Steckt Osmanen-Gang hinter Anschlag auf Café?

Am Sonntagabend waren 25 bis 30 Männer in die Café-Lounge (rechts) gestürmt und hatten diese verwüstet. Das Sportcafé links soll demselben Betreiber gehören.
Am Sonntagabend waren 25 bis 30 Männer in die Café-Lounge (rechts) gestürmt und hatten diese verwüstet. Das Sportcafé links soll demselben Betreiber gehören.
Foto: Nitsche
  • „Möglicherweise“ steckt türkisch-nationalistische Gruppe hinter Angriff auf City-Café
  • Bochumer Staatsanwaltschaft drückt sich vorsichtig aus und verweist auf laufende Ermittlungen
  • Osmanen gelten als „rockerähnlich“ – In Witten sind u.a. Rocker von „Brothers MC“ aktiv

Witten..  An der Hauptstraße 40a geht es an diesem Dienstagnachmittag gespenstisch ruhig zu. Noch immer sind die Türen und Fenster verrammelt, nachdem am Sonntagabend 25 bis 30 Personen in die Esila-Café-Lounge gestürmt waren und sie in Kleinholz verwandelt hatten. Auch der Besitzer ist nicht da. Er ist bei der Polizei und soll mithelfen, die wichtigste Frage zu klären: Wer steckt hinter dem Anschlag?

Im Umfeld des Cafés wird viel über das Ereignis gesprochen. Es ist die Rede davon, dass Männer mit Kutten den Laden am Sonntag verlassen hätten und in Autos verschwunden seien. Möglicherweise, heißt es von Zeugen, sollen es Mitglieder des sogenannten „Osmanen Germania Boxclubs“ gewesen sein, die Spielautomaten, Fernseher und Theke in der Hauptstraße zerstörten. Auch die Bochumer Staatsanwaltschaft spricht vorsichtig davon, dass es sich „möglicherweise“ um diese Gruppe handelte. Mehr Informationen verspricht man sich von der Aussage des Besitzers.

Besitzer soll nicht politisch aktiv gewesen sein

Bei den „Osmanen Germania“ handelt es sich um eine türkisch-nationalistische, rockerähnliche Bande – es soll sich um eine höchst politische Gruppe handeln, die aggressiv gegen Kurden und Anhänger der Gülen-Bewegung vorgeht. Der Besitzer der Esila-Café-Lounge soll Informationen unserer Zeitung zufolge Kurde, aber kein Gülen-Anhänger sein. Dass der Anschlag (Schaden: rund 40 000 Euro) einen anti-kurdischen Hintergrund haben könnte, gilt aber als eher unwahrscheinlich. Der Café-Betreiber sei nicht politisch aktiv, heißt es aus dem Umfeld.

In den Mittelpunkt dürfte insgesamt auch die Frage rücken, welche Rolle Rockerbanden in Witten spielen. Bekannt ist, dass die „Brothers MC“ (frei übersetzt Bruderschaft Motorcycle Club) in Witten eine Ortsgruppe gegründet haben. Damit war Witten bis zuletzt eine der wenigen Städte in NRW – neben Aachen, Köln und Velbert sowie der Region Ostwestfalen – in denen eine Ortsgruppe bekannt ist. Die „Brüder“ gelten als Auffangbecken für Mitglieder anderer Rockergangs, etwa der Hells Angels.

Prozess gegen Wittener eingestellt

Unterdessen musste sich am Dienstag ein mutmaßliches Mitglied der im Ruhrgebiet aktiven „Freeway Rider“, ein 46-jähriger Wittener, am Dienstag vor dem Bochumer Landgericht verantworten. Zusammen mit vier weiteren Männern aus Herne, Castrop-Rauxel und Gelsenkirchen wurde dem Mann vorgeworfen, im Mai 2014 eine Sportsbar in Bochum in Schutt und Asche gelegt zu haben: Mit Schlagstöcken, Baseballschlägern und Eisenstangen hätten sie Fenster, Spielautomaten und Möbelstücke zerstört, heißt es in der dünnen Anklage.

Bei dem Besitzer der Sportsbar soll es sich um einen Ex-Rocker des „MC Gremium“ handeln, der im Februar 2014 an einem Überfall auf die „Freeway Rider“ beteiligt war. Letztlich wurde das Verfahren am Dienstag vorläufig gegen Zahlung von je 600 Euro eingestellt. Wie es hieß, konnte den einzelnen (schweigenden) Angeklagten nur schwer eine Beteiligung an dem Anschlag nachgewiesen werden. Die Tat hätten auch fünf andere aus der Rockerbande begangen haben können, so ein Prozessbeteiligter.

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