Witten behält seinen Kulturchef

Dirk Steimann bleibt Kulturforumsvorstand in Witten und damit auch kommissarischer Leiter des Märkischen Museums. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Dirk Steimann bleibt Kulturforumsvorstand in Witten und damit auch kommissarischer Leiter des Märkischen Museums. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool

Witten.. Hat er vielleicht nur gepokert? Wittens Kulturforumsvorstand Dirk Steimann zog seine Bewerbung als Leiter des Kulturreferats in Esslingen buchstäblich in letzter Minute zurück.

Am Montagmorgen sagte der 45-Jährige der 92-000-Einwohnerstadt im Ländle ab, wo ihn der Gemeinderat am Nachmittag vielleicht auf den Chefposten befördert hätte. Die Esslinger Fraktionen entschieden sich nach dem Rückzieher Steimanns einstimmig für die zweite Bewerberin, die von ursprünglich über 140 Kandidaten noch im Rennen war und am Montag ebenfalls zur Wahl stand, eine Kulturmanagerin aus Österreich.

Den Vorwurf, mit seiner Bewerbung nur gepokert zu haben, um bessere Bedingungen in Witten durchzusetzen, weist Steimann zurück. Richtig sei, dass ihn die Bürgermeisterin und Vorsitzende des Verwaltungsrats des Kulturforums, Sonja Leidemann, in Aussicht gestellt habe zu prüfen, ob sein bis Ende 2013 befristeter Fünf-Jahres-Vertrag in einen unbefristeten Vertrag umgewandelt werden könne, als sie von der Bewerbung für Esslingen erfuhr. Steimann: „Mit dieser Prüfungsoption habe ich noch keine Entfristung oder automatische Verlängerung in der Hand.“

Dass er sich mehr Sicherheit für seine Arbeit in Witten gewünscht hat, daraus macht der Essener unterdessen keinen Hehl. Die Aufgaben, die vor ihm liegen, sind gewaltig. In Zeiten von Stärkungspakt und entsprechenden Kürzungen geht es um nicht weniger als den Erhalt der kulturellen Angebote in Witten. Gleichzeitig weht Steimann ein scharfer Wind von Kritikern ins Gesicht. Die sitzen nicht im Verwaltungsrat oder Rat - im Gegenteil, dieser stärkt dem Kulturforumsvorstand den Rücken -, sondern finden sich eher in der freien Szene, in der Bürgerwerkstatt zur Zusammenlegung der Stadtbücherei mit dem Märkischen Museum etwa oder in Vorständen wie den Fördervereinen für Museum oder Musikschule.

Steimann, den das vielfältige Kulturangebot ohne Streichorchester in der wohlhabenden Stadt Esslingen gelockt hatte, sah sich nach Bekanntwerden seiner Bewerbung in Witten „unerwarteten Reaktionen meiner Kollegen und Mitarbeiter, aber auch aus dem Verwaltungsrat und Rat“ gegenübergestellt. Diese hätten letztlich den Ausschlag für ihn und seine Lebensgefährtin gegeben, Esslingen („Solche Chancen bekommt man vielleicht ein- oder zweimal im Leben“) kurzfristig abzusagen. Das freut die Verwaltungsratsvorsitzende des Kuturforums, Leidemann.

„Ich bin froh, dass Herr Steimann weiterhin tatkräftig für die Kultur in Witten tätig ist“, sagt Sonja Leidemann. Was die mögliche Entfristung seines Vertrages in Witten angeht, verweist die Bürgermeisterin auf einen „laufenden Klärungsprozess“, der in Kürze abgeschlossen werden soll. „Es wird eher schwierig.“ Kommunalrecht und AÖR (das Kulturforum ist eine Anstalt öffentlichen Rechts) ließen womöglich nur fünf Jahre zu. Eine mehrmalige Verlängerung des Vertrages sei allerdings ohne Weiteres möglich, betont die 52-Jährige.

Die anstelle Steimanns gewählte neue Kulturreferatsleiterin in Esslingen, Barbara Maria Schierl, bekommt übrigens von Anfang an einen unbefristeten Vertrag.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel