Unbeschwerte Stunden für junge Wittener Flüchtlinge

Dennis Sohner
Auch das Billardspiel im Hevener Jugendtreff „Freeze" bereitet den jungen Flüchtlingen viel Freude.. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Auch das Billardspiel im Hevener Jugendtreff „Freeze" bereitet den jungen Flüchtlingen viel Freude.. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Zwei Wittener Jugendtreffs bieten jungen Flüchtlingen die Möglichkeit, dort ihre Freizeit zu gestalten: Cola, Kekse und Pizza Margherita inklusive.

Witten.  Nach fünf Minuten ist die Zurückhaltung verflogen: Ahmad, Hemen und andere Flüchtlinge stehen am Billard- oder Kickertisch im Hevener Jugendtreff „Freeze“ und haben ihren Spaß. Für sie heißt es heute: raus aus der Notunterkunft, rein in eine andere Welt.

„Es ist eine schöne Abwechslung von ihrem Alltag in der Jahnhalle. Viele wissen gar nicht, dass es solche Angebote in Witten gibt“, sagt Martin Schrage (50), Leiter des „Freeze“. „Sie sind total dankbar.“ Mit Kostas Kanistras (51), dem Leiter des Hauses der Jugend, hat Schrage die Initiative ins Leben gerufen: Beide wollen jungen Flüchtlingen aus der Unterkunft in der Jahnhalle die Gelegenheit geben, ihre Freizeit lebendig zu gestalten - Cola, Kekse und Pizza Margherita inklusive.

Einmal pro Woche kommen einige Jugendliche abwechselnd ins Freeze und ins Haus der Jugend - zum Bekanntmachen sozusagen. „Natürlich ist unser Angebot zu den Öffnungszeiten immer offen für die Jugendlichen“, betont Martin Schrage. Kollege Kostas Kanistras freut sich: „Dadurch entstehen Begegnungen.“ An den wöchentlichen Treffen ist nicht viel geplant, um Wittener Jugendliche mit den Flüchtlingen „zusammenzubringen“. Alles läuft nach dem Motto: Wer da ist, ist da. Kanistras: „Die Jugendlichen sollen sich normal fühlen. So wie jeder andere auch.“ Bald soll es auch Sprach- und Musikangebote für jugendliche Flüchtlinge geben, die dauerhaft in Witten leben.

Lockere Atmosphäre kommt bei jungen Flüchtlingen gut an

Die lockere Atmosphäre im „Freeze“ kommt bei den Flüchtlingen, die aus ihrer Notunterkunft bald wieder in eine andere Stadt ziehen werden, gut an. Ahmad aus Syrien lebt in der Jahnhalle und locht gerade am Billardtisch ein paar Kugeln. „Es ist sehr gemütlich hier. Ich werde gerne wieder kommen“, sagt der 31-Jährige, einer der Älteren an diesem Nachmittag. Und Hemen (20), der als Helfer mit dabei ist und in seiner Freizeit gerne ins Fitnessstudio geht, meint in gutem Deutsch: „Ich kann mir vorstellen, hier am Computer ins Internet zu gehen und mit meiner Familie in Syrien zu chatten.“

Auch Selim ist begeistert. Der Elfjährige kam vor fünf Jahren aus Albanien als Flüchtling und besucht öfter den Hevener Jugendtreff. „Die sind alle total nett“, meint er mit Blick auf die Flüchtlinge. Noch hat er sich nicht getraut, auf sie zuzugehen und um eine Partie zu bitten - „mein Englisch ist ziemlich schlecht“. Aber das will er nachholen, betont er. Selims Freund Rekan ist in Deutschland geboren, seine Eltern waren vor Jahren aus der Türkei nahe der syrischen Grenze geflohen - auch er weiß darum, wie wichtig solche Angebote sind. „Eine tolle Aktion“, sagt der 13-Jährige. „Ich kenne selbst einen jungen Flüchtling. Er kam vor einigen Jahren aus Aleppo.“ Heute sind beide dicke Freunde.