Wiesenviertel rückt zusammen

„Street-Knittlling“ als neuer Szenesport: Iris Daub demonstrierte das Umstricken von Bäumen beim ersten Wiesenviertelfest.  Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
„Street-Knittlling“ als neuer Szenesport: Iris Daub demonstrierte das Umstricken von Bäumen beim ersten Wiesenviertelfest. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool

Witten.. Das Wiesenviertelfest am Samstag war mittags wie abends gut besucht.

Casinostraße, Theodor-Heuss-Straße, Wiesenstraße, Hammerstraße, Stein- und Gerichtsstraße – die an der mittleren Bahnhofstraße gelegenen Routen möchten enger zusammenwachsen. Seit das Stellwerk die Kneipe „Knut’s“ im Stil der Hamburger Hafenvorbilder an der Wiesenstraße installiert hat, war der Wunsch nach Kooperation mit den anderen Einzelhändlern und Kneipenbetreibern bei den Mitgliedern der Kulturinitiative vorhanden. Deshalb putzten sie unzählige Klinken, sprachen die Ladenbesitzer an und luden alle zu einem neu gegründeten Viertelstammtisch ein. Philip Asshauer vom Stellwerk erzählt: „Von Anfang an waren alle mit dabei. Insgesamt 28 Läden und Gastronomien wollten beim Wiesenviertelfest mitmachen. Das hat uns selbst etwas überrascht im ersten Moment.“ Kurze Zeit später stand das Konzept. Ungefähr 8000 Euro kostete die Feier des Viertels. Asshauer: „Jeder hat soviel gegeben, wie er konnte. Viele arbeiten auch ehrenamtlich für die Läden oder Unternehmen. Deswegen überließen wir es ihnen offen, wie viel sie beisteuern wollen.“

Gelohnt hat sich der Aufwand in jedem Fall. Schon mittags tummeln sich zahlreiche Familien mit Kindern auf den drei Straßen. Vor der Regenbogen-Apotheke dürfen die Kleinen den Golfschläger schwingen und putten üben, während die Mamas in dem Second-Hand-Geschäft „tragbar“ ein wenig durch die Klamotten stöbern. In der Steinstraße baute das Stellwerk eine kleine Bühne auf. Dort spielte das „Brille-Theater“ Märchen für die Kleinen. Die Eltern konnten sich nachmittags bei der Modenschau des Geschäfts „tragbar“ amüsieren.

Aufmerksamen Besuchern entgingen die kleinen grünen Anstecker an den Hemden und T-Shirts der Einzelhändler und Organisatoren nicht. Monika Schmitt von der Quabed fertigte unzählige Filzanstecker in dreieckiger Form mit der Aufschrift „Wiesenviertel“ an. Der Hutsalon ließ sich ebenfalls etwas einfallen: Die Mitarbeiter verpassten den Straßenpollern grüne Halskrausen. „So soll Nachhaltigkeit erzeugt werden und Zusammenhalt“, erklärt Philip Asshauer.

Eine weitere Besonderheit: Die Besucher konnten sich in jedem teilnehmenden Geschäft einen Stempel auf einen Laufzettel geben lassen. Wer alle gesammelt hat, nahm an der Tombola teil, bei der Einkaufsgutscheine im Wert von 200 Euro verlost worden sind. Abends dann wurden die Familien von Jugendlichen und Kneipengängern abgelöst. Auf der Wiesenstraße saßen zahlreiche Viertelgänger zusammen an einer langen Tafel, aßen Spargelcremesuppe aus dem Knut’s oder Leckeres vom Grill aus der „Aroma Lounge“ und lauschten Bands wie Marek Marple oder Who Shot John.

Das Ziel des Stellwerks für das Wiesenviertel ist die Aufnahme in die KreativQuartiere.Ruhr des „european centre for creative economy“. Das Projekt ermöglicht und fördert seit 2009 Freiräume für Künstler. So möchte man die Leerstände des Wiesenviertels mit neuem Leben füllen. Philip Asshauer: „Das wäre eine große Chance, das Viertel sinnvoll aufzuwerten und noch enger zusammenzuwachsen.“ Der erste Schritt ist durch das Fest definitiv gemacht.

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