Stolpersteine bald auch in Witten

Golden glänzende Messingsteine wie diese soll es bald auch in Witten geben. Die Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus.
Golden glänzende Messingsteine wie diese soll es bald auch in Witten geben. Die Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus.
Foto: WAZ FotoPool
Der Lionsclub Witten Rebecca Hanf möchte das Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig nach Witten holen. Doch erst muss noch der Rat darüber entscheiden.

Witten..  Wenn alles klappt, dann „stolpern“ Wittens Bürger ab dem kommenden Frühjahr an verschiedenen Stellen über kleine, quadratische Messingsteine im Boden. Der Lionsclub Witten Rebecca Hanf möchte gemeinsam mit Gruppen wie dem Friedensforum sowie in Kooperation mit dem Stadtarchiv das Stolperstein-Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig in die Stadt holen.

Lange schon hegen hier verschiedene Gruppen den Wunsch, mit diesen in den Boden eingelassenen Steinen an jene Bürger zu erinnern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Längst gibt es das Projekt in umliegenden Städten, in Hattingen, Hagen, Bochum.

Nun hat der Wittener Lionsclub die Initiative ergriffen. Meist werde nur in Museen oder an Gedenkstätten an jene Menschen erinnert, sagt Vizepräsidentin Dr. Cornelia Mattern (62). Dass der Bildhauer Demnig dort Gedenksteine einsetzt, wo die Opfer ihren Alltag verbrachten, das habe ihr und den anderen Frauen des Clubs gefallen. Diese Art, „Geschichte lebendig zu halten“, wollen sie nun fördern.

Zwar sei sie optimistisch, dass das Projekt in Witten Fuß fassen wird, „aber erst mal muss die Stadt grünes Licht geben“, sagt Mattern. Kommenden Montag wird die SPD den Antrag im Haupt- und Finanzausschuss stellen, eine Woche später wird der Rat entscheiden. Der Stadt entstünden keine Kosten, sie müsse die Verlegung der Steine nur genehmigen.

Die Frauen des Lionsclubs Rebecca Hanf waren fleißig. Sie haben mit Gunter Demnig Kontakt aufgenommen und werden 16 bis 17 Steine für alle betroffenen Familienmitglieder an den ersten drei Standorten finanzieren. Die stehen schon fest: Casinostraße 10, wo die Familie Singer wohnte, Ruhrstraße 40, wo das Haus der Familie Sommer steht, sowie Parkweg 14. Dort, in der alten Hanf-Villa, lebte die Namensgeberin des Lionsclubs. Rebecca Hanf war eine jüdische Bankiersfrau, die sich für benachteiligte Frauen und Kinder engagierte. Sie wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Mit den aktuellen Hausbesitzern habe man bereits Kontakt aufgenommen. „Jetzt müssen wir noch recherchieren, ob es Angehörige gibt, die gefragt werden müssen.“

Ein Geschichtslehrer der Holzkamp-Gesamtschule möchte das Stolperstein-Projekt mit seinen Schülern unterstützen. Die evangelischen Gemeinden begrüßten die Aktion. Und nicht zuletzt hängt Detlef Thierig (79) vom Friedensforum sehr an dieser etwas anderen Art der Gedenkkultur. In seiner Heimatstadt Chemnitz habe er amerikanisch-jüdischen Freunden geholfen, Stolpersteine für deren ermordete Großeltern zu legen: „Ihre Freude darüber war so groß“.

 
 

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