Ruhrtalradweg kämpft in Witten um seine Sterne

Die Radfahrer sind in Richtung Wengern unterwegs. Hier, gegenüber vom „Landhaus Robbert am Jakob“, führt der Ruhrtalradweg hinab zur Ruhrauen. Diese Einmündung wird im Zuge der Arbeiten rot gepflastert.Thomas Nitsche
Die Radfahrer sind in Richtung Wengern unterwegs. Hier, gegenüber vom „Landhaus Robbert am Jakob“, führt der Ruhrtalradweg hinab zur Ruhrauen. Diese Einmündung wird im Zuge der Arbeiten rot gepflastert.Thomas Nitsche
Foto: Funke Foto Services
Das Gefällstück ist drei Wochen gesperrt. Die Schwellen werden entfernt, die Kurven verbreitert. Künftig dürfen Radler dort wieder im Sattel bleiben.

Witten..  Das hat man auch nicht alle Tage: An der Stadtgrenze von Witten zu Wengern gibt es jetzt unabhängig voneinander gleich zwei Radwegbaustellen: Oben auf der Brücke baut der Landesbetrieb Straßen am Rundkurs „Von Ruhr zur Ruhr“. Unten lässt der Regionalverband Ruhr (RVR) die steile Passage überarbeiten, die den Ruhrtalradweg von der Landstraße hinunter und nach Unterquerung von drei Bahngleisen bis an den Rand der Ruhraue führt.

Während „oben“ die Freigabe des nächsten Teilstücks im günstigsten Fall noch im laufenden Jahr ansteht, sollen die Arbeiten am Ruhrtalradweg schon in etwa drei Wochen erledigt sein. So lange sind die Tunneldurchfahrt und die Rampe gesperrt. Schon ab der Uferstraße werden die Radfahrer über die Hochwasserumfahrung geschickt, die ab dem früheren Bahnhof Witten-Höhe entlang der Bahnnebenstrecke verläuft.

Was aber versteckt sich hinter den „qualitätssteigernden Baumaßnahmen“, die der Regionalverband Ruhr auf den Umleitungshinweisen ankündigt? Im Kern zunächst drei Dinge: Die 27 aufgepflasterten Schwellen auf dem Steilstück werden entfernt. Die Kurven werden verbreitert, wo noch Platz dafür ist, und damit etwas entschärft. Oben an der Landstraße werden der heute asphaltierte Radweg und die Einfahrt rot aufgepflastert, dafür werden dort auch die rot-weißen Doppelsperren dauerhaft entfernt.

Mehr Komfort und Sicherheit

Das Paket soll den Komfort und die Sicherheit für die Nutzer erhöhen – hauptsächlich dadurch, dass sich Radfahrer und Spaziergänger durch den gewonnenen Raum nicht mehr so schnell in die Quere kommen.

Grundsätzlich werde die Passage auch danach noch eine Herausforderung für die Nutzer bleiben, sagt Heinrich Jolk vom Regionalverband Ruhr: „Jeder der dort fährt, muss selbst überlegen, ob er absteigt oder runterfährt.“ An der Höhensituation und dem extremen Gefälle lasse sich nun einmal nichts ändern, weiß auch sein Kollege Harald Spiering, „aber wir wollen es mit diesem kleinen Maßnahmen für alle etwas angenehmer manchen.“

„Buckel eher Gefahr als Hilfe“

Aber lädt es Risikofahrer nicht erst richtig zur Schussfahrt ein, wenn die Schwellen ganz entfernt werden? Dass sie vor der Eröffnung des Ruhrtalradwegs eingebaut wurde, war laut Spiering damals eine Auflage der Stadt Witten – wohl nicht zuletzt mit Blick auf Inlinefahrer. „Heute gelten diese Querrillen eher als Behinderung“, so der Radwegexperte. „Sie sind eine zusätzliche Hürde für die, die hinauffahren. Und beim Runterfahren ist das Vorderrad auf einem solchen Buckel schnell in der Luft. Die Buckel sind eher eine Gefahr als eine Hilfe.“

Künftig müssen Radler nicht mehr absteigen

Bleibt das Befahren des Steilstücks nicht grundsätzlich verboten? „Vorsicht Gefällstrecke – Radfahrer absteigen!“ warnte bisher ein Verkehrsschild. Das ist die nächste Veränderung: Dieses Schild wird nach dem Umbau nicht mehr aufgestellt – ein Schritt, zu dem sich der Regionalverband und die Stadt Witten wohl nicht ganz aus freien Stücken entschieden haben.

Der Ruhrtalradweg ist vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) als Vier-Sterne-Radweg zertifiziert. Auch diese Zertifizierung muss regelmäßig erneuert werden, und die Bestimmungen haben sich verschärft. Bei der letzten Begehung im Herbst wurde das Steilstück, auf dem die Radfahrer schieben sollten, vom ADFC beanstandet. „Auf einen Vier-Sterne-Radweg oder auch überhaupt auf einem zertifizierten Radweg darf es keine angeordnete Schiebestelle geben“, erläutert Harald Spiering.

Die Wahl war also: Die vier Sterne abzugeben oder nachzubessern und das Fahren freizugeben. Vom Ergebnis handelt dieser Artikel.

Von Ruhr zur Ruhr

Der 60 km lange Rundkurs „Von Ruhr zur Ruhr“ (Grafik) führt durchs Hinterland und überwindet den Höhenunterschied zwischen Ruhr (60 m ü. NN) und Silschede (260 m) meist auf langsam ansteigenden alten Bahntrassen. Der nächste, ca. 3,8 km lange, Bauabschnitt führt auf der Trasse der Elbschebahn von der Grenze Bommern/Wengern bis Albringhausen (Ratelbecke). Auf diesem Teilstück ließ bzw. lässt der Landesbetrieb Straßen fünf Brückenbauwerke ertüchtigen – auch den 20 m hohen 130 m langen Viadukt im Elbschetal. Zur Zeit wird die Brücke über die L 675 bei Witten saniert. Straßen NRW beabsichtigt, das Teilstück noch 2016 asphaltieren zu lassen. Der Abschnitt von Albringhausen bis Silschede soll 2017 folgen, später eine Verbindung von Silschede nach Gevelsberg.

Schwerer Unfall auf dem Ruhrtalradweg

Der 230 km lange Ruhrtalradweg ist auf Rang drei der meistbesuchten Radfernwege vorgerückt.

Im Eröffnungsjahr (2006) gab es nach Angaben eines Seniors, den die WAZ traf, einen tödlichen Unfall auf dem Steilstück. Von offzieller Seite wurde der Redaktion nur ein schwerer, aber kein tödlicher Unfall bestätigt. Dieser sei der Anlass gewesen für die Beschildung „Radfahrer absteigen“.

 

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