Sie öffneten ihr Heim für Ausgebombte und Verfolgte

Familie Mühlhaus: Siegmund, Käthe und Willy Mühlhaus (v. links) um 1938
Familie Mühlhaus: Siegmund, Käthe und Willy Mühlhaus (v. links) um 1938
Foto: Stadtarchiv Witten
Käthe und Willy Mühlhaus wohnten im Herbst 1944 im Wittener Gederbachweg 45 und begannen zu dieser Zeit, Verfolgte und Heimatlose bei sich aufzunehmen.

Käthe und Willy Mühlhaus wohnten im Herbst 1944 im Wittener Gederbachweg 45 und begannen zu dieser Zeit, Verfolgte und Heimatlose bei sich aufzunehmen.

Zuerst zog die ausgebombte Thea Sternfeld bei Familie Mühlhaus ein. Im November 1944 desertierte der 18-jähriger Sohn Siegmund, der als Soldat eingezogen worden war. Seine Eltern versteckten ihn.

Im Winter 1944/45 brachte ein Freund die Jüdin Erna Malkowsky nach Witten. Auch sie fand bei Familie Mühlhaus einen Unterschlumpf. Zeitweilig kam noch ihr ebenfalls verfolgter Ehemann Otto dazu.

Doch ausgerechnet Thea Sternfeld, die als erste Unterschlupf gefunden hatte, verriet die Mühlhaus. Am 3. April 1945 denunzierte sie als erstes Willy Mühlhaus. Sie behauptete, sie wolle den anrückenden Amerikanern, die schon bei Langendreer standen, Listen über Wittens führende Nazigrößen übergeben. Doch nicht die Amerikaner, sondern die Nazis standen kurz darauf vor der Tür. Willy Mühlhaus wurde verhaftet. Am 4. April erschoss ihn im Borbachtal der SA-Mann Franz Birkenbach. Seine Ehefrau Käthe Mühlhaus wurde neben ihrem toten Mann körperlich misshandelt, doch zunächst wieder frei gelassen.

Am 6. April denunzierte Thea Sternfeld auch Siegmund Mühlhaus als Deserteur sowie seine Mutter Käthe als Mitwisserin und als die Frau, die eine Jüdin versteckt hielt. Siegmund, seine Mutter und Erna Malkowsky wurden verhaftet, Siegmund noch in der Nacht im Salinger Feld von NSDAP-Ortsgruppenleiter Dr. Walter Voß erschossen. Die beiden Frauen wurden mit dem Tode bedroht. Doch mit viel Glück gelang ihnen die Flucht. Beide überlebten.

Nach der Befreiung verurteilte das Landgericht Bochum den SA-Mann Franz Birkenbach zum Tode. Er starb in der Haft. NSDAP-Ortsgruppenleiter Walter Voß wurde ebenfalls zum Tode verurteilt, dann aber zu Haft begnadigt und nach fünf Jahren entlassen. Er praktizierte noch jahrelang als Hausarzt in Annen.

 
 

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