Trotz des Unglücks: Mottowoche geht weiter

Mottowoche am Schiller-Gymnasium.
Mottowoche am Schiller-Gymnasium.
Foto: Funke Foto Services
Der Flugzeug-Absturz lässt Abiturienten während der Mottowoche inne halten. Viele sind betroffen – denn die Toten waren Schüler wie sie.

Witten..  Mittwochmittag um kurz nach halb drei sieht der Rathausplatz fast picobello aufgeräumt aus. Nur auf der Treppe liegt eine zerbrochene Rotweinflasche in einer Pfütze und auf einer Bank sitzen zwei ziemlich angeschlagene „Senioren“, übrig geblieben vom „Rentner“-Motto an diesem Tag. Die letzte Schulwoche der Abiturienten hinterlässt wieder einmal Spuren – in jeder Hinsicht. Und mitten hinein in die Partystimmung platzt die schockierende Nachricht des Airbus-Absturzes.

Dass 16 Schüler und zwei Lehrer eines Gymnasiums in Haltern unter den 150 Toten sind, das sei es, was die Jugendlichen bei dieser Katastrophe wohl besonders berührt, sagt Erwin Eßmann, Leiter der Hardenstein-Gesamtschule. Viele hätten sich am Mittwoch gewünscht, mit ihren Klassen oder Kursen eine Schweigeminute einzulegen. „Mit meiner Klasse haben wir gerade die Abschlussfahrt nach Malta gemacht, das hätte uns genauso passieren können“, so Eßmann. Natürlich hängen auch die Europa- und die Deutschlandflagge vor der Schule auf Halbmast. Und insgesamt sei es an diesem Tag, dessen Motto hier die 80er Jahre waren, „ein bisschen ruhiger“ gewesen.

Die Mottowoche ganz abzusagen – wie es ein Leser vorschlug – das kam für die Schulen nicht in Frage. Aber am Ruhr-Gymnasium zum Beispiel gab es ebenfalls eine Schweigeminute. „Eigentlich wollten die Abiturienten am Vormittag eine Durchsage machen, bei der sie Witze erzählen wollten“, sagt Schulleiter Ulrich Janzen. Davon hätten die jungen Leute aufgrund des Unglücks Abstand genommen – und stattdessen zu einer Schweigeminute auf dem Schulhof aufgerufen. „Wenn die Katastrophe für Schüler ein Thema ist, werden die Lehrer das außerdem im Unterricht aufgreifen“, so Janzen. Das betreffe aber wohl eher die Älteren.

Bürger beschweren sich über Müll

Vielleicht also wird manch einer die letzten beiden Tage nicht so feuchtfröhlich verbringen wie zu Beginn der Woche. Das würde auch die Stadt freuen, denn das Ordnungsamt hat eine Mail an die Schülervertreter geschickt, in der es um „ein gewisses Maß an Benehmen und Rücksicht“ bittet. Mehrere Bürger und ein Gastwirt („das war hier schon morgens um neun total chaotisch“) hatten sich über Müll, zerbrochene Flaschen, laute Musik, grölende und zum Teil pöbelnde Schüler auf dem Rathausplatz beschwert. Zwei große Mülltonnen hat das Ordnungsamt daraufhin vor dem Ratskeller aufgestellt. Zwei Tage noch, dann ist der Spaß ohnehin vorbei. Dass es Wichtigeres gibt, mag inzwischen fast jeder gespürt haben.

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