Sehnsucht nach Witten bleibt

Obwohl Studentin Verena Löffler sich am Bodensee wohlfühlt, vermisst sie ihre Heimat Witten doch. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
Obwohl Studentin Verena Löffler sich am Bodensee wohlfühlt, vermisst sie ihre Heimat Witten doch. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool
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Witten.. Vom Ruhrgebiet an den Bodensee - ein gewagter Schritt voller Veränderungen. Für ihr Studium schlug die Wittenerin Verena Löffler diesen Weg ein. Die Studentin bereut nichts, vermisst ihre Heimat aber dennoch sehr.

Von ihrer Wohnung in Friedrichshafen hat sie direkten Blick auf den Bodensee. Zumindest wenn sie sich ein wenig aus dem Fenster lehnt. Vor sechs Monaten kehrte Verena Löffler dem Ruhrgebiet und ihrer Heimat Witten den Rücken. Die Panik war groß. „Ich wusste nicht, ob ich Freunde finde, wie die Leute überhaupt drauf sind und es ist auch einfach verdammt weit weg“, erzählt die 20-Jährige. Das erste Wochenende sei besonders schlimm gewesen. Das Heimweh schlug zu. Da fragte sich die Studentin schon, ob der Schritt richtig war. „Das ist am Anfang aber normal. Und nach einigen Tagen fand ich Anschluss und es legte sich relativ flott.“

Der Campus der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, an der Verena Kommunikation und Kultur im ersten Semester studiert, liegt 50 Meter vom See entfernt. Außerdem habe Friedrichshafen ein schönes Stadtbild. „Für mich ist das eine deutliche Steigerung. Obwohl die meisten Studenten das eher anders sehen. Aber Witten ist echt nicht so schön anzusehen“, erklärt die 20-Jährige. Prinzipiell vermisst sie Witten sehr. Besonders ihre Handballmannschaft. Denn in Friedrichshafen gründete Verena zwar eine Unimannschaft, aber es sei nicht das Gleiche. „Man wächst innerhalb einer Mannschaft einfach unglaublich zusammen. Und die Mädels fehlen mir wirklich sehr. Dieser Zusammenhalt ist hier jetzt noch nicht da.“ Deshalb nutzte Verena die Chance, mit ihrer alten Handballmannschaft noch einmal in den Urlaub zu fliegen - und das mitten in der Klausurphase. „Das wollte ich mir aber einfach nicht nehmen lassen. Und die Prüfungen sind zu dem Zeitpunkt fast alle geschrieben.“

Die Handballerin arbeitete in Witten in einem Kinderheim. Den Umgang mit den Kleinen vermisst Verena sehr, obwohl sie in Friedrichshafen am studentischen Kulturfestival mitarbeitet und dort für Jugendliche einen Kurs „Interaktive Märchen“ gestaltet. „Es ist einfach ein Unterschied, ob ich mit Kindern oder Jugendlichen arbeite. Und die Kleinen sind schon etwas Besonderes.“

Der Kontakt nach Hause ist nach wie vor sehr gut. Nicht nur zur Familie, sondern auch zu allen zurückgelassenen Freunden. Ostern war Verena einige Tage in Witten und nutzte die Zeit, ihre Freundinnen wiederzusehen. Ein nicht so leichtes Unterfangen, schließlich leben viele von ihnen ebenfalls nicht mehr in der Stadt. Ein weiterer Grund für die Auswanderung. „In Witten hat mich vor allem mein enger Freundeskreis und meine Familie gehalten. Als fast alle Mädels Witten verließen, fiel es mir nicht so schwer, meiner Heimat den Rücken zu kehren.“ Kurz nach dem Besuch zu Hause flammte das Heimweh erneut auf. Durch die Arbeit an der Universität vergaß die 20-Jährige es aber schnell.

In ihrer Fünfer-Wohngemeinschaft hat sich Verena ein neues Leben eingerichtet. Den Schritt in das 600 Kilometer entfernte Friedrichshafen bereut sie nicht. Die Sehnsucht in die Heimat bleibt aber groß. „Eigentlich sollte es ein Probesemester sein. Aber ich fühle mich hier so wohl, dass ich bleiben werde. Der Bodensee entschädigt mich für jedes Heimweh.“ Nach Witten kann Verena Löffler immer zurück. Zur Zeit steht das aber nicht auf ihrem Plan.

 

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