Streicharbeiten im Wittener Streichelzoo

Die Wabe Witten renoviert den Streichelzoo am Hohenstein in Witten – und all diese Menschen helfen dabei mit.
Die Wabe Witten renoviert den Streichelzoo am Hohenstein in Witten – und all diese Menschen helfen dabei mit.
Foto: Funke Foto Services
  • Tiergehege auf dem Hohenstein wird von Langzeitarbeitslosen und zwei syrischen Flüchtlingen renoviert
  • Wegen der hohen Kosten will die Verwaltung Tierpatenschaften einrichten
  • Manche Besucher würden auch Eintritt bezahlen

Witten.  Es ist noch gar nicht lang her, da tauchte der Streichelzoo auf dem Hohenstein wieder auf der Streichliste von Politik und Verwaltung auf. Zwar allerliebst, aber eben auch teuer ist das Ausflugsziel, das jährlich rund 100 000 Besucher anlockt. Aufgeben will man ihn offenbar auf keinen Fall, denn zurzeit wird dort geputzt und gestrichen.

Vier Langzeitarbeitslose und zwei syrische Flüchtlinge renovieren in einem zweiwöchigen Projekt die Anlage – erst wurde ordentlich gekärchert, zurzeit streichen sie das Holzhaus, den Laubengang und die Holzzäune mit brauner Lasur. Die Männer arbeiten für ein Projekt der „Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung“ (Wabe). Die Idee für ihren Einsatz hatte Sabrina Elias vom Referat der Bürgermeisterin. „Ich wollte, dass sie was ändert. Dass der Streichelzoo wieder aufgewertet wird“, erzählt sie. So habe sie verschiedene Träger von Arbeitsmaßnahmen angerufen, die Wabe sagte sofort zu. „Das hat einen sozialen Nutzen, von dem wir alle was haben“, sagt Wabe-Chef Thomas Strauch.

Neben dem neuen Anstrich wird die Anlage neu bepflanzt. Auch die schweren Holzbänke wurden erneuert. Das städtische Sägewerk an der Herdecker Straße baut die Bänke selbst. Außerdem wurde ein neues Tor zum Ziegengehege gebaut – denn öfters büxten die Huftiere aus, indem sie den Kindern mit dem Futter in der Hand einfach hinterhertrotteten. Eine gewisse Berühmtheit hatten zuletzt zwei größere Ziegen erlangt, die es immer wieder schafften, über den Zaun zu springen. Die beiden „Springer“ gibt es nicht mehr. „Sie hatten ein gewisses Alter“, deutet Joachim Liese, Abteilungsleiter für Grünflächen im Betriebsamt, ihr Ende diskret an.

Schon gestern Vormittag tummeln sich einige Familien im Streichelzoo. Angy Kosmac aus Heven kommt mit ihrer Tochter Kathy jeden Tag in den kleinen Zoo, im Gepäck: Möhren und Brot für die Hängebauchschweine. Wie selbstverständlich zieht Angy Kosmac für einen Euro das Ziegenfutter aus dem Automaten – die einzige Einnahmequelle der Anlage. „Ich würde hier auch Eintritt bezahlen“, sagt die junge Mutter. „Man bekommt ja schließlich was richtig Tolles geboten.“ Romy Polakowska, die mit ihrer Enkelin gerade die Hühner beobachtet, winkt dagegen ab. „Ich komme, weil es umsonst ist. Wir zahlen doch schon das Futter aus dem Automaten.“

100 000 Besucher im Jahr

80 000 Euro jährlich kostet die Attraktion die Stadt – für Futter, Instandhaltung, Strom und Personal. Zwei Mitarbeiter auf 1,5 Stellen kümmern sich werktags und am Wochenende um das Ausmisten, Füttern, die Pflege der Anlage und das Auffüllen der Futterautomaten. Angesichts der prekären Haushaltslage steht der Zoo, für den kein Eintritt verlangt wird, immer wieder auf einer Streichliste. Im August hatten etwa die Grünen Tierpatenschaften angeregt, die Piraten-Fraktion empfahl eine Spendenbox, ähnlich wie auf der Ruhrtalfähre. Auch Wabe-Chef Thomas Strauch würde auf freiwillige Spenden setzen. „Auf der Fähre lohnt sich das.“ Allerdings sei die Spendenbox ständig unter Beobachtung, anders als es im Streichelzoo möglich wäre.

Sabrina Elias betont, dass man erst nach der Renovierungsmaßnahme andere Ideen umsetzen will – etwa die Patenschaften für eine Tiergruppe (siehe Infobox). „Wenn der Zoo wieder hübsch ist, können wir neue Perspektiven entwickeln.“

 
 

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