Wenn die Sirene heulte...

Stolz präsentiert Emil Brinkhoff seine Ehrenurkunde. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Stolz präsentiert Emil Brinkhoff seine Ehrenurkunde. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool

Witten.. Er kam, wenn die Sirene heulte: Emil Brinkhoff. Seit 60 Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr Bommern. Grundlegendes verändert hat sich seiner Meinung nach nichts.

Na gut, die Technik hat Fortschritte gemacht. Und die Gebäude der Feuerwehr stehen auch nicht mehr am gleichen Platz. Der Zusammenhalt ist aber der gleiche geblieben. Mit 24 Jahren, als seine älteste Tochter zwei Jahre alt war, trat Emil Brinkhoff den Brandbekämpfern Bommerns bei. Eigentlich nur deswegen, weil seine Kumpel aus dem Fußballclub SV Bommern auch alle Mitglied waren. „Da hatte man dann nicht mehr so die Wahl, wenn man weiterhin viel zusammen machen wollte. Außerdem machte es so mehr Spaß mit allen“, erinnert sich der 84-Jährige heute.

Immer an seiner Seite: seine Frau Gerda. Zwar fuhr sie nicht mit zu Einsätzen hinaus, aber dafür hielt sie die Stellung zu Hause und wartete zusammen mit einer anderen Ehefrau und frisch gekochtem Kaffee auf die heimkehrenden Männer.

Heutzutage bekommen die Brandbekämpfer der Feuerwehr per elektronischem Pieper Bescheid, wenn sie gebraucht werden. Früher war das anders. Da sprangen die Sirenen auf dem Dach der Feuerwehr in der Elberfelder Straße an und man erfuhr erst auf der Wache, was anliegt. Angst hatte Emil Brinkhoff nie, wenn er zum Löschen eines Feuers hinausfuhr. Und das, obwohl die Männer damals weder Schutzmasken noch Beatmungsgeräte trugen. Nur die Uniform und ein Helm schützte sie. „Der Helm war aber nicht annähernd so sicher wie die heutigen“, so Brinkhoff.

An einen Einsatz erinnert sich der ehemalige Feuerwehrmann noch besonders: den Scheunenbrand Kleffmann Ende der 60er Jahre. Über zwölf Stunden zog sich der Brand hin, etliche Stroh- und Heuballen mussten aus dem Gebäude geholt werden, um weitere Feuerherde zu vermeiden. Durch die starke Rauchentwicklung zog sich Emil Brinkhoff wie viele seiner Kameraden eine leichte Rauchvergiftung zu. „Wir sind da ohne Tuch oder ähnliches hineingegangen. Es war einfach keine Zeit dafür, sich weiter zu schützen oder sich überhaupt Gedanken zu machen.“ Abgesehen von der Rauchvergiftung kam der Brandbekämpfer aber mit dem Schrecken davon.

Bei einem anderen Einsatz brach er sich den Mittelfinger. Aber nicht weil er ein Feuer bekämpfte. „Wir retteten die Pferde, die immer auf der Ruhrwiese standen vor dem Hochwasser“, erzählt der Rentner. Jedes Jahr trat dort die Ruhr über die Ufer. Aber nur, wenn das Wasser plötzlich kam, dann mussten die Männer ausrücken. Den Mittelfinger brach Emil Brinkhoff sich, weil sein Pferd scheute und den Kopf nach oben warf. „Da hing ich dann leider dran, weil ich es ja festgehalten habe“, sagt Brinkhoff schmunzelnd.

Mit 60 Jahren wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen. Das sei Dienstvorschrift, denn dann seien die Männer und Frauen nicht mehr versichert. Seitdem ist Emil Brinkhoff ein passives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bommern. Einmal im Monat bei Kaffee und Kuchen treffen er und seine Frau auf die alten und neuen Kameraden. Da die Fenster in der Wohnung zum Bodenborn hinauszeigen, bekommt Emil Brinkhoff noch heute Einsätze seiner ehemaligen Wirkstätte mit. Brinkhoff: „Dafür habe ich noch heute immer ein Auge und ein Ohr offen. Sobald ich das Blaulicht sehe oder höre, frage ich mich, wo es brennt. So ganz lässt einen die Arbeit wohl nie los.“

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