Schon 170 Freifunk-Anschlüsse in Witten

Zeigt her eure Router: Die Wittener Freifunker mit ihren Geräten beim regelmäßigen Treffen im Ratskeller.
Zeigt her eure Router: Die Wittener Freifunker mit ihren Geräten beim regelmäßigen Treffen im Ratskeller.
Foto: Fischer
Die Vorkämpfer der Initiative sind überrascht von der großer Nachfrage. Bis Ende des Jahres werden 300 Teilnehmer erwartet.

Witten..  „Freifunk“ heißt das Zauberwort für kostenlosen, unverschlüsselten Internetzugang. „Schon 170 Freifunkrouter stehen im Stadtgebiet. Bis Ende des Jahres könnten es 300 werden. Wir sind vom Erfolg der Initiative selbst überrascht worden“, meinen die Wittener Freifunk-Vorkämpfer Guido Brüggemann (50) und Stefan Borggraefe (39).

Zur Verbreitung von Freifunk braucht man einen handelsüblichen, ab 15 Euro kostenden Router, wie man ihn als taschenbuchgroßes Netzwerkgerät für die „normale“ Internetanbindung kennt. Darauf wird dann die Freifunk-Software aufgespielt. Wie’s geht, erfährt man zum Beispiel unter freifunk-witten.de.

Ist man mit seinem Handy in der Nähe eines solchen Routers, so kann man sich über das Netzwerk unter dem Stichwort: „Freifunk“ einwählen. Die Nutzung des Internets ist damit kostenfrei. Das Casa Cuba am Markt, das Knuts, Klimbim oder der „Raum“ im Wiesenviertel verfügen beispielsweise über solche Freifunk-Router, ebenso wie das Rathaus sowie in Annen das Rockland Tattoo-Studio oder der Athen-Grill. „Und bei uns in der Wache gibt es inzwischen acht solcher Geräte durch Privatinitiative“, erzählt Feuerwehrmann Guido Brüggemann. Wo sich weitere dieser 170 Anschlüsse im Stadtgebiet fänden, könne man auch über eine Freifunk-App sehen. „Wir haben seit einem Jahr Freifunk. Es wird gut genutzt. Weniger von den Schülern als von den etwas älteren Besuchern“, heißt es aus der Kneipe Casa Cuba am Markt.

Um eine flächendeckende Dichte an Freifunk-Verbindungen zu erzielen, könne man ganze „Wolken“ bilden, erklären die beiden Experten: „Man muss dazu selbst keinen Internet-Anschluss haben, sich aber in Reichweite eines Freifunk-Routers befinden, sich dann selbst einen kaufen und die beiden verbinden. So entsteht eine Freifunk-Wolke.“ In der Weihnachtsmarktzeit wurde auf diese Weise der Marktplatz besser versorgt: Weitere Router wurden an den Ständen und der Eisenbahn aufgestellt, die nur mit Strom versorgt wurden und so die Freifunk-Wolke am Rathaus vergrößert haben.

Treffen jeden dritten Donnerstag im Monat im Ratskeller

Weil in der letzten Zeit so schnell so viele Anschlüsse eingerichtet worden seien und sich so viele Nutzer eingeloggt hätten, sei die Verbindung langsamer geworden. Um die Schnelligkeit wieder zu erhöhen, sei das Freifunk-Netz in Unternetze geteilt worden. Nun gibt es ein Unternetz nur für Wittener Freifunk-Router. „Bis zu 500 können sich da nun einklinken“, schätzt Software-Entwickler Borggraefe. Dann müsse es erneut geteilt werden.

Die beiden Freifunk-Vorkämpfer meinen auch: „Die Möglichkeit, Informationen zu bekommen, sollte ein Grundrecht sein. Das Internet für alle, unzensiert und unüberwacht, ist eine wichtige Grundlage unserer Demokratie. Nicht zu vergessen ist auch der soziale Aspekt.“

Deshalb sei Freifunk auch in den Wittener Flüchtlingsunterkünften, neuerdings selbst in der Jahnhalle, präsent: „Flüchtlinge möchten möglichst schnell Kontakt zu ihren Familien daheim aufnehmen. Aber sie haben selten einen DSL-Anschluss oder einen Handy-Vertrag mit ausreichendem Daten-Volumen. Da bietet sich Freifunk geradezu an.“

Noch sind die Wittener Freifunker dem Freifunkverein Rheinland in Neuss angeschlossen. Aber ein lokaler Ableger steht kurz vor der Gründung. Beim nächsten Treffen am Donnerstag, 20. August, um 19 Uhr im Ratskeller soll über die eigene Satzung diskutiert werden.

Die Wittener Freifunker, etwa 30 Aktive, treffen sich an jedem dritten Donnerstag im Monat im Ratskeller. Gäste willkommen.

 

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