Wittener Ärztin: Honig hilft, Wunden zu heilen

Setzt bei Wunden auf Honig-Verbände:  Dr. Angela Sänger. Die Wittener Ärztin bedauert, dass sich viele Kollegen wenig mit Naturheilverfahren beschäftigen.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Setzt bei Wunden auf Honig-Verbände: Dr. Angela Sänger. Die Wittener Ärztin bedauert, dass sich viele Kollegen wenig mit Naturheilverfahren beschäftigen.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Die Ärztin Angela Sänger zeigt in ihrer Doktorarbeit, dass Honig Wunden heilen lässt. Weil dieser auch antibakteriell wirkt.

Witten.  Es ist überliefert: Schon in der Antike haben Griechen und Römer Wunden mit Honig behandelt - oft in Kombination mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Stoffen. Auch im Mittelalter wusste man um die Heilkraft des Bienenproduktes, wie ein damals weitverbreitetes Kräuterbuch der Klostermedizin, der „Macer floridus“, zeigt. Die Wittener Ärztin Angela Sänger hat sich jetzt in ihrer Doktorarbeit mit dem Einsatz von Honig als Heilmittel beschäftigt und kam zu dem Schluss: Honig heilt Wunden.

Aus der Doktorarbeit der 47-Jährigen ist ein Buch entstanden, das eben diesen Titel trägt. Der bei so manchem ärztlichen Kollegen eventuell ein Stirnrunzeln hervorrufen könnte. „Denn Honig ist in Deutschland ein Lebensmittel und kein anerkanntes Heilmittel“, sagt Sänger. Auch wenn er seit Jahrtausenden zur Wundbehandlung eingesetzt werde. „In Deutschland bis zum Zweiten Weltkrieg. Alte Ärzte wissen das auch noch. Heute kennen sich aber leider nur wenige Mediziner mit Naturheilverfahren aus.“

Wenn die gebürtige Bochumerin von der Heilkraft des Honigs berichtet, spricht sie ausdrücklich nur „von dem naturbelassenen unveränderten Imkerhonig“. Denn industriell verarbeiteter Honig, wie er millionenfach auf deutschen Frühstückstischen steht, verliere durch die Bearbeitung viele seiner wertvollen Inhaltsstoffe. „Auch die Enzyme gehen dabei kaputt. Ein solches Produkt hat mit natürlichem Honig nichts mehr zu tun.“

Erste Erfahrungen als Assistenzärztin

Wunden hat Angela Sänger mit Honig zum ersten Mal als Assistenzärztin im St. Georg Krankenhaus im sauerländischen Bad Fredeburg behandelt. „Ich habe das mit meinem damaligen chirurgischen Chefarzt besprochen und er hat zugestimmt.“

Die Ärztin betont, dass man mit naturbelassenem Honig jede Wunde behandeln könne, „mit Ausnahme einer Hauterkrankung, die aber nur in den Tropen vorkommt“. Auch Patienten mit Verbrennungen könnten sehr von Honig-Verbänden profitieren. „Solche Wunden heilen damit deutlich schneller, außerdem gibt es bei der Wundheilung weniger Komplikationen.“

Sie selbst hat gute Erfahrungen mit Honig-Verbänden bei verschiedenen Beschwerden gemacht. Ein Zeh einer Patientin, der zwei Wochen entzündet war und auch eiterte, heilte nach einem nächtlichen Honig-Verband. „Am nächsten Morgen schmerzte der Zeh nicht mehr, die Schwellung hatte sich zurückgebildet.“

Ein Waldhonig-Verband

Ein 74-jähriger Mann, der sich mit einer Schleifscheibe den linken Unterarm verletzt hatte, kam mit einer sechs Zentimeter langen Schürfwunde zu Sänger. Die Ärztin desinfizierte diese, legte dann einen Verband mit Waldhonig an. „Die Wunde wurde täglich gereinigt und mit einem neuen Waldhonig-Verband versorgt. Nach neun Tagen war keine weitere Behandlung mehr erforderlich.“

Honig wirke abschwellend und antibakteriell, infizierte Wunden könne man damit keimfrei bekommen, durch das Calcium des Honigs sei dieser außerdem blutungsstillend, erklärt die Expertin für Naturheilverfahren. Honig rege auch die Zellbildung an und sorge für bessere Narben. Sogar gegen multiresistente Keime könne das flüssige Gold der Bienen helfen, hat Medizinerin Sänger in ihrer Doktorarbeit geschrieben. „Dies belegen internationale Studien.“

Was ihr noch wichtig ist: „Wunden sollte niemand auf eigene Faust mit Honig behandeln. Hierzu sollte immer erst ein Arzt befragt werden.“

 
 

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