Wieder Weltklassemusiker bei Wolf Codera in Witten

Cordula Rode
Klarettinist Wolf Codera und seine illustreSchar von Mitmusikern beim Osterkonzert in der Erlöserkirche in Annen.
Klarettinist Wolf Codera und seine illustreSchar von Mitmusikern beim Osterkonzert in der Erlöserkirche in Annen.
Foto: WAZ FotoPool
Wolf Codera und seine hochkarätige Gästeschar begeisterten beim österlichen Frühjahrskonzert in der Erlöserkirche. Bekannte Choräle im neuen Gewand in Annen.

Am Ostersonntag gab es weit mehr zu entdecken als bunte Eier – das durften die zahlreichen Besucher des Frühlingskonzertes in der Erlöserkirche erfahren. Wolf Codera, dessen Ruf als erstklassiger Musiker weit über die Wittener Stadtgrenzen hinaus reicht, lud seine Gäste zu einer Reise durch das (Kirchen-)Jahr ein.

Eigentlich in der Pop- und Rockmusik zu Hause, versteht es der brillante Klarinettist und Saxophonist in seinen alljährlichen Kirchenkonzerten im Frühjahr und zu Weihnachten, geistliche Lieder in ganz neue musikalische Erlebnisse zu verwandeln, die oft geradezu meditativen Charakter haben.

Bis die ganze Kirche in Bewegung ist

An seiner Seite hat Wolf Codera dabei Musiker auf Weltniveau: Percussionist Rhani Krija, festes Bandmitglied bei Sting, hat trotz seiner aktuellen Tour mit BAP die Zeit gefunden, bei diesem außergewöhnlichen Konzert mitzuwirken. Faszinierend, mit welcher Sensibilität der Künstler bei jedem neuen Stück den Rhythmus immer neu variiert und perfekt auf das Zusammenspiel mit den anderen Musikern abzustimmen weiß.

Xaver Fischer an den Keyboards, musikalischer Leiter des Konzertes, steht ihm in nichts nach, entlockt seinen Instrumenten Klänge, die der musikalisch unvoreingenommene Zuhörer nicht unbedingt mit einem Keyboard in Verbindung bringen würde.

Neu in der Runde der Musiker, die Pfarrer Claus Humbert in seiner Begrüßungsrede völlig zu Recht als die „Champions League“ bezeichnet, ist an diesem Abend der rumänische Bassist Decebal Badila. Er beweist, dass der Kontrabass sich auch bestens als Solo-Instrument eignet, indem er ein wunderschönes Intro des Chorals „Gott ist gegenwärtig“ spielt und zu Recht großen Beifall bekommt.

Bei aller Besinnlichkeit sorgt Gastgeber Wolf Codera durch seine sympathische und eher zurückhaltende Moderation dafür, dass keine Langeweile aufkommt: „Ihr dürft zwischendurch ruhig klatschen wie im Jazzclub, das ist in der Erlöserkirche erlaubt!“ Davon macht das begeisterte Publikum gern und häufig Gebrauch, denn die Soli der Künstler sind wirklich mehr als einen Applaus wert.

Doch Wolf Codera hat noch mehr Gäste eingeladen – die junge ungarische Sängerin Anikó Kanthak, vielen bekannt aus der Tony-Mono-Show, trägt zwei Eigenkompositionen vor. Absoluter Liebling des Publikums aber ist David Thomas: Der Amerikaner, der inzwischen in Witten wohnt, hat unter anderem im Chor von Stevie Wonder und beim Starlight-Express gesungen – mit seiner wundervollen Gospelstimme füllt er mühelos die große Kirche. Beim Song „Hallelujah“ von Leonard Cohen fühlt man sich versucht, den abgenutzten Begriff der Gänsehaut zu bemühen, so wundervoll ist Thomas‘ Interpretation des Liedes.

Bei der Zugabe ziehen die hervorragenden Musiker noch einmal alle Register ihres Könnens, indem sie den Choral „Wir wollen alle fröhlich sein“, der bereits das Konzert einleitete, überraschend neu variieren und den Titel zum Programm machen: Die Zuschauer, zum Mitmachen aufgefordert, lassen sich nicht lange bitten, bis die ganze Kirche in Bewegung ist – zweifellos ein Ostererlebnis der ganz besonderen Art.