Raupenbahn versetzt Wittener zurück in die 50er

Erst war es nur ein Hobby, heute ist es sein Beruf: Pascal Raviol restauriert alte Karussells und Kirmeswagen.
Erst war es nur ein Hobby, heute ist es sein Beruf: Pascal Raviol restauriert alte Karussells und Kirmeswagen.
Foto: Pascal Raviol
Restaurierte Berg- und Talbahn versprüht während der Extraschicht auf Zeche Nachtigal den Charme der 50er Jahre. Karussell wurde 1946 gebaut.

Witten..  Auf der Cranger Kirmes wäre die Berg- und Talbahn von Pascal Raviol ein Auslaufmodell. Mit sieben Umdrehungen pro Minute und zur Musik von Elvis Presley fände sie dort nur wenige Anhänger. Auf Zeche Nachtigall hat das 1946 erbaute und nun liebevoll restaurierte Karussell aber seinen richtigen Platz gefunden. Dort wird die Raupenbahn im Rahmen der Extraschicht das Lebensgefühl der 50er Jahre versprühen.

„Das ist ein wunderbares Karussell, das für die Atmosphäre eines Jahrmarkts aus den 50ern sorgen wird“, freut sich Michael Peters, Leiter des Museums Zeche Nachtigall. Er kennt Pascal Raviol schon seit 2010. Damals gab es Überlegungen, einen historischen Jahrmarkt auf dem Museumsgelände im Muttental zu veranstalten. Das scheiterte allerdings an fehlenden Parkplätzen. Nun, da die Extraschicht mit ihrem Motto „Außer Rand und Band“ die 50er Jahre als Thema hat, gibt es also doch noch einen Hauch von historischem Rummel auf Zeche Nachtigall.

Karussell auf Ebay ersteigert

„Ich habe mich schon immer für die Welt von Jahrmarkt und Zirkus begeistert“, sagt Pascal Raviol. Der 46-Jährige wuchs in der DDR auf, lebte bis zur Wende in Berlin und war Pressesprecher beim DDR-Staatszirkus. Nach dem Mauerfall zog es ihn nach Köln, wo er in gleicher Funktion für den bekannten Circus Roncalli tätig war. „Da habe ich Einblick in das Leben dieser Reisenden bekommen. Aus einer Laune heraus habe ich dann bei Ebay mein erstes Karussell ersteigert.“ Dabei sollte es nicht bleiben. Mittlerweile hat Raviol sein Hobby zum Beruf gemacht, restauriert mit seinen Partnern historische Karussells und Kirmeswagen.

Vor fünf Jahren stieß er im Internet auf die Berg- und Talbahn. Für einen „Appel und ein Ei“ habe er das Karussell erworben. Das hatte die Firma Achtendung 1946 gebaut und an einen holländischen Schaustellerbetrieb verkauft. Die Raupenbahn, wie sie auch genannt wurde, leistete viele Jahre gute Dienste – bis sie nicht mehr attraktiv genug war. „Dann haben die einen Doofen gesucht, der das Karussell kauft“, sagt Raviol. „Auf einer modernen Kirmes geht es doch nur noch um höher, schneller, weiter, lauter.“

Heimliches Knutschen unter dem Verdeck

Damit kann Raviol nichts anfangen. Er liebt das Flair der alten Jahrmärkte, auf denen es nicht um Nervenkitzel, sondern um Begegnungen ging. Als fetziger Rock ‘n’ Roll aus den Lautsprechern klang, die Besucher tanzten und junge Paare auf den Karussells heimlich unter dem Verdeck knutschten. „An dieses Lebensgefühl wollen wir anknüpfen“, so Raviol.

Dafür investierte er rund 120 000 Euro in das Karussell. Der detailverliebte Kölner achtete dabei penibel auf Kleinigkeiten. Die alten Malereien wurden restauriert, auf den 18 Holzgolden strahlen nun wieder die Wintermotive. Angetrieben wird die Bahn ganz klassisch von einem Salzfassanlasser. Der ermöglichte früher locker zwölf oder 13 Umrundungen pro Minute. Heute ist das Gefährt auf sieben Runden gedrosselt.

„In Verbindung mit der Erdbeerbowle ist das aber völlig ausreichend“, sagt Raviol. Das süffige Getränk gibt es am historischem Verkaufsstand, der das nostalgische Ambiente auf Zeche Nachtigall abrunden wird. Der symbolische Preis für eine Fahrt auf der Berg- und Talbahn, die in Witten ihren ersten großen Belastungstest zu überstehen hat, beträgt 50 Cent.

 
 

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