Sahnehäubchen-Job für Wittenerin

Die Wittenerin Susanne Pfeffer ist Direktorin des Kasseler Fridericianums, dem ältesten Museum der Welt und Herzstück der Weltkunstschau Documenta.
Die Wittenerin Susanne Pfeffer ist Direktorin des Kasseler Fridericianums, dem ältesten Museum der Welt und Herzstück der Weltkunstschau Documenta.
Foto: Nils Klinger
Die Kunsthistorikerin Susanne Pfeffer stammt aus der Konditorenfamilie von Café Leye.Als Chefin des Kasseler Fridericianums leitet sie jetzt das älteste Museum der Welt. „Bis ich zehn Jahre war, wollte ich auch Konditor werden“, erzählt die Wittenerin.

Witten..  Kännchen Kaffee, belegte Brötchen oder lecker Torte: über Jahrzehnte war das Café Leye auf der Bahnhofstraße ein beliebter Anlaufpunkt in der City. „Bis ich zehn Jahre war, wollte ich auch Konditor werden“, erinnert sich Susanne Pfeffer, deren Eltern es betrieben.

Doch inzwischen hat die 40-Jährige einen anderen „Sahne-Job“: Sie ist neue Direktorin des Kasseler Fridericianums, dem ältesten Museum der Welt und Herzstück der Weltkunstschau „Documenta“.

Von ihrer Familie geerbt habe sie wohl den „sinnlichen Umgang mit Dingen“, der ihr auch in ihrem Berufsfeld zugute komme. „Ich bin aber auch ein extrem visueller Mensch“, erzählt die Kunsthistorikerin, die in der Steckel-Ära häufiger das Bochumer Schauspielhaus besuchte und darüber nachdachte, Theaterregisseurin zu werden.

Kulturell besonders geprägt in ihrer Heimatstadt Witten haben sie aber ihre Kunstlehrer am Ruhr-Gymnasium und der Wittener Filmclub. Gegründet im Jahr 1951, hatte der zu seinen besten Zeiten rund 700 Mitglieder und war damit einer der größten in Nordrhein-Westfalen. Hier wurden schon wichtige Avantgarde-Filme, etwa von Regisseuren wie Pasolini gezeigt, lange bevor sie anderswo zu sehen waren.

Eltern boten stets Rückhalt

Noch drei- bis viermal im Jahr kommt Susanne Pfeffer nach Witten, um Familie und Freunde zu treffen. Studiert hat sie in den 90er Jahren in Berlin und Leipzig, wo sie bereits bei der damaligen Avantgarde-Galerie „Eigen und Art“ arbeitete oder bei den Vatikanischen Museen in Rom. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt“, betont die 40-Jährige, die weltweit Ausstellungen organisierte, unter anderem in New York, Tel Aviv oder Warschau. Bevor sie ans Kasseler Fridericianum kam, war Susanne Pfeffer auch künstlerische Leiterin des Künstlerhauses in Bremen und Chefkuratorin des Instituts für zeitgenössische Kunst, „Kunst-Werke“, in Berlin.

„Die Documenta hat hier ihre Spuren hinterlassen“, sagt Susanne Pfeffer über ihre neue Wahlheimat und beschreibt die Kasseler als „sehr kunstsinnig“. Mit einem breiten Spektrum an Ausstellungen will die Kunsthistorikerin ihre Chance nutzen, das älteste erbaute Museum der Welt zu leiten. Gleich ihre Antrittsschau sorgte für internationale Aufmerksamkeit. Wie weit verändert die digitale Welt und die damit verbundene Bilderflut unser Leben? Das ist die zentrale Frage der Ausstellung „Speculations on Anonymous Materials“, in der Arbeiten von jungen Künstlern gezeigt werden, die sich mit dem technologischen Wandel auseinander setzen. „Ich habe bei meinen kuratorischen Tätigkeiten immer experimentell gearbeitet“, erklärt die Wittenerin, die aber auch „größere Retrospektiven“ im Fridericianum plant.

Erstmals auf der Kasseler Documenta, die stets Publikum aus aller Welt anlockt, war Susanne Pfeffer im Jahr 1992. Auch das hatte sie ihren Wittener Wurzeln zu verdanken: „Wir sind damals mit unserem Kunstlehrer Herrn Hirsch vom Ruhr-Gymnasium dorthin gefahren. Documenta-Chef war Jan Hoet. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.“

 
 

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