Stadt Witten zahlte 10,3 Millionen Euro für Erziehungshilfe

Eine Beratung zur Erziehung. Auch immer mehr Wittener Eltern nehmen diese Angebote in Anspruch.Foto:dpa
Eine Beratung zur Erziehung. Auch immer mehr Wittener Eltern nehmen diese Angebote in Anspruch.Foto:dpa
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2014 musste die Stadt 10,3 Millionen Euro für die ambulante und stationäre Erziehungshilfe ausgeben. 800 000 Euro mehr als 2013. Tendenz steigend.

Witten..  10,3 Millionen Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr für die ambulante und stationäre Erziehungshilfe ausgegeben. Für Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien und Heimen, für ambulante erzieherische Hilfen, für familienunterstützende Maßnahmen. In diesem Jahr könnten diese Aufgaben für die Stadt noch teurer werden, sagt Klaus Schmidt, Abteilungsleiter für Erziehungshilfe im Jugendamt.

Dieses kümmert sich derzeit um rund 750 Kinder und Jugendliche in der Stadt . Die Zahl der Fälle, in denen das Amt tätig werden muss, steigt, betont Schmidt. Was sich auch in den Ausgaben dafür niederschlägt. 9,5 Millionen Euro kostete die Erziehungshilfe 2013 die Stadt, im vergangenen Jahr noch einmal 800 000 Euro mehr.

Von den rund 750 betreuten Kindern und Jugendlichen leben derzeit etwa 172 bei Pflegefamilien und 102 in einem Heim. Das Jugendamt wird nicht erst tätig, wenn das Kind in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist, sondern schon, „wenn das System Familie zu kippen droht“, so Schmidt. Wenn Eltern zugeben, überfordert zu sein, oder wenn dies anderen – Erziehern, Ärzten, Lehrern oder Nachbarn – auffällt. Auch, wenn Jugendliche beim Jugendamt um Hilfe bitten, weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten.

Was Klaus Schmidt und seinen Kollegen auffällt, ist eine steigende Zahl von Müttern und Vätern, die ihrer Erziehungspflicht nicht, wie notwendig, nachkommt. „Außerdem sehen wir eine deutliche Zunahme von psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Eltern.“

Die Ursachen hierfür seien auch in gesellschaftlichen Veränderungen zu suchen. Wie dem Umstand, dass heute viele Jungen und Mädchen aus Scheidungs- oder Trennungsfamilien stammen oder bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen. Jugendhilfe-Leistungen würden von Betroffenen außerdem auch stärker als früher als eine Leistung wahrgenommen, auf die man Anspruch habe. „Und nicht zuletzt ist die Öffentlichkeit durch die mediale Berichterstattung sehr sensibilisiert, wenn es um Kindesschutz und Kindeswohl geht.“

„Erziehungsprobleme gibt es auch in Mittelstandsfamilien“

Der Unterstützungsbedarf könne auch durch weitere Migranten steigen, die nach Witten kommen. „Man denke an Menschen, die Traumatisches erlebt haben. Städte wie Dortmund und Duisburg sind da schon lange gefordert, auch was die Themen Kindergarten und Schule angeht.“

Schmidt betont, dass Erziehungshilfe in rund drei Vierteln der Fälle Menschen in sozial schwierigen Verhältnissen zugute komme. „Aber: Erziehungsprobleme haben nicht ursächlich mit Geld zu tun, die gibt es auch in Mittelstandsfamilien.“

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