Wittener im Selfie-Rausch

Die schönsten Selbstporträts, die per Handy entstehen, verwandelt Künstler Michael Strogies in Gemälde. Sie werden in der Stadtgalerie ausgestellt.

Witten..  „Die ganze Welt ist im Selfie-Fieber“, betont Kerstin Huttanus von der Stadtgalerie. „Wir wollen diesen Trend aufgreifen und die schönsten Wittener Selfies zu etwas ganz Besonderem machen.“ Deshalb wurde die Aktion „Faces of Witten“ ins Leben gerufen. Der Krefelder Künstler Michael Strogies (56) verwandelt die besten Selbstporträts, die per Smartphone entstehen, in tolle Gemälde.

Erste Bilder können die Besucher im Obergeschoss der Stadtgalerie bereits bewundern. Viele der bisherigen Modelle sind gekommen. Jeder kann sein Konterfei auf eine eigens dafür eingerichtete Facebook-Seite namens „Faces of Witten“ stellen. Per Voting werden wöchentlich zwei Selfies mit den meisten Likes gewählt. Diese verwandelt dann Michael Strogies in beeindruckende Kunstwerke.

Posten dürfen die Selfie-Macher bis zum 20. November. Eine Woche später ist dann die große Schluss-Ausstellung mit den besten Köpfen aus der Ruhrstadt. Großformatig. In Öl auf Leinwand. „Und jeder kann selbst vergleichen“, schmunzelt Strogies. „Vorher – nachher. Schon jetzt stellen wir fest, dass alle User einen richtigen Voting-Rausch haben. Die Likes werden stündlich mehr.“

Auf seine künstlerische Idee ist der Krefelder aus einer Schnapslaune heraus und aus Langeweile gekommen. Anfangs sei ein Aufschrei durchs Internet gegangen. Heute sei das Projekt schon in vielen Städten ein richtiger Volltreffer, vor allem für junge Leute, geworden. „Kann man die Gemälde denn später auch kaufen?“, fragt Magdalena (24) vorsichtig an. Zu ihrer Überraschung erfährt sie, dass die präsentierten Bilder verschenkt werden – natürlich an die Darsteller selbst. „Das ist toll, ich glaub’s kaum“, ruft sie begeistert.

„Man kann nie genug Fotos von sich haben“, schwärmt Jeannine (24). „Und am besten immer von der Schokoladenseite.“ Die anderen jungen Damen stimmen zu. Denn ein wenig eitel sind sie schon. Doch jede mache Selfies, immer und überall. Seit man mit dem Telefon fotografieren kann ist es für viele eine Freizeitbeschäftigung.

Angelina (23) ist stolze Besitzerin eines so genannten Selfie-Sticks. Damit macht sie Ganzkörperaufnahmen oder Gruppenbilder. „Dann habe ich plötzlich ganz lange Arme“, lacht sie. Die jungen Damen sind stolz auf ihre künstlerischen Konterfeis und posieren vor den Bildern, nicht ohne das eine oder andere Selfie zu schießen. Die Foto-Aktion ist übrigens die Fortsetzung des Porträts-Projekts zur Eröffnung der Stadtgalerie vor sechs Jahren. Damals hat noch niemand an Selfies gedacht.

 
 

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