Thema Schullandschaft spaltet

Hardenstein-Gebäude (Wabeck): Soll es für viel Geld saniert oder die Schule in die Innenstadt verlagert werden?Foto:Korte
Hardenstein-Gebäude (Wabeck): Soll es für viel Geld saniert oder die Schule in die Innenstadt verlagert werden?Foto:Korte
Bürgermeisterin will Hardensteinschule am Standort erhalten. Für Schuldezernenten ist Umzug „eins von sechs Szenarien“ – entscheiden soll der Rat.

Die Zukunft der Hardenstein-Gesamtschule wurde heiß diskutiert. Ein Elternbefragung wies – neben der Holzkampschule in Annen – den Bedarf nach einer Gesamtschule aus, die im Zentrum liegt. Das Gebäude der Gesamtschule in Herbede ist sanierungsbedürftig. Schulleiter und führende Kommunalpolitiker in Herbede wollen unbedingt am Standort festhalten. Was ist im Hinblick auf eine zukunftstaugliche Schullandschaft in Witten sinnvoll? Wir befragten die fünf Bürgermeisterkandidaten.

Leidemann: Am Standort erhalten

Ich setze mich dafür ein, auf jeden Fall den Herbeder Familien das Schulangebot in Herbede zu erhalten. Gegebenenfalls ist die Schule in eine Kreisgesamtschule umzuwandeln oder sind andere Abrechnungsmodalitäten zu finden. Dazu habe ich bereits verschiedene Gespräche geführt und ist Frau Ministerin Löhrmann angeschrieben worden.

Zur Zukunft des Gebäudes der Overbergschule: Denkbar ist, dem benachbarten Berufskolleg, das dringend Räume sucht, die frei werdenden Räumlichkeiten der Overbergschule anzubieten.

Wie die erhöhte Nachfrage der Wittener Eltern nach einer innenstadtnahen Gesamtschule befriedigt werden soll? Witten ist flächenmäßig nicht sehr groß, alle weiterführenden Schulen sind für alle Kinder ab zehn Jahren relativ gut erreichbar. Das gilt auch für die beiden Gesamtschulen. Die Verlagerung der Hardensteinschule in die Innenstadt hätte auch Auswirkungen auf die Otto-Schott-Realschule, die in ihrem Bestand gefährdet wäre und die ich ebenfalls mit ihrem MINT-Schwerpunkt erhalten möchte. Außerdem erwarte ich klare landesgesetzgeberische Aussagen: Aktuell nehmen wir viele Schülerinnen und Schüler aus anderen Städten auf. Nach meinem Ermessen sind zunächst die Wittener Kinder und Jugendlichen bei der Vergabe von Gesamtschulplätzen zu berücksichtigen. Es kann nicht sein, dass wir angesichts unserer schlechten Haushaltslage dauerhaft anderen umliegenden Städten kostenfrei ein umfangreiches Schulangebot zur Verfügung stellen. Sonja Leidemann

Schweppe: Szenarien prüfen, dann soll Rat entscheiden

Die Arbeit am Schulentwicklungsplan läuft auf Hochtouren. Erst vergangenen Dienstag hat eine Bereisung von vier Schulen durch den Unterausschuss Schule stattgefunden Die Politik hat der Verwaltung den Auftrag zur Prüfung von sechs Szenarien gegeben, die Verlagerung der Hardenstein-Gesamtschule ist nur eines davon.

Zur Zeit werden vom Gebäudemanagement die Kosten für alle Varianten erhoben. Diese sind für eine Stadt im Stärkungspakt eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Es gibt weitere wichtige Belange: die Bevölkerungsentwicklung im Stadtgebiet und den Stadtteilen und die Elternbefragung zur Wahl der weiterführenden Schule. Die Nähe zu anderen Schulen mit gymnasialer Oberstufe für alle benachbarten Systeme verbessert die Gelegenheit zur Kooperation. Außerdem sind natürlich die Stadtteilinteressen in den späteren Abwägungsprozess mit einzubeziehen.

