Wenn die Fundstücke laufen lernen

Tischsteckdose und Regenschirm erwachen. Frau Kolipost (Beate Telgheder, r.) strickt in ihrem Reich – dem Fundbüro.Foto:Böhmer
Tischsteckdose und Regenschirm erwachen. Frau Kolipost (Beate Telgheder, r.) strickt in ihrem Reich – dem Fundbüro.Foto:Böhmer
Foto: FotoPool/Bernd Böhmer
Witten. „TheO“ zeigt Stück über den Alltag in einem Fundbüro. Im Gemeindehausim Oberdorf spielten Menschen mit und ohne Handicap mit

Wer kennt das nicht? Das Lieblingstuch oder der neue Regenschirm sind plötzlich verschwunden. Aber von wegen „in der Bahn liegen gelassen“ oder „beim Spazierengehen verloren“! Seit den drei Aufführungen der Theatergruppe „TheO“ wissen wir: Viele Dinge verschwinden gar nicht wegen unserer Nachlässigkeit, sondern weil sie es nicht mehr bei uns aushalten!

Ihre Flucht endet dann meist im Fundbüro: Im gleichnamigen Stück zeigte die integrative Schauspieltruppe „TheO“ („Theater im Oberdorf“) im Gemeindesaal der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde im Oberdorf, was in der Sammelstelle eigentlich so vor sich geht. Dass bei „TheO“ Menschen mit ohne Handicap mitspielen und mitwirken, spielt keine große Rolle – es fiel noch nicht einmal allen Zuschauern auf.

Bisher herrschten im Fundbüro Harmonie und Frau Kolipost (sehr überzeugend: Beate Telgheder), die sich aufopfernd um die Sicherheit der ihr anvertrauten Schätze kümmert. So verleugnet die eigenwillige Dame das Vorhandensein bestimmter Plüschtiere und erfindet bürokratische Hürden, um Dinge nicht herausrücken zu müssen. Doch das wird schwierig, als plötzlich der steife Bürokrat Herr Hornberger (mit großartiger Mimik: Jörg Peter) auftaucht und Ordnung in das scheinbare Durcheinander der Sammelstelle bringen will.

Um das zu verhindern, muss Frau Kolipost beweisen, dass sie durchaus den Überblick über ihr Büro hat. Dafür gibt die Hüterin der Fundstücke sogar ein wertvollen Porzellan-Glöckchen an seinen Eigentümer zurück. Die anderen Gegenstände mit unterhaltsamen Eigenleben sind alarmiert: „Eine Glocke ist ausgeliefert worden“, jammert ein rotes Kaschmirtuch, das sich vor seiner herrischen Besitzerin versteckt.

Mit sehr viel Humor inszenierte Regisseurin Britta Lennardt das Stück mit und für Menschen mit Behinderungen. Thematik und Situationskomik sind ideal auf ein breites Publikum zugeschnitten und auch bei den liebenswürdigen Figuren zeigt „TheO“ viel Fingerspitzengefühl: Vom sich letztendlich doch als liebevollen Fundstück-Freund erweisenden Herrn Hornberger bis hin zu den schrulligen Persönlichkeiten der Fundstücke.

Nicht nur das Publikum zollte der Theatergruppe von „TheO“ anschließend mit kräftigem Applaus Tribut. Auch die Leiterin des echten Wittener Fundbüros, die zur Vorstellung am Donnerstag eingeladen worden war, zeigte sich begeistert über das augenzwinkernde Stück. Viele Szenen bewegten sich doch sehr nahe an der Realität des Alltages der echten Sammelstelle.

 
 

EURE FAVORITEN