Wittener füttern Katze in luftiger Höhe

Annette Kreikenbohm
Mary Domogalla füttert eine streunende Katze.
Mary Domogalla füttert eine streunende Katze.
Foto: Fischer
Seit Wochen schon spaziert die Katze über die Dächer an der Ardeystraße. Regelmäßig morgens und abends taucht sie am Fenster des vierten Stocks der Hausnummer 99 auf. Denn dort stellen Anwohner für das fremde Tier Futter hin.

Witten.  Jeden Morgen und jeden Abend füllt Mary Domogalla in ihrer Küche zwei Schälchen. Eins mit Wasser, eins mit Nassfutter. Die trägt die 72-Jährige hoch in den vierten Stock, öffnet das Fenster im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses an der Ardeystraße und hält Ausschau nach Geronimo. So hat sie kurzerhand die graubraun getigerte Samtpfote getauft, die seit Wochen über die Dächer streift und regelmäßig zu den Mahlzeiten in rund 15 Metern Höhe erscheint. Weil sie das für gefährlich hält, will die Wittenerin das Tier nun einfangen.

„Wenn es nass ist oder im Winter sogar Schnee auf den Dächern liegt, dann ist das doch viel zu glatt“, befürchtet Mary Domogalla. Deshalb möchte sie die bislang recht scheue Katze (die vielleicht auch ein Kater ist), mit dem Futter ins Haus und dann in eine Lebendfalle locken, um sie ins Tierheim zu bringen.

Tier kann abrutschen

Das sei auf jeden Fall zu empfehlen, bestätigt die Mitarbeiterin einer Wittener Kleintierpraxis. Zwar seien Katzen sehr geschickt beim Balancieren, aber das Risiko, abzurutschen, bestehe durchaus. „Es gibt keine Garantie, dass sie tatsächlich auf den Beinen landet.“ Selbst dann würde sie bei dieser Höhe Verletzungen davontragen.

Seit über zwei Monaten kümmern sich Hausbewohner um die Katze, die eines Tages zwischen zwei Gauben in schwindelerregender Höhe saß. Zunächst habe sie der Nachbar von ganz oben entdeckt und ihr Futter gegeben. Er habe auch schon versucht, sie zu fangen, bekam dabei aber die Krallen zu spüren. Als der Mann ein paar Tage in den Urlaub fuhr, übernahm Mary Domogalla die Versorgung – und blieb dabei. Das war vor etwa fünf Wochen.

Gepflegter Eindruck

„Wir hatten selbst mal zwei Katzen. Die haben wir von unserem Sohn übernommen, der nach Amerika ausgewandert ist“, erzählt sie, die 1954 mit ihren Eltern aus der Niederlausitz kam und seit 1977 an der Ardeystraße wohnt. Nachdem die Katzen in hohem Alter eingeschläfert werden mussten, haben die Domogallas sich eigentlich auf ein Leben ohne Tiere eingestellt. Und so soll es auch bleiben.

Natürlich habe sie sich schon Gedanken gemacht, wem die Getigerte, die einen sehr gepflegten Eindruck macht, wohl gehört. Sie habe schon im Nebenhaus nachgefragt, doch ohne Erfolg. „Vielleicht ist der Besitzer ja plötzlich ins Krankenhaus gekommen, hier wohnen ja viele ältere Leute“, überlegt Mary Domogalla. Inzwischen habe das Tier sich an sie gewöhnt und fauche sie auch nicht mehr an. „Deshalb hoffen wir, dass wir sie irgendwie reinkriegen.“