Raum der Stille zum Entspannen an der Uni Witten

Im neuen „Raum der Stille“ an der uni Witten blättert Katharina (22) durch einen kleinen Band mit Versen von Rudolf Steiner.
Im neuen „Raum der Stille“ an der uni Witten blättert Katharina (22) durch einen kleinen Band mit Versen von Rudolf Steiner.
Foto: Barbara Zabka / Funke Foto Service
Der neue Meditationsraum an der Uni Witten/Herdecke hält Yoga-Matten für die Entspannung und Einkehr bereit. Ein Besuch nach dem Stress.

Witten.. Der neue eröffnete „Raum der Stille“ liegt abgeschieden im obersten Geschoss der Universität. Wer hier entspannen oder meditieren möchte, braucht eine Zugangskarte der Uni. Am Schuhregal und abschließbaren Spinden vor der Tür kann man den Alltag abstreifen und wegschließen. Willkommen in der gut erträglichen Leichtigkeit des Seins.

Auf Socken geht es über das helle Parkett hinein in die Stille. Die runde Frontseite vor Kopf ist mit Gardinen etwas abgedunkelt. Rechte Winkel gibt es hier kaum. Rudolf Steiners organische Architektur lässt grüßen. Fenster gibt es hinter den Gardinen allerdings nicht. Eine Ballustrade öffnet den Raum direkt zum hohen Foyerbereich der Uni hin. Unverständliche Gesprächsfetzen wabern durch die dünnen Vorhänge herein. Wer sich auf die Atmosphäre konzentriert, hört jeden Schritt der Studenten, die draußen über die Treppe hinauf zur Bibliothek hasten.

Kleine Hefte mit Gedichten und Sprüchen

In einem Regal an der Wand liegen neben Kissen und Yogamatten auch kleine Hefte mit Gedichten und Sprüchen. Hier treffe ich den Begründer der Anthroposophie wieder. „Nahrung für die Seele“ verheißt das Bändchen. Für jede Kalenderwoche hält es einen Spruch Steiners bereit. 27. Oktober bis 2. November: „Es sprießen mir im Seelensonnenlicht / Des Denkens reife Früchte...“

In der etwas abgedunkelten Ecke richtet sich Katharina von ihrer Matte auf. Mit Kissen und Decke hatte sie kurz in der Mittagspause die Augen geschlossen. Seit sechs Uhr morgens war die 22-jährige „PPE“-Studentin (Philosophie, Politik und Ökonomik) zuvor auf den Beinen. „Ich bin heute zum ersten Mal hier reingegangen.“ In dem sonst menschenleeren Raum trug es sie sofort in Morpheus’ Arme. Jetzt, da sie aufgewacht ist, blättert auch sie in dem Steiner-Bändchen weiter, über dem sie zuvor wohl eingeschlafen war. Sie schaut etwas nachdenklich ins Leere, scheint sich einen Reim auf die spirituellen Wochenlosungen machen zu wollen. „Ist schon ganz interessant.“

Meditationskurse und Eurythmie

Während wir uns andächtig im Flüsterton unterhalten, poltert draußen eine Studentengruppe laut lachend Richtung Cafeteria. „Es ist schon schade, dass es hier doch noch so laut ist. Wäre ja schön, wenn es ein geschlossener Raum wäre“, meint Katharina. Beim ungewollten Nickerchen haben sie die Hintergrundgeräusche nicht gestört. „Ich kann fast überall einschlafen. Bislang haben viele Studenten auch einfach ein Nickerchen auf der Bank im Foyer gemacht.“ Nur beim Lesen und Meditieren, da wäre etwas mehr der versprochenen Stille schon schön.

„Aber ich finde es richtig klasse, dass es diesen Raum jetzt gibt.“ Der erste Liegetest hat Katharina überzeugt. „Ich werde bestimmt noch mal herkommen.“ Dann vielleicht auch zu einem der Kurse. Die Schnupperangebote sind reichlich: von Eurythmie und Zen-Meditation bis hin zum „Power Nap“ (kurzer Tagschlaf). Jetzt aber aufstehen, noch ein letztes Mal kurz Gähnen. Die Uni geht weiter.

 
 

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