Verwalter: Schmierereien werden bald entfernt

1884/1885 errichtete die jüdische Gemeinde hier ihre Synagoge: 1938 angezündet und verwüstet, wurden die Trümmer nach dem 2. Weltkrieg gesprengt.Foto:Theobald
1884/1885 errichtete die jüdische Gemeinde hier ihre Synagoge: 1938 angezündet und verwüstet, wurden die Trümmer nach dem 2. Weltkrieg gesprengt.Foto:Theobald
Foto: WAZ FotoPool
Ausgerechnet am früheren Standort der Synagoge steht immer noch ein Anti-Israel-Spruch. Bürgermeisterin erklärt: „Witten hat keinen Platz für solche Parolen.“

Witten..  Unbekannte hatten, wie berichtet, am 1. August, Anti-USA-, Anti-Israel- und Anti-„Zion“-Parolen an drei Häuser in der Synagogenstraße gesprüht. Von zwei Hausfassaden wurden die Schriftzüge – offensichtlich im Auftrag der Eigentümer – bereits so gut wie spurlos entfernt.

Dass ausgerechnet am Eckhaus Synagogenstraße/Breite Straße immer noch ein Anti-Israel-Spruch steht, wenn auch mittlerweile „durchgestrichen“ und durch den Protest der Gegenseite ergänzt, ärgert viele Bürger. Dort stand einst die Synagoge, die Wittener Nazis am 9. November 1938 in Brand setzten.

Bei der Stadt sind „sehr emotionale Reaktionen“ auf die Schmierereien eingegangen. Bürgermeisterin Sonja Leidemann stellte gestern öffentlich klar: „Ich möchte im Sinne all jener, die sich als engagierte Gruppen oder einzeln auch bei der Stadtverwaltung zu Wort gemeldet haben noch einmal ganz deutlich sagen: Witten hat keinen Platz für solche Parolen.“ Die Stadt wehrt sich zugleich gegen den „schlimmen Eindruck, niemand beschäftige sich mit den Schmierereien“, und verweist auf Zuständigkeiten: Der Staatsschutz ermittle bereits, Zeugen sollten ihn doch bitte dabei unterstützen, die Beseitigung der Sprüche aber sei Sache der Eigentümer.

Israel-Freunde in Witten sollen bereits angeboten haben, sie würden „einen Eimer Farbe“ zur Verfügung stellen, falls es daran scheitere. Fast wie im Januar 2009: Damals hatten Unbekannte die Synagogen-Stele mit roter Farbe übergossen – und noch bevor sich Reinigungsprofis im Auftrag der Stadt ans Werk machen konnten, hatten andere Unbekannte die Farbe bereits wieder abgekratzt.

Solche „Selbsthilfe“ wird aber dieses Mal wohl nicht vonnöten sein. Das Doppelhaus gehört einer Eigentümergemeinschaft. „Die Schmierereien kommen weg“, sagte Hausverwalter Markus Sittard (44) gestern auf Anfrage der WAZ. Schmierereien habe es „wegen der Gedenktafel“ an dem Haus früher öfter gegeben, zuletzt aber seit einer Reihe von Jahren nicht mehr. Graffiti würden grundsächlich beseitigt, dafür habe er einen Etat und freie Hand. Mehrere Leute aus dem Haus hätten ihn im aktuellen Fall aber auch schon auf die Schriftzüge angesprochen und aufgefordert zu handeln.

„Wir müssen nur erst mit der Polizei sprechen, ob wir sie schon wegmachen dürfen, dann schicken wir morgen den Maler vorbei“, sagte Markus Sittard. Laut Polizeisprecher Volker Schütte gibt es keine ermittlungstaktischen Gründe, die dagegen sprechen.

 
 

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