Witten macht demnächst Strom aus Biomüll

Die Biogasanlage soll am Bebbelsdorf wird gebaut werden. Zufahrt sowie erste Planierungsarbeiten sind bereits zu erkennen. Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
Die Biogasanlage soll am Bebbelsdorf wird gebaut werden. Zufahrt sowie erste Planierungsarbeiten sind bereits zu erkennen. Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
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Witten. Jetzt ist es so gut wie sicher: Witten soll den Zuschlag für eine der ersten großen Biogasanlagen im Ruhrgebiet bekommen.

Das empfiehlt die Kreisverwaltung in einer Vorlage für den am Mittwoch tagenden Kreisumweltausschuss. Dort gilt eine Zustimmung als wahrscheinlich. Schließlich wollen fast alle Fraktionen eine Energiewende. Wie die praktisch im EN-Kreis angegangen werden könnte, wusste Kreisumweltdezernent Klaus Tödtmann schon lange vor dem Gau in Fukushima: Tödtmann hatte die Idee, aus dem kreiseigenen Biomüll Strom zu machen. In der Vergärungsanlage, die auf dem Gelände der Müll-Umladestation am Bebbelsdorf in Stockum geplant ist, sollen 40 Mio Kilowattstunden für rund 2000 Haushalte im Jahr erzeugt werden. Dabei würden pro Jahr rund 4000 Tonnen CO2 eingespart, so Tödtmann.

Müll-Umladestation am Bebbelsdorf soll Standort werden

In Zeiten des Atomausstiegs sei es mehr als sinnvoll, Strom aus regenerativen Energien zu gewinnen, erklärt auch der Wittener Bau- und Umweltdezernent Dr. Markus Bradtke. Er würde sich freuen, wenn die Anlage nach Witten käme. „So wie sie konzipiert und genehmigt ist, ist es eine gute Anlage.“ Die Umladestation am Bebbelsdorf sei der richtige Standort, weil eine vorhandene Anlage sinnvoll ergänzt werde. Immissionsprobleme sieht Bradtke nicht.

„Wir haben darauf gedrängt, besonders das Thema Geruchsschutz zu begutachten“, so Bradtke. Ein unhabhängiger Experte habe den Nachweis geführt, dass sich die Situation sogar verbessern werde - weil Bioabfälle künftig nicht mehr auf dem offenen Gelände, sondern in geschlossenen Hallen umgeschlagen werden. Der Kreis genehmige die Anlage nach dem Bundesimmissionsgesetz. Bradtke sieht auch bei den Themen Lärm und Verkehr keinerlei Schwierigkeiten.

Bisher liefern sieben bis acht Lkw täglich rund 50 Tonnen Bioabfall aus dem Nordkreis am Bebbelsdorf an. Dort werden sie in Container umgeladen und zur Verrottung nach Lünen transportiert. In der neuen Vergärungsanlage soll künftig die doppelte Menge landen - denn 50 Tonnen kämen aus dem Südkreis hinzu. Damit wäre die Anlage erst einmal ausgelastet. Mit zirka 16 Lkw-Fahrten pro Tag sei zu rechnen, erklärt Klaus Erlenbach, Geschäftsführer der Entsorgungsfirma AHE (AVU Heintke Entsorgung).

Freude beim Entsorger AHE ist groß

Das Unternehmen aus Wetter, das je zur Hälfte der AVU und Remondis gehört, soll den Zuschlag für das Millionenprojekt bekommen. Der Vertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren sichert AHE jährlich 2,066 Mio Euro zu - so viel würde der Kreis der Firma dann für „Transport und Behandlung der Bioabfälle und des Grünguts“ bezahlen.

Pro Jahr fallen zirka 23 000 Tonnen Bioabfall an, davon stammen rund ein Drittel aus Witten. Aufgrund der hohen Immissionsauflagen würde den Kreis die Tonne Biomüll mit 86,20 Euro statt bisher 66 Euro deutlich teurer kommen . Schätzungen waren zunächst von 76 Euro ausgegangen. An jeden Verbraucher im EN-Kreis will der Kreis aber nur Mehrkosten von 1,37 Euro pro Jahr weitergeben. Darin enthalten ist ein „Klimaeuro“. Kreisumweltdezernent Tödtmann: „Jeder kann mit 1,37 Euro die Energiewende im Kreis unterstützen.“

Die Freude beim Entsorger AHE ist groß. „Das ist sensationell für uns“, erklärt Geschäftsführer Klaus Erlenbach. Das Unternehmen will rund 15 Millionen Euro in den Bau der 25 000 Quadratmeter großen Vergärunganlage „mit einer nachgeschalteten Kompostierungsaufbereitung“ ivestieren. Ende 2012 soll sie in Betrieb gehen.

 
 

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