Studenten meditieren mitten im Gewusel

Flashmob-Meditation mit Zen-Meister Paul J. Kohtes an der Uni in Witten.
Flashmob-Meditation mit Zen-Meister Paul J. Kohtes an der Uni in Witten.
Foto: Funke Foto Services
Aktion in der Halle der Uni soll Bewusstsein für Achtsamkeit stärken. Zen-Meister Paul J. Kohtes ist überzeugt: Damit lässt sich leichter lernen

Witten..  Donnerstagnachmittag in der Uni Witten. Es herrscht Hochbetrieb, in der Halle ist viel los. Doch plötzlich wird es mitten im Gewusel still, die jungen Leute rollen Gymnastikmatten aus und setzen sich barfuß auf den Boden. Mittendrin: Kanzler Jan Peter Nonnenkamp, auch er auf Socken. Eine Protestdemo? Aber nein: Ein Flashmob – ein Menschenauflauf also, bei dem die Teilnehmer sich an einem öffentlichen Platz treffen, um etwas Ungewöhnliches zu tun. Ziemlich ungewöhnlich: An der Uni wird meditiert.

Meditation und Yoga: Das sind die beiden Themen, auf die mit dem Flashmob aufmerksam gemacht werden soll. Für diese Idee haben die Organisatoren einen echten Zen-Meister gewinnen können: Der erfolgreiche Düsseldorfer PR-Profi Paul J. Kohtes leitet die kurze Meditation an: „Wir gönnen uns jetzt etwas, was wir heute eigentlich nicht haben: Sonne“, stimmt er die rund 40 Studierenden in der Halle ein. Sie sollen die Atmosphäre des Raumes in sich aufnehmen, die Geräusche vorübergleiten lassen, sich auf den Atem konzentrieren. „Lasst ihn kommen und gehen, wie die Wellen am Meer.“ Mit geschlossenen Augen folgen die Teilnehmer den Anweisungen, gleiten ins Strandgefühl, mittendrin ein Hund – offenbar ebenfalls sehr entspannt. Rundherum geht der Trubel weiter: Türen schlagen, von den Gängen schauen Neugierige herunter, amüsiert, interessiert. Und auf dem großen roten Sofa wird weitergearbeitet: „Ich muss noch einen Text fertigmachen – ich hab nur noch eine halbe Stunde“, sagt eine Studentin. „Aber die Meditation stört mich nicht.“

Das Einmaleins der Meditation

Sie ist auch schnell vorbei: Nach kaum sieben Minuten beginnt der zweite Teil des Mobs. Wieder wird meditiert, aber diesmal mit Kopfhörer: Die Teilnehmer starten per Handy die kostenlose App „7mind“, die von Jonas Leve und Manuel Ronnefeld entwickelt worden ist. Die beiden Studenten der Wirtschaftswissenschaften erklären darin zusammen mit Zen-Meister Kohtes – er ist die Stimme der App – in sieben mal sieben Minuten das Einmaleins der Meditation. „Wir haben geführte Achtsamkeitsmeditationen zusammengestellt“, erklärt Ronnefeld.

Achtsamkeit – was ist das eigentlich? Kohtes erklärt es so: „Wo sind wir meistens? In der Vergangenheit oder in der Zukunft.“ Was muss ich machen, was hätte ich machen müssen: Diese Gedanken nähmen im Alltag viel Raum ein. „Achtsamkeit ist dagegen die Fähigkeit im Moment sein zu können – aber nicht zu müssen.“ Dass diese Fähigkeit auch Studenten brauchen, daran hat er keinen Zweifel: Studien hätten eindeutig gezeigt, dass die Aufnahmefähigkeit durch Meditation steige, dass die Studenten besser und entspannter lernen könnten. „Außerdem steigert sich nachgewiesener Maßen die Zahl unserer grauen Zellen.“

Bei Hektikern dauert’s länger

Student und App-Entwickler Ronnefeld kann das nur bestätigen: „Ich meditiere jeden Morgen und ich merke immer wieder, wie gut es mir tut.“ Sein Credo: Einfach mal ausprobieren. „Es kann ja nicht schaden.“ Und versuchen könne es jeder ganz ohne Einschränkung – egal ob oder alt, Phlegmatiker oder Hektiker: „Bei dem dauert der Weg dann nur vielleicht etwas länger“, so der 26-Jährige schmunzelnd.

Ob die Gelassenheit von Kanzler Nonnenkamp auch auf fernöstliche Techniken zurückzuführen ist? Schon möglich. „Yoga hat mir persönlich viel gegeben“, sagt er. „Es beruhigt den Geist, macht die Gedanken klar und einfach ein bisschen glücklicher.“

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