Von der Bruchbude zum Gotteshaus

Bernd Kassner
Der Abriss der bosnischen Moschee in Witten hat am Dienstag,  4. Juni, begonnen. Vaik Krasnici, 69 Jahre, ist Mitglied der Gemeinde.
Der Abriss der bosnischen Moschee in Witten hat am Dienstag, 4. Juni, begonnen. Vaik Krasnici, 69 Jahre, ist Mitglied der Gemeinde.
Foto: Walter Fischer

Witten. Die bosnische Gemeinde steht vor den Trümmern ihrer Moschee - und ist glücklich. Denn auf den Abriss folgt in zwei Wochen der Neubau eines würdigen Gotteshauses an der Breite Straße.

Es ging einfach nicht mehr. Denn die Muslime waren jahrelang in einem alten Bahngebäude untergebracht, das teils Schuppen, teils Umkleideraum für die Bahnmitarbeiter war. Sie hatten sich dort eingerichtet, die kargen Innenräume verputzt und gestaltet, eine Gebetsnische nach Mekka ausgerichtet. Trotzdem fehlte es am Nötigsten: An einem Versammlungsraum, in den mehr als die damaligen 16 Stühle für die 150 Mitglieder passen, an einem Damen-WC und Waschraum sowie an Heizmöglichkeiten.

Das war Beten in der Bruchbude. Denn es ist wirklich problematisch, Gott in einem fußkalten Raum die Ehre zu geben, während einem im Winter so langsam die Zehen vor Kälte taub werden. Das Ganze in einem roten Backsteinbau am Bahndamm mit dem spröden Charme eines heruntergekommenen Hinterhof-Zweckgebäudes der 50er Jahre. „Unsere Moschee“, seufzte Gemeindesprecher Armin Suceska einmal, „sieht aus wie Frankensteins Schloss.“

„Endlich ist der alte Bau abgerissen“

Für März war endlich der Abriss des Bahnschuppens geplant, den die Gemeinde erworben hatte, dann hieß es Mai, und Anfang Juni ist es schließlich geworden. „Endlich ist der alte Bau abgerissen, das war ja nicht mehr schön“, freut sich Gemeindemitglied Vaik Krasnici. Der 69-jährige Kosovo-Albaner lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Vaik Krasnici war Metaller wie viele der hiesigen Gemeindemitglieder, genau gesagt Dreher, und er ist stolz darauf, dass seine kleine Gemeinde einen Neubau stemmen will.

Übergangsweise sind die Bosnier in der türkischen Moschee an der Wideystraße untergekommen. „Die Türken sind sehr gastfreundlich und nett zu uns“, sagt Krasnici. „Da konnten wir uns für die Zeit der Bauarbeiten einrichten.“ Alles habe man selbst gemacht, und ginge es nach Vaik Krasnici, sie hätten auch noch den großen Abrissbagger selbst in Gang gesetzt: „Schließlich ist mein Bruder doch Baggerführer, der kann das.“ Aber ansonsten haben sie alles selbst gemacht, „alles ausgeräumt, Teppiche zusammengepackt, Möbel, Inventar, das war viel Arbeit.“

Im Winter könnte der Rohbau stehen

Im Winter könnte auf der jetzigen Schutthalde der Rohbau stehen. Suceska: „Alles weitere hängt vom Geld ab. Von den nötigen 350 000 Euro haben wir 200 000 Euro zusammen. Als erstes wird der Gebetsraum hergerichtet, damit wir wieder funktionsfähig sind. Wir hoffen, dass wir die Kosten durch Eigenleistungen senken können.“

Für Vaik Krasnici jedenfalls steht fest: „Jetzt bekommen wir eine schöne Moschee.“