Schauspielfans suchen in Witten „Nachtasyl“

Raimonda Maraviglia und Anna Bocchino aus Neapel spielten ein Stück mit sperrigem Titel: „Ultimo primo giorno di Re Ferdinando VIII e la fragilitá della luna di cartapesta“. Eine Übersetzung der Dialoge wurde per Beamer eingeblendet.
Raimonda Maraviglia und Anna Bocchino aus Neapel spielten ein Stück mit sperrigem Titel: „Ultimo primo giorno di Re Ferdinando VIII e la fragilitá della luna di cartapesta“. Eine Übersetzung der Dialoge wurde per Beamer eingeblendet.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Die fünfte Ausgabe des Off-Theater-Festivals überzeugte mit herausragenden Künstlern. Sie boten minimalistische, aber mitreißende Inszenierungen

Witten..  Rund um das Wiesenviertel konnten Schauspielfans am Samstag „Nachtasyl“ vor dem nassen Novemberwetter finden. Das gleichnamige Off-Theater-Festival bot liebevoll inszenierte Stücke, für die sich der Gang durch die Kälte mehr als lohnte. Bei der diesjährigen Ausgabe waren erstmals Schauspieler und Regisseure aus Neapel zu Gast, die zum Teil sogar stehende Ovationen bekamen.

Pietro Tammaro etwa hatte sie sich redlich verdient. Auch wenn die meisten Zuschauer in dem leerstehenden Ladenlokal am Hinterhof des Boecker-Hauses ihm nur Dank der eingeblendeten Übersetzung folgen konnten: bei seinem Stück „Il mio amico D.“ sprang der Funke sofort über. Mit ganzem Körpereinsatz – da darf bei Italienern natürlich die Gestikulation nicht fehlen – beschrieb er aus Sicht eines armen Jugendlichen im Neapel der 80er die Liebe zum Fußball und zum Halbgott Diego Maradona.

Trotz der nur wenigen Requisiten auf der improvisierten Bühne vermochte es Pietro Tammaro, das Lebensgefühl der Zeit, die Strukturen der Nachbarschaft und die leidenschaftliche Hingabe der Kinder zu dem gar nicht so schlanken, dafür aber umso agileren Lockenkopf Diego aufleben zu lassen. Großartig! Nicht nur für Fußballfans. Auch wenn die beim weiteren Gastspiel in der Kneipe Klimbim natürlich in der Überzahl waren.

Aus Mangel an leerstehenden Ladenlokalen – wie berichtet wollten nur wenige Besitzer an die Kulturinitiative vermieten – waren diesmal vor allem die zum Stellwerk gehörenden oder mit ihm kooperierenden Einrichtungen in der Nachbarschaft der Wiesenstraße vertreten: Auf der Studiobühne im Knut’s traten Studenten der Kölner Schauspielschule „Der Keller“ auf. Und das neue Stellwerk-Quartier im Hinterhof an der Steinstraße bot mit der Installation „Tunnel of Love“ vom „cobratheater.cobra“ ein Labyrinth aus schmalen Papp-Schächten. Auf allen Vieren konnten Besucher – jene ohne Platzangst – durch den dunklen Liebestunnel kriechen und sich zwischen Krabbelspaß und Verlorensein neu kennenlernen.

Ach, wie schön war nach der bedrückenden Enge doch die Freiheit der Nacht draußen auf der Straße. Ein weiterer kostenloser Glühwein am Infostand gegenüber vom Knut’s erweckte wieder die Lebensgeister. Das nächste „Asyl“ war einmal mehr die Warenannahme der Stadtgalerie. Hier ging es zur pantomimischen Reise mit der Zeitmaschine: Als verrückter Wissenschaftler besteigt Elias Liermann sie auf der Suche nach dem unendlichen Leben.

Ob als Zeitungsjunge im New York der 20er, als Hitlers Barkeeper 1945 oder als zugedröhnter Maler im Paris der 60er: Humor kommt bei Liermann ohne Worte aus. Beeindruckend war vor allem, wie präzise er die Bewegungen zu den eingespielten Geräuscheffekten vom Band einsetzte. Kein Wunder, dass das Publikum nach über einer Stunde noch eine Zugabe forderte.

Dank der ausgezeichneten Künstler war das fünfte Nachtasyl trotz Regen und Kälte ein voller Erfolg.

 
 

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