Die Zukunft des Overberg-Gebäudes richtet sich nach der späteren Entscheidung. Aktuell sind die Schülerzahlen in den höheren Jahrgängen ansteigend, wenn auch keine Eingangsklasse gebildet wurde. Wir leben in Zeiten unsicherer Prognosemöglichkeiten, die ansteigende Zahl von Flüchtlingen bedeutet auch Schulbedarf für ihre Kinder. Vielleicht benötigen wir den Schulraum für eine Übergangszeit noch. In den Szenarien wird die Overbergschule als taugliches Gebäude für eine andere Schulform in der Innenstadt betrachtet.

Zur Nachfrage nach einer Innenstadt-Gesamtschule: Eine Gesamtschule müsste mindestens vierzügig sein. Es könnte sehr gut sein, dass Kinder aus Heven und Teilen der Innenstadt, die heute noch zu Hardenstein fahren, die Lage in der Innenstadt dann attraktiver finden. Wenn sie das System in der Innenstadt nutzen, fehlt Hardenstein mindesten ein Zug. Aus Herbede kommt nur ein Zug dorthin, die anderen Kinder sind aus Hattingen, Sprockhövel und Heven/Innenstadt. Frank Schweppe

Borggraefe: Hardenstein am Standort erhalten

Ich halte es für wünschenswert, dass die Hardenstein-Gesamtschule am jetzigen Standort erhalten bleibt. Ihre Kosten sind auch durch Schlüsselzuweisungen für gemeindefremde Schüler teilfinanziert. Hier bedarf es einer Einigung mit den angrenzenden Kommunen für eine darüber hinausgehende Beteiligung oder für eine Trägerschaft durch den Kreis. Der Bedarf in Herbede und die einmalige Lernatmosphäre in grüner Umgebung sprechen für einen Erhalt des Schulstandortes. Wachsender Bedarf für Gesamtschulplätze in der Innenstadt kann womöglich auch mit Hilfe der Gebäude der Overbergschule gedeckt werden. Die Stadt hat aufgrund geringer Anmeldezahlen das Auslaufen der Hauptschule zum Ende des Schuljahres 2017/18 bereits angekündigt. Hier steht eine erprobte Schulinfrastruktur bereit. Stefan Borggraefe

Weiß: Hardenstein am Standort erhalten

Die Bürger in Herbede möchten die Hardenstein-Gesamtschule in ihrem Stadtteil behalten. Sie ist dort mit ihren Aktivitäten gut verankert. Die Schule sollte dort bleiben, das Gebäude schnellstmöglich saniert werden. Es ist unverantwortlich, 35 Jahre keine baulichen Maßnahmen zur Werterhaltung und für den Brandschutz durchzuführen. Verantwortlich dafür sind sowohl der Schuldezernent als auch die Bürgermeisterin. Die Prognosen lassen den Betrieb auch in Zukunft zu. Falls es keinen gesetzlichen Kostenausgleich für die einpendelnden Schüler geben wird, sollte sie in eine Kreisschule umgewandelt werden.

Verschiedene Nutzungen für das Oberberg-Gebäude sind vorstellbar: als Flüchtlingsunterkunft; für die U3-Betreuung; als Kultur- und Gründerzentrum. Die Optionen sollten nach Vorbereitung durch die Verwaltung mit den Bürgern und dem Rat beraten werden.

Die Schülerzahlen sinken. Die beiden Gesamtschulen können zukünftig alle Schüler aufnehmen, die dies wünschen. Eine gute Busverbindung zwischen der Innenstadt und der Hardensteinschule sollte die Fahrten so angenehm wie möglich machen. Ulla Weiß

Budziak: „Kreative Mischlösungen“ suchen

Schulen, insbesondere Gesamtschulen an der Peripherie zu planen und zu betreiben, war und ist Blödsinn. Nun muss mit den Gegebenheiten umgegangen werden. Für eine Komplettverlagerung sehe ich keine Spielräume. Kreative Mischlösungen könnte ich mir aber vorstellen. Falls Wege gefunden werden, Bereiche der Hardensteinschule in die Innenstadt zu verlagern, böte die Overbergschule Möglichkeiten, den dringenden Bedarf an Gesamtschulplätzen dort zumindest ansatzweise zu bedienen, ohne gleich riesige Finanzmittel in die Hand nehmen. Alternativ ließen sich die Gebäude zum schrittweisen Aufbau einer eigenständigen dritten Gesamtschule nutzen. Walter Budziak

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