinem Verein wären: Die würden gerne die Strecke bis zum Bethaus verlängern. „Wir sammeln beharrlich Material. Jede Menge Gleise haben wir schon“, erzählt er. Und auch Baufirmen, die als Sponsoring den Streckenausbau stemmen könnten. Frank: „Mit einigen sind wir nämlich freundschaftlich verbunden.“

 
 

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