Spender für die Orgel fühlen sich betrogen

Hartmut Illian war der letzte Musiker an der Orgel der Luthergemeinde.
Hartmut Illian war der letzte Musiker an der Orgel der Luthergemeinde.
Foto: Daniel Wildraut
Alte Mitglieder der Luthergemeinde nennen Verkauf des Instruments nach Italien „rücksichtslos und unverfroren“. Niemand habe mit ihnen gesprochen. Pfarrer Schuklat spricht von einem „neuen musikalischen Profil“ der Gemeinde.

Witten..  Herzlos, unverfroren, unfassbar: Uwe Rausch findet viele Worte für den Verkauf der Orgel der ev. Martin-Luther-Gemeinde. Nur Verständnis dafür findet er nicht, dass das Instrument, für das er vor über 30 Jahren gespendet hat, nun für 55 000 Euro nach Italien verkauft wurde. „Ohne Rücksicht auf die Gefühle und das Geld der Väter“ habe die Gemeindeleitung den Verkauf eingefädelt, klagt der 71-Jährige – und „alles klammheimlich über die Bühne gebracht“. Ein Vorwurf, dem Pfarrer Dirk Schuklat vehement widerspricht.

1982 war die Orgel angeschafft worden, finanziert mit Hilfe einer Spendenaktion. Über 200 000 Mark habe das Instrument der Firma Steinmann damals gekostet, erinnert sich Rausch, der zwölf Jahre Kirchmeister – also so etwas wie der Kassenwart – der Gemeinde war. Für 100 Mark konnte man einen „Orgelbaustein“ kaufen. Doch viele Gemeindeglieder hätten mehr gespendet, „bei vielen ging es in die Tausende“. Einige von denen, die damals gezahlt hätten, seien nun sehr betroffen, dass das Schmuckstück einfach verkauft wurde. „Wir fühlen uns betrogen, am liebsten würden wir unser Geld zurückfordern.“

Offen und transparent

Klammheimlich? Davon könne nicht die Rede sein, versichert Pastor Schuklat: Bereits 2008 sei der Beschluss des Presbyteriums gefasst, 2012 erneuert worden. In Mitteilungen an Gemeindeglieder und Mitarbeiter sei die Entscheidung verbreitet worden, „alles offen und transparent“. Superintendent und Landeskirche hätten zugestimmt. Dann sei ein Orgelmakler mit dem Verkauf betraut worden. „Wir haben die Orgel nicht verramscht – der Erlös wird der Kirchenmusik zugute kommen.“

Aber warum musste sie überhaupt verkauft werden? „Wir waren nie eine Orgelkirche“, erklärt Schuklat. Das gebe die Akustik des Raums einfach nicht her. Zudem habe die Gemeinde ein anderes Profil entwickelt – hin zu Popmusik und Gospel. Die Orgel sei schon lange nur noch ein Instrument unter vielen, sie gebe hier nun einmal nicht mehr den Ton an. Nur etwa einmal im Monat noch sei sie im Einsatz gewesen, einen bezahlten Kirchenmusiker gebe es dafür auch schon lange nicht mehr, die Wartungskosten seien hoch.

Für eine digitale Lösung

All dem habe man mit dem Verkauf nun Rechnung getragen, erklärt Schuklat und zitiert eine Forderung des Ex-Superintendenten Voswinkel: „Wir brauchen eine Vielfalt an Gemeindeprofilen.“ Es müsse Orgelkirchen geben – aber auch andere. Sicher sei aber auch: Die Gemeinde wolle weder Choral noch Orgelklang aus der Kirche werfen. „Aber wir wollen eine digitale Lösung. Und die Gemeindeglieder haben das auch schon lange gewusst – jedenfalls die, die hier im Gottesdienst auftauchen.“

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