Wittener heiratet seine große Liebe im Handumdrehen

Mit diesem Foto hatten Marcus Hanke und Elizavetha Mileshenko die Redaktion neugierig gemacht auf ihre Liebesgeschichte.
Mit diesem Foto hatten Marcus Hanke und Elizavetha Mileshenko die Redaktion neugierig gemacht auf ihre Liebesgeschichte.
Foto: Marcus Hanke
  • Wittener Fotograf hatte Russin Elizavetha erst im Januar in Berlin kennengelernt
  • Sie wollte dort eigentlich nur ein Sprach-Examen ablegen
  • Um sich nicht trennen zu müssen, heirateten sie auf einer Insel in Dänemark

Witten.  Ein Urlaubsfoto, das die Redaktion erreichte, hat unsere Neugier geweckt: „Ein Bild von der Hochzeitsinsel Ærø, auf der wir getraut wurden“ hatte Marcus Hanke dazu geschrieben. Wir haben nachgefragt – und eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte erfahren.

Eigentlich wollte der Annener Fotograf nach Berlin ziehen, für ein Jahr, mindestens. Was erleben, Großstadtluft schnuppern – als Selbstständiger kann er sich leisten, zu arbeiten, wo er will. Ende 2015 zog der 37-Jährige daher in die Hauptstadt. Und im Januar traf er dann Elizavetha: „Sie saß im Hotel, hatte den Kopf in ihre Bücher gesteckt“, erinnert sich Hanke. „Ich hatte am nächsten Tag mündliche Prüfung“, erzählt die 29-jährige Russin: Sie war aus St. Petersburg nach Berlin gereist, um ein Sprachexamen abzulegen: Die Deutschlehrerin wollte im Sommer einen Job beim Goethe-Institut antreten. Trotz Prüfung: Die Einladung von Marcus, mit ihm essen zu gehen, nahm die Russin an. Und man munkelt, am nächsten Morgen seien ihre Gedanken nicht nur beim Examen gewesen . . .

Fernbeziehung kam nicht in Frage

Doch am nächsten Tag schon kam die Trennung: Elizavetha musste zurück nach Russland. Erst einen Monat später sahen die beiden sich wieder in Berlin. „Da hatten wir schon ein Doppelzimmer“, schmunzelt Hanke. Vier Tage dauerte das Zusammensein diesmal, im Mai dann verbrachten die beiden vier Wochen miteinander, machten Urlaub – und am Ende war beiden klar, dass sie eine Entscheidung fällen müssen: „Eine Fernbeziehung, immer der Kampf ums Visum – das wollten wir nicht.“ Also: Hochzeit. „Wir sind das ganz analytisch angegangen“, meint Hanke. Unter anderen Umständen hätten sie bestimmt später geheiratet. „Aber es hat sich alles auch genau richtig angefühlt“.

Heiraten, in Witten leben: Das war der Plan. Doch all die nötigen Bescheinigungen und Beglaubigungen zu besorgen, das hätte den Verliebten zu lange gedauert. Im Netz stießen sie auf die Möglichkeit in Dänemark zu heiraten, ganz legal, aber mit weniger Papierkram. Sie wandten sich an eine Hochzeitsagentur und bekamen einen Termin am 12. Juli auf Ærø. Am Tag zuvor schipperte das Paar auf die Insel, ganz allein. Die eine Mutter krank, die andere zu weit weg. „Aber es war schön, so hatten wir den Tag ganz für uns.“ Auf der Fähre erst machte Marcus seiner Elizavetha den offiziellen Antrag.

Mit dem Linienbus zur Trauung

„Ich hab ihr angedroht, sie über Bord zu werfen, wenn sie Nein sagt“, schmunzelt Hanke. Das war nicht nötig: Die Ringe – in der Woche zuvor erst in einer Hau-ruck-Aktion gekauft – kamen zum Einsatz. Mit dem Linienbus – „wir hatten einen besonders großen Brautwagen“ – ging’s zum Amt. „Und in zehn Minuten war alles vorbei.“

Bis heute können die beiden gar nicht fassen, dass alles so schnell geklappt hat. „Ich hab die ganze Zeit gewartet, dass noch was schief geht“, gibt der Wittener zu. Aber alles klappte. Alles – bis auf die Schnürsenkel. Die fehlten. Deshalb mussten die orangen aus den Sportschuhen für die Trauung herhalten. „Aber Lissy blieb ganz ruhig – und da wusste ich: Sie ist die Richtige.“

Hochzeitsreise nach Witten

Die Hochzeitsreise: Ging nach Witten. In die Wohnung in Annen, die Elizavetha erst kurz zuvor das erste Mal gesehen hatte, und die nun ihr Zuhause sein sollte. Ihr gefällt es dort, sie hat nichts zu meckern: „Wenn man nichts erwartet, dann kann man auch nicht enttäuscht werden“, sagt die 29-Jährige pragmatisch. Außerdem: „Er hatte sich große Mühe gegeben, alles für mich schön zu machen.“

Aber mal ehrlich: Von St. Petersburg nach Witten – wie fühlt sich das an? „Gut“, sagt Elizavetha. „Es ist klein hier, aber schön.“ Sie mag die Eisdielen, den See, den Hohenstein. An der Brücke am Hammerteich hat das Paar ein Liebesschloss angebracht: „Lissy und Marcus“. Alles romantisch – aber klar: „Meine Freunde vermisse ich schon“, gibt die 29-Jährige zu.

Freundlicher Empfang im Rathaus

Aber sie ist zuversichtlich, hier bald neue Leute kennenzulernen, im Salsa-Kurs vielleicht... Alle seien sehr freundlich – auch im Wittener Rathaus übrigens, in dem das Paar nach der dänischen Eheschließung dann ja auch noch eine Menge Formalitäten zu erledigen hatte. Man habe man sie freundlich lächelnd begrüßt, entgegenkommend willkommen geheißen und kompetent Auskunft gegeben, lobt Marcus Hanke ausdrücklich. Und wenn alles gut geht, dann hat seine Lissy noch diesen Monat ihre Bleibe-Papiere im Briefkasten. Und dann? „Ich werde bei meinem Mann arbeiten, vielleicht auch wieder Deutsch-Kurse geben“, sagt sie. Vielleicht... Sicher sei hingegen eins, – und davon sind beide fest überzeugt: „Wir haben alles richtig gemacht.“

 
 

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