Traum vom Tauchcenter in Witten vor dem Aus

Vom Klärwerk zum weltgrößten Tauchcenter? Das scheint immer unwahrscheinlicher. Die jahrelange Planung wäre umsonst.
Vom Klärwerk zum weltgrößten Tauchcenter? Das scheint immer unwahrscheinlicher. Die jahrelange Planung wäre umsonst.
Foto: Walter Fischer
Das geplante Tauchcenter auf einem Wittener Klärwerks-Areal steht vor dem Aus: Bis Oktober will der Ruhrverband Klarheit. Doch es fehlen 900 000 Euro.

Witten.. Eines der weltgrößten Tauchcenter in Witten: Lange schien es, als würde der Traum des Essener Tauchlehrers Thomas Kromp Wirklichkeit. Die Situation hat sich geändert: Wegen neuer Investitionsprobleme steht das Projekt nun vor dem Aus. Es fehlen 900 000 Euro.

Das Tauchcenter samt Hotel, Restaurant und Holzhütten zum Übernachten sollte auf dem ehemaligen Klärwerks-Gelände an der Herbeder Straße entstehen. Nun hat der Ruhrverband als Besitzer des Geländes Kromp und seinen Unterstützern eine Frist gesetzt: Bis Oktober müsse klar sein, dass mit dem Bau begonnen werden kann, sonst wolle der Verband die alten Klärwerks-Gebäude abreißen und das Areal anderweitig verplanen, teilte der Essener mit. Vom Verband war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen.

Großes Touristen-Potenzial

„Damit wären alle Bemühungen über die vielen Jahre der Planung seit 1998 umsonst gewesen, obwohl wir alle Hürden überwunden haben – ob Bau- und Investitionsplanungen, Gutachten oder Machbarkeitsanalysen“, zeigt er sich enttäuscht. Mehrere Untersuchungen würden die Machbarkeit und Rentabilität des Projektes belegen. Davon, dass das Angebot angenommen werden würde, ist der Unternehmer auch persönlich überzeugt: Es gebe ein großes Freizeitpotenzial rund um die Ruhr, über eine Million Tagestouristen pro Jahr und eine gute Verkehrsanbindung. Nun aber die „Galgenfrist“.

Dabei sah es zwischenzeitlich richtig gut aus. Unter der Bedingung, dass die Kosten des Tauchparadieses von zwölf auf 8,5 Millionen Euro sinken, hatte ein regionales Kreditinstitut Investitionen zugesagt. Das gelang durch Umplanungen: 20 statt zehn Holzhütten, dafür ein kleineres Hotel. Laut Kromp war da seitens der Bank von 40 Prozent Eigenkapital die Rede, die man noch über Investoren hätte schultern müssen – etwa 3,5 Millionen Euro. Bis Januar „hatten wir die Investitionen im Sack“, sagt der 66-Jährige. Dann aber hätte die Bank statt 40 Prozent, 50 Prozent Eigenkapital verlangt – und die privaten Geldgeber seien abgesprungen. „Immer neue Auflagen verunsichern Investoren.“

„Für Witten wäre das Tauchcenter eine Bereicherung“

Enttäuscht wäre man bei einem Scheitern auch bei der Stadt, die das Projekt „ideell“ unterstützt hatte, auch als Signal an potenzielle Investoren. „Für Witten als Sportstadt wäre das Tauchcenter eine Bereicherung“, sagt Stadtsprecherin Lena Kücük. Wenn die Finanzierung stehen würde, da bestehe Einigkeit, würden Bebauungsplan und Ratsbeschlüsse auf den Weg gebracht. Lange warten will der Ruhrverband, der oft vertröstet wurde, aber nun nicht mehr.

Im Grunde fehlen für den Traum vom Mammut-Tauchcenter (8 Millionen Liter Wasser) an der Ruhr laut Kromp „nur“ noch 900 000 Euro – die Lücke, die sich von der neuen Eigenkapital-Forderung ergeben hat. Wenn man dieses Geld zusammenbekommen würde, sagt der Essener, würden auch die anderen Investoren mit den 3,5 Millionen Euro wieder anbeißen. „Eigentlich könnten wir sofort anfangen zu bauen.“ Die Zeit rennt.

 
 

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