Witten feiert den Universalkünstler Charles Wilp

An der Restaurierung des legendären „Futuro“ wird fieberhaft gearbeitet. Bis zum 15. September soll das Ufo wieder strahlen. Im Bild Ingrid Schmidt-Winkeler, die Witwe des Künstlers.
An der Restaurierung des legendären „Futuro“ wird fieberhaft gearbeitet. Bis zum 15. September soll das Ufo wieder strahlen. Im Bild Ingrid Schmidt-Winkeler, die Witwe des Künstlers.
Foto: Walter Fischer
Witten feiert den Universalkünstler Charles Wilp, der am 15. September 80 Jahre alt geworden wäre, mit Ausstellungen im Märkischen Museum und im Pumpenhaus. Dazu wird das legendäre „Futuro", ein ufo-förmiges Haus aus den 60er Jahren, restauriert und wetterfest gemacht.

Witten. „. „Wo ein Wilp ist, ist auch ein Weg“, so hätte wohl der aus Witten stammende Universalkünstler gesagt. Am 15. September wäre er 80 Jahre alt geworden.

Dann soll auch der „Charles Wilp Space“ im ehemaligen Pumpenhaus mit einer Ausstellung eröffnet werden, das davor stehende Ufo restauriert sein. Und das Märkische Museum zeigt ebenfalls eine Wilp-Schau. Doch bis dahin haben alle Beteiligten noch viel Arbeit vor sich.

Der „Wilp Space“ soll nach der Feier am 15. 9. für interessierte Gruppen nach Terminabsprache zugänglich sein. „Für einen durchgängigen Betrieb fehlen noch die nötigen behördlichen Genehmigungen“, erklärt Erik Böhmer, Vorsitzender des Vereins „Charles Wilp Modul”.

Seit einigen Tagen ist ein Malerteam damit beschäftigt, das ufo-förmige und in den 60er Jahren als wegweisend geltende „Futuro“-Haus wetterfest zu machen und aufzuhübschen. Nachdem es vor einigen Monaten vor dem Pumpenhaus an der Bommeraner Ruhrbrücke angeliefert worden war, hatte es durch die Luke im Dach hinein geregnet. Boden und Sitzbänke im Innern waren feucht geworden, es müffelte bereits unangenehm.

Nun riecht’s nur noch nach frischer Farbe. „Wir haben die Oberfläche abgespritzt, grundiert und strahlend weiß lackiert“, erzählt ein Mitarbeiter des Dortmunder Malerteams. Auch von innen wurden Decke und Wände bereits teilrestauriert, die alten Bänke flogen raus, neue Sitzmöbel kommen in den nächsten Tagen rein.

Schwarze Wände erinnert an Weltall

Die Stelzen, auf denen das Ufo fast zu schweben scheint, wurden frisch schwarz lackiert. „Der Sockel erhält die gleiche Farbe. Und es wird dunkler Splitt drumherum gestreut, damit es wie bei einer Mondlandung aussieht“, erklärt Wilp-Witwe Ingrid Schmidt-Winkeler. Denn auch die Space Art, die Weltraumkunst, gehörte zu den vielen Themenfeldern von Charles Wilp (1932 - 2005). Sein Fußabdruck, den Schmidt-Winkler jetzt mit einem seiner Stiefel im feuchten Betonsockel vor dem Ufo erzeugte, und der seines zehnmonatigen Enkels John lassen den Besucher für einen Moment glauben, der Universalkünstler sei hier erst kürzlich selbst vorbeigekommen.

Der Weltstar, der in Düsseldorf lebte, hätte bestimmt weitere gute Ideen für den „Charles Wilp Space“ gehabt. Dieser „Space“ (Raum) soll eher Begegnungs- und Forschungsstätte zum Werk des Künstlers als ein traditionelles Museum sein. Getragen wird die Stätte vom 2009 in Witten gegründeten Verein „Charles Wilp Modul”, dessen künstlerischer Vereinsvorstand Ingrid Schmidt-Winkeler ist.

Uralte Baumwurzel schwebt in Raummitte

Ungewöhnlich wird schon das Innere des viele Meter hohen zentralen Innenraums mit der halb umlaufenden Empore: „Die Wände werden komplett schwarz gestrichen. Durch ein Teleskop schaut man auf Fotos an den Wänden von Wilp-Aktionen“, erklärt seine Witwe. Die sind nach Themengruppen gegliedert, wie etwa Kunstporträts (u.a. von den Wilp-Freunden Joseph Beuys oder Yves Klein), Werbung oder Space Art. Wie im Weltraum wird man sich in diesen Räumen fühlen.

In der Raummitte wird an einem Haken eine große, uralte Baumwurzel schweben, die Wilp einst in Weimar geschenkt bekam und die er künstlerisch aufpeppte. „Unter dem Baum saßen schon Goethe und Schiller“, meint Schmidt-Winkeler. Auf dem Boden wurde eine Plattform errichtet, auf der ein Sofa platziert wird, das schon in einer Werbekampagne von Wilp eine tragende Rolle spielte. Um dafür Platz zu schaffen, wurden zwei tonnenschwere Maschinen aus dem alten Pumpenhaus gehievt.

Ergänzt wird die Präsentation durch die Ausstellung im Märkischen Museum. Sie zeigt bis zum 4. November einen Querschnitt durch das Werk des vielseitig Begabten. Wilp-Fans können sich also auf einen heißen Herbst freuen.

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