Stadtgespräch zur Würde der Tiere

Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool
Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool

Witten.  Tiere haben eine Seele und kommen nach dem Tod in den Himmel: Mit seinen Thesen mischt Dr. Rainer Hagencord Öffentlichkeit und Kirche auf. Am 8. November stellt er sich bei den Wittener Stadtgesprächen der Diskussion.

Beim Pressegespräch laufen passenderweise gleich zwei ältere Vierbeiner durch das Johanniszentrum. Spike und Sheila haben die Ruhe weg angesichts der Thesen des katholischen Priesters und Biologen Hagencord, der einen neuen Umgang von Tier und Mensch fordert - und glaubt, dass die Annahme vom Menschen als Krone der Schöpfung ein Irrtum sei.

„Ich bin mit Hagencord, der ein Institut für theologische Zoologie in Münster gegründet hat, befreundet und finde seine Theorien unglaublich spannend“, so Pfarrer Bernd Neuser von der Stadtkirchenarbeit der Evangelischen Johannisgemeinde, die die Stadtgespräche mit veranstaltet.

Hagencord fordere, den biblischen Befund neu anzusehen. „Was wirklich in der Bibel steht, ist mit dem heutigen Umgang mit Tieren nicht vereinbar“, sagt Neuser mit Hinblick auch auf die Massentierhaltung. „Im 17. Jahrhundert begann man, die Tiere als Automaten zu betrachten. Das war der Sündenfall. Neue Forschungen belegen, wie eng wir mit den Tieren verwandt sind. Das erschreckt schon“, sagt er. Sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen, das sei aktuell die Aufgabe. „Da müssen Gesellschaft und Kirche ihre Hausaufgaben noch machen.“ Dass die Kirche die Bedeutung des Themas erkenne, sei daran abzulesen, dass „Hagencord auch schon auf der deutschen Bischofskonferenz vortragen durfte“, so Neuser.

Auch wenn das Thema exotisch klinge, so zeige es doch eine Lücke in der Theologie auf, meint Rolf Gärtner vom mitveranstaltenden Katholischen Bildungswerk Dekanat Hagen-Witten. „Wir müssen uns Gedanken machen. Vielleicht zeigt sich ja an Krankheiten wie BSE, Vogel- und Schweinegrippe, die auf die Menschen übergehen, dass die Natur sich rächt, wenn der Mensch sie ausbeutet oder falsch mit ihr umgeht. Wir müssen uns fragen, in wie weit die Theologie mit verantwortlich ist für den aktuellen Umgang mit Tieren.“ Und schließlich habe Gott den Menschen nicht an einem eigenen Tag erschaffen - „sondern am sechsten Tag zusammen mit den Landtieren“.

Neuser verweist auf die Bibelgeschichte um Bileam, einem Seher. Dessen Esel nimmt einen Engel vor ihm wahr. „Hier lernt der Mensch etwas vom Tier hinsichtlich der Gottesbeziehung.“

Trotz allen Nachdenkens: Dass z.B. Hunden Zutritt zum Gottesdienst oder in Kirchen gewährt wird, ist noch nicht in der Diskussion. Zum Stadtgespräch um 19 Uhr im Johanniszentrum, Bonhoefferstraße 10, werden auch viele Tierschützer erwartet.

Veranstalter der Stadtgespräche sind die Stadtkirchenarbeit der Ev. Johanniskirchengemeinde, die Evangelische Erwachsenenbildung Ennepe-Ruhr, das Katholische Bildungswerk im Dekanat Hagen-Witten. Es geht stets um aktuelle Themen wie Burn-out oder den mystischen Weg als Erfahrung des Göttlichen.

 
 

EURE FAVORITEN