Wittener Jugendamt zahlte sogar Therapie in Namibia

Hilfe für benachteiligte Kinder kann teuer werden. In Ausnahmefällen zahlt das Wittener Jugendamt Therapien im Ausland.
Hilfe für benachteiligte Kinder kann teuer werden. In Ausnahmefällen zahlt das Wittener Jugendamt Therapien im Ausland.
Foto: picture alliance / dpa
Der Fall Gelsenkirchen schreckt auf, doch Wittener Kinder in ausländischen Heimen gibt es nicht. Allerdings spezielle Maßnahmen in der Ferne.

Witten..  Die umstrittene Praxis des Gelsenkirchener Jugendamts, schwierige Kinder auch in ausländischen Heimen unterzubringen, ist nicht auf Witten übertragbar. Nach Angaben von Gabriele Jennert-Thoma vom Amt für Jugendhilfe gibt es „definitiv kein Wittener Kind in einem ausländischen Heim. Und das hat es auch bislang nicht gegeben“.

Dass Wittener Kinder im Ausland therapiert werden, gibt es jedoch sehr wohl – wenngleich es sich um sehr spezielle Einzelfälle handelt. Zurzeit zahlt das Jugendamt eine Maßnahme für ein Kind. Bislang erhielten bisher neun Kinder in den letzten fünf Jahren diese Möglichkeit. Es handelte sich dabei um Aufenthalte zwischen sechs und zwölf Monaten, „meistens in Spanien, dann Schweden, Estland, Polen, Italien und einmal in Namibia.“ Die Maßnahme in dem afrikanischen Land sei allerdings eine Ausnahme gewesen, betont die Controllerin. „So was machen wir nicht mehr.“

Laut Jennert-Thoma hat das Jugendamt erst nach den Empfehlungen der jeweiligen Psychologen die Auslandsaufenthalte erwogen. Unter Fachleuten gelten Auslandshilfen als äußerst effizient. Thoma nennt Beispiele: „Schwer traumatisierten Kindern hilft es, wenn sie in eine reizarme Umgebung kommen. Irgendwo, wo es nur Felder und Tiere gibt.“ Dort sei auch eine intensive Eins-zu-Eins-Betreuung möglich. Der andere Fall seien Kinder, die „in Deutschland immer wieder abhauen würden. Die müssen mal ganz weg aus ihrem Milieu, etwa der Drogenszene“. Die Kinder seien jeweils etwa 14, 15 Jahre alt gewesen.

Die Auslandshilfen verlaufen in einem sehr formellen Rahmen, verbunden mit aufwändigen Anträgen. Nach Angaben von Gabriele Jennert-Thoma sind die Therapieplätze, meist in Familien, „auf Herz und Nieren geprüft“. Organisiert werden die Aufenthalte von einem Träger, mit dem das Jugendamt zusammenarbeite und der die entsprechende Anerkennung der Landschaftsverbände habe.

Ferienfreizeit für Asperger-Kinder

Auch ein privater Wittener Träger, das Büro für „Integrative Pädagogische Schulbetreuung“, kurz IPS, mit Sitz am Rathausplatz, bietet Auslandsaufenthalte an – im Rahmen kurzer Ferienfreizeiten. In einem Ferienhaus in Ungarn werden Jungen mit Asperger Syndrom (Autismus) von vier Wittener IPS-Mitarbeitern betreut. „Immer wieder zeigt sich, dass die Einfachheit des abgeschiedenen Lebens dort eine beruhigende Wirkung auf die Kinder hatte“, meint Leiterin Susanne Wagner-Zomotor. In diesen Fällen zahlen die Eltern die Aufenthalte, beim Jugendamt die öffentliche Hand.

 

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