Spurensucher aus Oman

Der Wittener Geologe Gösta Hoffmann betreut eine Gruppe arabischer Studenten aus Oman bei Exkursionen im Revier, hier im Geologischen Garten Bochum.
Der Wittener Geologe Gösta Hoffmann betreut eine Gruppe arabischer Studenten aus Oman bei Exkursionen im Revier, hier im Geologischen Garten Bochum.
Foto: WAZ FotoPool
Geologe Dr. Gösta Hoffmann, der in Witten aufwuchs und derzeit an einer Uni in Oman arbeitet, besucht gerade mit einer Gruppe arabischer Studenten seine Heimatstadt und den Rest des Reviers.

Witten.. „Auf Kohle geboren“ steht auf seinem schwarzen T-Shirt. Und tatsächlich kehrt Dr. Gösta Hoffmann (38) zwei Mal im Jahr zu seinen Wurzeln zurück: an Weihnachten und jetzt im Sommer. Der Geologe wurde in Bochum geboren, wuchs in Witten auf und lebt mit seiner Familie in Oman. Dort arbeitet er an einer deutschen Universität. Mit 15 seiner arabischen Studenten ist er gerade auf Spurensuche im Revier.

Die Gruppe nächtigt in Haus Hohenstein. Von dort aus haben die jungen Leute natürlich schon die Wiege des Bergbaus erkundet, waren auf der Zeche Nachtigall und im Muttental. Heute spazieren sie durch den Geologischen Garten in Bochum. „Das ist fantastisch hier“, sagt Hoffmann, der mit ihnen gerade vor einem Gesteinspaket steht, an dem er etwas über Schichtung und Klüftung erklärt. Die Studenten schreiben eifrig mit.

Angenehme Temperaturen und freundliche Menschen

Nachmittags werden sie das Bergbaumuseum besuchen. An den folgenden Tagen geht es dann zur Essener Zeche Zollverein, zum Bottroper Tetraeder sowie zum Gasometer und zum Centro nach Oberhausen. Ihre ersten Eindrücke schildern die jungen Leute, von denen die meisten noch nie in Deutschland waren, durchweg positiv: „Es gibt so viel Grün hier“, sagt Ahmed (21). Saleh (22) ergänzt: „Die Temperaturen sind angenehm und die Menschen so freundlich.“

Während dieser Woche voller Exkursionen lernen die Studenten aber nicht nur geologische Aspekte des Ruhrgebiets kennen. Sie erleben hautnah den Strukturwandel, den auch ihr Staat gerade durchmacht, wie Hoffmann erklärt. Oman sei abhängig von Öl und Gas – Ressourcen, die langsam zur Neige gehen, so dass sich die Wirtschaft umorientieren müsse. „Die Studenten verkörpern die nächste Generation und ich zeige ihnen hier, wie sowas geht.“

Im Gestein „lesen wie in einem Buch“

Was er ihnen noch gezeigt hat: wie Deutsche hier so wohnen. Die gesamte Truppe war deshalb bei Hoffmanns Eltern in Vormholz zu Gast. Hier, so nah am Wald, hat er seine Jugend verbracht. Hoffmann machte sein Abi am Ruhrgymnasium und ging nach dem Zivildienst zum Studium nach Greifswald. Für die Geologie entschied er sich, „weil sie die Entwicklung unseres Planeten über Jahrmillionen beschreibt und weil man am schnöden Gestein lesen kann wie in einem Buch“. Inzwischen ist sein Schwerpunkt die Küstenforschung. Als wissenschaftlicher Berater eines Unesco-Teams hilft er dabei, ein Tsunami-Frühwarnsystem zu entwickeln.

Über die Uni in Aachen kam Gösta Hoffmann nach Oman, wo er seit vier Jahren am Aufbau einer technischen Universität nach deutschem Standard mitarbeitet. Seine Frau Anne Zacke (36) ist ebenfalls Geologin. Seine Kinder Mathea (fast 3) und Jorin (1) wurden im Wüstenstaat geboren. „Es ist ein tolerantes Land“, sagt Hoffmann. Zum Beispiel müsse sich seine Frau nicht verschleiern. Und weil es eine große deutsche Gemeinschaft gebe, „fühlt man sich auch nicht so in der Fremde“.

 
 

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