Warten auf eine neue Niere

Eva Michalik lässt in einer Dialysepraxis in Witten ihr Blut reinigen. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Eva Michalik lässt in einer Dialysepraxis in Witten ihr Blut reinigen. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler

Witten.. Den 28. Mai 1998 hat Eva Michalik (51) wie ihren Geburtstag gefeiert. Damals bekam sie zum zweiten Mal eine neue Niere - was für sie fast elf Jahre lang ein Leben in Freiheit bedeutete, unabhängig von der Dialysemaschine. Inzwischen hängt die frühere Zahnarzthelferin wieder dreimal die Woche an den Schläuchen, über die ihr Blut gereinigt wird - und wartet abermals auf ein neues Organ.

Freitagmittag im Therapiezentrum an der Ardeystraße. Alle Dialyse-Säle sind voll. Bett an Bett liegen hier die Menschen, über der gelben Decke zwei Schläuche, durch die die rote Flüssigkeit läuft, neben sich einen Apparat mit Monitor und Pumpe. „Unten kommt’s rein, oben raus“, beschreibt Ärztin Dr. Beate Höhmann-Riese (56) den Vorgang, der mehrere Stunden dauert. Eva Michalik kommt dreimal die Woche. Dialyse ist Fluch und Segen zugleich.

Ohne die „Nierenersatztherapie“, wie der Vorgang medizinisch korrekt genannt wird, „wären wir alle schon unterm Torf“, sagt Eva Michalik. Sie sagt aber auch: „Durch die Dialyse wird einem ein Stück Freiheit genommen.“ Immer montags, mittwochs und freitags erscheint sie für einen ganzen Nachmittag zur lebensrettenden Blutwäsche. Die Nieren, die dem Körper die Giftstoffe entziehen und dafür sorgen, dass wir Wasser, also Urin ausscheiden - bei der lebenslustigen Frau funktionieren sie schon lange nicht mehr.

Eva Michalik war gerade 21, als sie 1981 das erste Mal an die Dialyse musste. Von Geburt an hat sie eine Doppelniere. Als sich eine Niere entzündete, waren am Ende „beide kaputt“. 1984 wurde sie erstmals transplantiert. Sechseinhalb Jahre lebte sie mehr schlecht als recht mit dem neuen Organ, bevor es vom Körper abgestoßen wurde. 1990 musste sie wieder an die Dialyse. Diesmal wartete sie acht Jahre auf ein neues Organ. Das Angebot ihrer Mutter und Schwester, ihr eine Niere zu spenden - der Mensch kann mit einer Niere leben - lehnte sie dankend ab. „Was ist, wenn die mal was kriegen?“

1998 bekam sie zum zweiten Mal die Spenderniere eines Toten. „Das war Fullhouse“, erinnert sich Eva Michalik. „Ich hatte von da an Werte wie ein gesunder. Mir ging’s richtig gut.“ Fast elf Jahre Jahre brauchte sie nicht mehr an die Dialyse, die eine kaputte Niere ersetzt. Sobald der Patient das neue Spenderorgan hat, ist er die Maschine los.

„Das ist meine letzte Chance“

Am 26. Januar 2010, nach fast elf Jahren, hatte auch die zweite Spenderniere ausgedient. „Bei diesem Glücksgriff hatte ich gedacht, die hält jetzt ewig“, schildert Eva Michalik ihre damalige Enttäuschung. „Als ich dann wieder zur Dialyse musste, habe ich geweint.“

Inzwischen ist der Weg ins Therapiezentrum für sie Alltag. Eva Michalik plaudert mit ihren Bettnachbarn, lässt sich von Schwestern und Ärzten „betüddeln“, wie sie sagt, und genießt mittags belegte Brote und „zur Krönung zum Abschluss immer ein Eis“.

Die Dialyse macht schlapp, manchmal schläft Eva Michalik dabei auch. „Es passiert ja was, das Blut wird gereinigt.“ Die Blutwäsche ist nicht ohne Nebenwirkungen, da sie dem Körper auch Nährstoffe wie Kalzium entzieht. Eva Michalik hat Osteoporose. Ihr größter Wunsch wäre es, noch einmal eine neue Niere zu bekommen. Dafür angemeldet ist sie schon. Die Frührentnerin rechnet damit, noch vier, fünf Jahre auf das Organ warten zu müssen. „Dann bin 56“, sagt Eva Michalik . „Das ist meine letzte Chance.“

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