Schauspieler-Duo begeistert im Wittener Saalbau

„Der letzte Vorhang" mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns im Saalbau Witten.
„Der letzte Vorhang" mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns im Saalbau Witten.
Foto: FUNKE Foto Services
In jeder Minute fesselnd: Die beeindruckende Inszenierung des Stückes „Der letzte Vorhang“mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns.

Witten..  Es war sicher dem Prominentenstatus der Schauspieler geschuldet, dass der große Theatersaal fast bis auf den letzten Platz besetzt war. Suzanne von Borsody und Guntbert Warns erfüllten als Darsteller des Zwei-Personen-Stückes „Der letzte Vorhang“ dann auch alle Erwartungen des Publikums.

Inhaltlich erscheint das Schauspiel der Autorin Maria Goos zunächst überschaubar: Die Schauspieler Lies und Richard, einst gemeinsam erfolgreich und durch eine kurze und heftige Liebschaft verbunden, treffen nach vielen Jahren wieder aufeinander. Lies, die inzwischen ein luxuriöses Leben mit ihrem Ehemann Wouter in Südfrankreich führt, kehrt kurzfristig zurück, um als Partnerin für Richard einzuspringen. Denn alle anderen verfügbaren Schauspielerinnen haben es nicht mit dem schwierigen Mimen ausgehalten.

Spärliches Bühnenbild

Gemeinsam proben sie nun für das Stück, mit dem ihre gemeinsame Karriere begann. Alte und neue Gefühle und Konflikte brechen auf, Erinnerungen, Illusionen und vermeintlich neue Perspektiven.

All das spielt sich in einem äußerst spärlichen Bühnenbild ab: Nicht mehr als ein Tisch mit alkoholischen Getränken und ein großes Lesesofa braucht es, um die Zuschauer mitzunehmen in unterschiedliche Zeitebenen. Oft nur durch einen kurzen Satz eingeleitet springt man zwischen Gegenwart und näherer und fernerer Vergangenheit. Mühelos spielen Suzanne von Borsody und Guntbert Warns nicht nur ihre eigenen Rollen in allen Zeitebenen – sondern auch weitere Personen.

Gnadenlose Parodie

Guntbert Warns verkörpert den selbstverliebten und moralisierenden Schauspieler Richard, der auch nach 20 Jahren noch über die Lande tingelt, unmittelbar und unglaublich intensiv. Er verklärt seine Alkoholsucht als Zugehörigkeit zur Spezies der „noctiflorae“. Dennoch scheint immer wieder seine eigene Verletzlichkeit und die Angst vor dem Alleisein durch.

Bösartig brillant und gnadenlos parodiert er Lies‘ Ehemann Wouter, mit dem Ziel, ihn ihr zu entfremden. Doch letzten Endes entlarvt er nur sich selbst in seinem Bedürfnis, Lies zu kontrollieren: Als sie bereit ist, bei ihm zu bleiben, lässt er sie erneut allein.

Lies hat es damals geschafft, sich vom destruktiven Einfluss des Partners zu lösen. Sie sieht die Schauspielerei pragmatisch („dressierte Affen“) und hat mit der Ehe mit Wouter das kleine, aber verlässliche Glück gesucht. Suzanne von Borsody spielt die innere Zerrissenheit, das Aufkeimen neuer Hoffnung und die letztendliche Kapitulation der Lies sehr berührend.

Der vermeintliche Rubens, den Kunstsammler Wouter zu finden geglaubt hat, bildet ein subtiles Leitmotiv: Was ist echt und was unecht? Und wer und was entscheidet darüber? Und wenn am Ende des Stückes Wouter, der bisher nur als hässliche Karikatur eine Rolle spielte, in seiner Echtheit und aufrichtigen Zärtlichkeit auftritt, schließt sich der Kreis.

Großartige Unterhaltung mit Tiefgang. Zu Recht gab es am Ende begeisterten Applaus und stehende Ovationen!

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