Wittener erpresst Mutter um 50 Euro

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Witten.. Er demolierte die Wohnung seiner Mutter, bedrohte sie mit einem Schlagstock – wegen 50 Euro für den Kneipengang. Ein 49-Jähriger musste sich dafür am Mittwoch vor dem Wittener Amtsgericht verantworten. Trotz etlicher Vorstrafen kam er mit 18 Monaten auf Bewährung davon.

Am 26. Januar ging bei der Polizei ein verzweifelter Telefonanruf der 79-Jährigen ein. Sie habe Angst vor ihrem Sohn, die Beamten sollten schnell vorbeikommen. „Als wir in ihrer Wohnung eintrafen, war die Frau ängstlich und aufgelöst“, so eine Polizeibeamtin. Die Rentnerin habe berichtet, von ihrem betrunkenen Sohn mit einem Schlagstock bedroht worden zu sein, weil sie ihm von ihrer knappen Rente kein Geld geben wollte. Das sei nicht das erste Mal gewesen, sagte sie laut der Polizistin. Aus Angst habe sie ihm dann doch 50 Euro für einen Kneipengang gegeben. Vor Gericht verweigerte die Frau die Aussage gegen ihren Sohn.

Die Wohnung der Wittenerin war zu einem Trümmerfeld verwandelt worden. Auf Fotos ist ein zweigeteilter Tisch zu sehen, den der 49-Jährige offenbar mit dem Schlagstock zerstörte. In der Küche lagen Essensreste zerstreut. Vor Gericht bestritt der Angeklagte die Vorwürfe. „Ich bin ausgeflippt, aber ich habe meine Mutter nicht bedroht. Ich würde lieber meine Hände abhacken, bevor ich ihr etwas tun würde.“ Den kaputten Tisch habe er wohl versehentlich umgeworfen, als er aufgestanden sei. Der Angeklagte betonte dennoch: „Was vorgefallen ist, kann ich mir nicht verzeihen.“

Die Polizeibeamten statteten dem aggressiven Wittener einen Besuch in seiner Stammkneipe ab. Dort gabelten sie den 49-Jährigen mit Schlagstock und Messer am Tresen auf. Eine Untersuchung ergab, dass er zu diesem Zeitpunkt 2,8 Promille im Blut hatte. Deshalb ging das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit aus. Ein Grund dafür, dass es noch zur Bewährung reichte.

Genügend Vorstrafen für eine deftige Haftstrafe hatte der gelernte Frisör bereits angehäuft: unter anderem wegen Drogenhandel, Nötigung, Beleidigung und Diebstahl. Das Gericht sah den Wittener aber auf einem besseren Weg. Nach eigener Aussage sei er mittlerweile von seiner Drogensucht losgekommen.

Nach dem Urteil zeigte sich der Angeklagte erleichtert. Er müsse seine Mutter pflegen. Sie und ihr aggressiver Sohn leben seit kurzem wieder zusammen.

INFO

Das Urteil stützte sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Polizistin. Weil es keine Aussage der Mutter vor Gericht gab, plädierte der Verteidiger des 49-Jährigen auf Freispruch. Die Wiedergabe ihrer Äußerungen durch die Beamtin reichten als sicherer Beweis nicht aus. Auch die Staatsanwältin scheiterte mit ihrer Forderung: Sie wollte eine Haftstrafe erreichen.

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