Stadt bereitet Haushaltspläne übersichtlich auf

Viele Zahlen, aber zu verstehen für jedermann: Projektplanerin Astrid Raith und Kämmerer Matthias Kleinschmidt stellen den „Offenen Haushalt“ vor.
Viele Zahlen, aber zu verstehen für jedermann: Projektplanerin Astrid Raith und Kämmerer Matthias Kleinschmidt stellen den „Offenen Haushalt“ vor.
Foto: Funke Foto Services
Stadt will nach und nach Informationen übersichtlich im Netz veröffentlichen. Anfang macht der Haushalt. Kämmerer: „Herrschaft über Daten aufgeben“

Witten.  Schluss mit kompliziertem Zahlen- und Textsalat: Die Stadt will Daten, die ohnehin schon frei zugänglich sind, nach und nach der Öffentlichkeit zu Verfügung stellen – übersichtlich und einfach aufbereitet. Den Anfang macht der städtische Haushalt, den seit Montag jeder mit einigen Klicks im Internet „durchblättern“ und studieren kann.

Mit diesem „Kulturwandel“, wie man das Projekt „Open Data“ im Rathaus bezeichnet, gebe man die „Herrschaft über die Daten“ auf, sagt Kämmerer Matthias Kleinschmidt. Bislang habe die Stadt Haushaltszahlen „altmodisch“ per CD oder als Text im Internet zur Verfügung gestellt. Und das mit einer „städtischen Interpretation“, also einer vorgegebenen Sicht auf die Daten in Form von Text und Grafiken. Vor allem aber war das alles so kompliziert, dass sich kaum jemand durch die Seiten durchkämpfen wollte oder konnte.

Zahlensalat sollen auch Jugendliche verstehen

Damit soll nun Schluss sein. Wer den neuen, übersichtlich aufbereiteten Haushalt im Internet aufruft, entdeckt zunächst einige bunte quadratische Felder, die für die Haushaltsposten und die Unterpositionen stehen. Wer sich zum Beispiel für die Ausgaben der Stadt interessiert, kann etwa die Bereiche „Soziale Leistungen“ oder „Sicherheit und Ordnung“ durchstöbern. Hinter letzterem Quadrate verbirgt sich beispielsweise der Posten „Rettungsdienst“, der mit 1,3 Millionen Euro verbucht ist.

„Die so aufbereiteten Daten sollen auch Jugendliche verstehen können, die sich damit in der Schule beschäftigen“, erklärt Astrid Raith, die städtische Beauftragte für „e-governance“, also alles rund ums elektronische Rathaus. Erklärungen oder Zusammenfassungen zu den Ein- und Ausgaben der Stadt sucht man aber vergeblich: Der „Offene Haushalt“ – der erste seiner Art in der Umgebung – ist ein reines Zahlenwerk.

Nach und nach weitere Daten aufbereitet

„Nur reinzugucken, das löst noch kein Problem. Aber die Leute können sich mit dem Haushalt intensiver beschäftigen“, ist Kämmerer Matthias Kleinschmidt überzeugt. Die Daten könnten etwa von jemandem genutzt werden, der eine Doktorarbeit schreibt oder das Material weiter für die Öffentlichkeit aufbereiten will. Oder sich schlicht für die Ein- und Ausgaben seiner Stadt interessiert und Einsparideen einbringt. „Auch die Ratsfraktionen können die Haushalte nun leichter analysieren.“

Der „Offene Haushalt“, der die Zahlen für die Jahre 2008 bis 2015 enthält, soll bloß ein Einstieg sein. „Nicht besonders geschützte Informationen wollen wir zeitnah nach und nach als offene Daten zur Verfügung stellen“, kündigt Kleinschmidt an. Im Gespräch sind etwa Bevölkerungsstatistiken. „Denkbar wäre auch, Ratsbeschlüsse aufzubereiten“, sagt EDV-Leiter Andreas Hasenberg. „Dann könnte jeder für seinen Stadtteil nachsehen, ob es schon mal einen Versuch gab, die Straße umzubauen.“

 
 

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