„Wir mögen und vertrauen uns“

Kandidieren für die Bundesspitze der Linkspartei: Katharina Schwabedissen (r.), Landessprecherin der Linken Nordrhein-Westfalen, und die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping. Foto: Frank Tunnat/dapd
Kandidieren für die Bundesspitze der Linkspartei: Katharina Schwabedissen (r.), Landessprecherin der Linken Nordrhein-Westfalen, und die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping. Foto: Frank Tunnat/dapd
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Witten.. Der Countdown läuft: Am nächsten Wochenende wird die Wittenerin Katharina Schwabedissen (39) beim Parteitag der Linken in Göttingen mit Katja Kipping (34) den Hut in den Ring werfen, um sich gemeinsam als Bundesvorsitzende wählen zu lassen.

„Wir mögen und vertrauen uns“ gibt Schwabedissen ihrem Optimismus Ausdruck, dass es mit der weiblichen Doppelspitze klappt. „Wir sind Feministinnen und Sozialistinnen“ nennt die NRW-Landessprecherin eine Gemeinsamkeit mit der derzeit stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Linken, der aus Dresden stammenden Katja Kipping. Überdies seien sie beide diskussionsfreudig. „Wir können Widersprüche aushalten und sie fruchtbar machen“, beschreibt die Wittenerin die durchaus nicht immer übereinstimmenden Ansichten beider. Sie kennen sich seit 2005 aus der Gründungszeit der Linken.

Bei der aktuellen, zeitintensiven Kandidatur um den Bundesvorsitz „haben wir beide zunächst gesagt, wir machen das nicht, denn wir haben Familien“, erzählt Schwabedissen. Sie selbst hat zwei Söhne (neun und 14 Jahre), Katja Kipping eine kleine Tochter. Aber angesichts des Führungsstreits in den letzten Tagen, als sich Oskar Lafontaine und Dietmar Bartsch bei ihrer Kandidatur für den Posten des Bundesvorsitzenden nicht einigen konnten, habe sie sich beunruhigt gefragt: „Was passiert hier eigentlich?“ Und befürchtet, „dass die Partei pulverisiert wird“.

Nachdem die Genossen dann gesagt hätten, „es müssen Namen auf den Tisch“, habe sie sich mit Kipping zur Kandidatur entschlossen, erklärt Katharina Schwabedissen. Dass Lafontaine die seine zurückgezogen habe, habe er sich sicher nicht leicht gemacht: „Aber wenn er diese Entscheidung getroffen hat, ist das in Ordnung.“

Schließlich empfindet die NRW-Landessprecherin es auch als Herausforderung, Politik und Familie unter einen Hut zu bringen. Hier gelte es, künftig einen neuen „Stil“ und neue Strukturen zu erarbeiten, um beides zu vereinbaren. Wenn’s mit dem Bundesvorsitz klappt, rechnet sie damit, ein bis zwei Tage pro Woche in Berlin zu verbringen.

Viel politische Arbeit könne sie auch von ihrer Heimatstadt Witten aus oder aus einem vielleicht zu eröffnenden Büro in Bochum erledigen, „schließlich leben wir im digitalen Zeitalter“, erklärt die 39-Jährige gelernte Krankenschwester.

Von ihrem Landesverband erhalte sie viel Zuspruch zu ihrer Kandidatur-Entscheidung (bei den Linken kann jeder seinen Hut in den Ring werfen) - aber auch Gegenwind. Die NRW-Landtagswahl beschreibt die gescheiterte Spitzenkandidatin unumwunden als „Niederlage, an der nichts schönzureden ist“. Was einerseits an der Abwanderung von Linken-Wählern zur SPD und den Piraten, andererseits an der nicht ausreichenden Öffentlichkeitsarbeit ihrer Partei gelegen habe. „Wir müssen uns besser verankern, auch medial. Zum Beispiel mehr mit eigenen Zeitungen der Kreisverbände und lebendigen Aktionen,“ meint Schwabdissen. Sie räumt aber auch ein: „Die Berichterstattung über mich war in den letzten Wochen überwiegend fair.“ Apropos Fairness:

Mit Machtkämpfen gingen Frauen anders um als Männer, meint die Wittenerin. Das hänge vermutlich auch mit der Kindererziehung zusammen: „Als Frau und Mutter muss man dem Kind gegenüber klar bleiben, aber gleichzeitig einen gemeinsamen Weg finden.“ Es dürfte also spannend werden, wenn Schwabedissen und Kipping als weibliche Doppelspitze die Linken in die Zukunft führen sollten.

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