Sitzbank auf Zeit lockt viele Powärmer in Witten an

Thomas Borowski
Da spielt die Kälte keine Rolle mehr: „Hot Stuff“, die selbstgemauerte, heizbare Sitzbank auf der unteren Bahnhofstraße vor dem ehemaligen „Donare“-Laden wurde viel genutzt. Hier sitzt Lisa Maria Weber darauf. Am Sonntag musste die Bank wieder abgerissen werden –  zum Bedauern zahlreicher Bürger.
Da spielt die Kälte keine Rolle mehr: „Hot Stuff“, die selbstgemauerte, heizbare Sitzbank auf der unteren Bahnhofstraße vor dem ehemaligen „Donare“-Laden wurde viel genutzt. Hier sitzt Lisa Maria Weber darauf. Am Sonntag musste die Bank wieder abgerissen werden – zum Bedauern zahlreicher Bürger.
Foto: Walter Fischer
Es ist eine originelle Idee zur Stadtgestaltung: Die „Hot Stuff“-Bank wärmt nicht nur den Po, sie ist auch Kontaktstelle. Sie durfte nur kurz stehen.

Witten.  Wittens erstes Outdoor-Wohnzimmer auf Zeit war ein voller Erfolg. Die heiße Bank auf dem Breddeplatz in der unteren Bahnhofstraße war am Wochenende (26./27. 11.) gut besucht.

Immer wieder nahmen Bürger Platz und testeten das Angebot, sich den Po zu wärmen. „Das ist eine Superidee“, schwärmt Wittenerin Antje Gräfe. „Bedauerlich finde ich aber, dass die Bank nur für einen Tag stehen durfte. Als Dauereinrichtung wäre sie wünschenswert.“

„Für uns war der Bau dieser gemauerten Bank auch ein Test, ob alles funktioniert“, erläutert Architektin Mascha Fehse aus Berlin. Das Projekt der Urban School Ruhr basiert auf einem Workshop, der zuvor an Ort und Stelle im ehemaligen Ladenlokal „Donare“ stattfand. Die Technik für den Bau dieses Holzofens stammt aus den 1970er Jahren und aus den USA.

„Unseres Wissens nach wurde damit jetzt erstmals in Deutschland eine beheizte Außenbank gebaut“, betont Mascha Fehse. Die Wärme in dem so genannten Raketenofen wird so geleitet, dass nur wenig Brennstoff verbraucht wird. Das Feuer wird im Kamin verbrannt, aufsteigende Wärme durch Kanäle unter die Sitzfläche geleitet.

Bank aus Klinkersteinen und Betonplatten innerhalb einer Woche gemauert

Die Bank hat einen weiteren Vorteil. „Viele kommen nur zum Einkaufen in die Innenstadt und laufen dann weiter. Wir wollen einen öffentlichen Raum gestalten, an dem die Menschen miteinander in Kontakt kommen“, betont Mascha Fehse. Die Teilnehmer des „Hot Stuff“-Workshops hatten aus Klinkersteinen und Betonplatten die heiße Bank innerhalb einer Woche selbst gemauert. Geleitet wurde das Projekt vom 29-jährigen Schweizer Architekten Sébastien Tripot.

Ein Maurer aus Herbede, der zufällig vorbeikam, gab ihnen fachkundige Tipps für den Bau. Ein Kaminbauer hingegen äußerte anfangs Skepsis, ob dieser Ofen, der eine Steinbank beheizt, auch wirklich funktionieren würde. „Die Idee ist gut, aber wollte man eine solche Bank in Witten dauerhaft aufstellen, wäre das sehr aufwändig. Schließlich muss jemand die beheizte Bank warten und regelmäßig Holz nachlegen“, gibt ein Bürger zu bedenken. Künstlerin Valentina Karga aus Griechenland dankte allen Mitarbeitern für ihr Engagement. „Dieses faszinierende Beispiel ist ein Vorbild für solche Projekte der alternativen Stadtgestaltung“, betonte sie. „Wir hoffen, dass die Stadt einsteigt und diese Installation dauerhaft an einem Standort ermöglicht.“

Kaminbauer Klaus Börner aus Hattingen begleitete die Aktion. „Das Prinzip dieses Ofens ist bekannt. Ich wollte sehen, ob es wirklich funktioniert. Bemerkenswert ist, dass mit dieser Technik weniger Feuerholz verbraucht wird“, hob er hervor. Zur Einweihung und zum Probesitzen auf der beheizten Bank hatte die Urban School am Samstag ab 17 Uhr eingeladen. Umrahmt wurde das kleine Fest von zwei Musikern mit Geige und Schifferklavier, außerdem gab es Baguette mit Dips sowie heißen Glühwein.

„Die gesamte Bank wurde von uns übrigens mit Tonfugen gemauert. Die sollen auswaschbar sein, sodass der Abbau relativ einfach vonstatten geht“, erläuterte Mascha Fehse. Am Sonntag bauten die Teilnehmer die Bank ab – zum Bedauern zahlreicher Passanten.