Wittener Biohof forscht für europäisches Klima-Projekt

Bio-Landwirt Dirk Liedmann in den Ackerbohnen, die den Boden mit Stickstoff versorgen.
Bio-Landwirt Dirk Liedmann in den Ackerbohnen, die den Boden mit Stickstoff versorgen.
Foto: WAZ
Kornkammer Haus Holte hat bereits bei bundesweiter Studie zur Klimaschädlichkeit mitgemacht.Ihre Idee der Klee-Vergärung in der Biogasanlage fand nun auch international Anklang. In dem Projekt ist sie einer von sieben Betrieben in ganz Europa.

Witten..  „Hier wächst was Besonderes“ steht groß auf dem Transparent an einem Feld der Kornkammer Haus Holte an der Dortmunder Straße. Eigentlich wollen die Wittener Biobauern damit nur auf ihre Öko-Kartoffeln aufmerksam machen. Dabei haben sie noch viel mehr „ganz Besonderes“ zu bieten: Ihr Hof in Gedern in seit Jahre Pilotbetrieb in Sachen Klima – und hat jetzt den Zuschlag für ein spannendes europäisches Projekt bekommen.

Schon Anfang 2009 startete das renommierte Thünen-Institut mit seiner Forschung zum Thema „Klimawirkungen und Nachhaltigkeit ökologischer und konventioneller Betriebssysteme“. Bezahlt von der Bundesregierung sollte erstmals unabhängig von Lobbyisten die Frage geklärt werden, wer denn nun tatsächlich schädlicher ist fürs Klima – die konventionelle oder die Öko-Landwirtschaft. Denn bis dato schieben sich die Bauern den schwarzen Peter gegenseitig zu: Selbstverständlich sei der konventionelle Anbau schädlicher, sagen die einen. Möglich, aber nicht, wenn man es in Relation zum Ertrag setzt, sagen die anderen.

Erster Zwischenbericht

Um verlässliche Daten zu bekommen, wurden 40 Biobetriebe – fürs Ruhrgebiet eben die Kornkammer Haus Holte – und 40 herkömmliche in ganz Deutschland ausgewählt. Maschinenpark, Arbeitsabläufe, Bodenproben, Aufwuchs, Ernte: Jahrelang wurde akribisch alles aufgenommen und ausgewertet, um einen belastbaren „Klimaabdruck“ der Betriebe zu erstellen. Aus der Datenflut hat das Institut nun einen ersten Zwischenbericht erstellt. Das Fazit: „Die Biohöfe kommen leicht besser weg“, sagt Bauer Dirk Liedmann erfreut – um es gleich wieder einzuschränken: „Aber nicht alle und auch nicht in allen Punkten.“

Der Wittener betreibt mit seinem Partner Bernhard Pawliczek den Hof in Gedern. Er ist froh, endlich verlässliches Datenmaterial zu haben – nicht, um andere zu verteufeln, sondern um argumentieren zu können: „Auf Augenhöhe“. Bio, sagt er, sei eben nicht automatisch besser. „Es reicht nicht, Dünger und Spritze in die Ecke zu stellen.“ Arbeitsweise und Sortenwahl müssten angepasst werden – und das konsequent. Manches musste auch Liedmann erst schmerzhaft erfahren. „Durch die Studie habe ich gelernt, dass ich nicht immer richtig lag.“ Mit dem Anbau von Perserklee etwa, der nach dem Mulchen auf den Feldern blieb – und klimaschädliche Gase freisetzte.

Auf Rotklee umgestellt

Die Wittener stellten um auf Rotklee – und entwickelten eine neue Idee: „Ich habe mich an die Biogasanlage im Bebbelsdorf gewandt und gefragt, ob die nicht einen Teil des Klees vergären können.“ Ein Gewinn für beide Seiten: Energie für die Anlage, Substrat für den Bauern. Mit dieser Idee bewarben sich die beiden Bauern dann beim internationalen „Solmacc“-Projekt für Bio-Landbau – und bekamen als einer von sieben Höfen in ganz Europa den Zuschlag. Im Herbst geht’s los, fünf Jahre lang: „Dann werden wir sehen, wie wir die Öko-Kreisläufe noch effizienter gestalten können.“

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel